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25.

Juni

2017

Manchmal dem Nichttrottelsein misstrauen

Der Komiker Michael Niavarani kann etwas, was nicht viele können: Er kann  sehr gescheite Sachen sehr komisch sagen. (Einschub: Das ist selten geworden. Wer zu viel Humor hat, gilt heute als verdächtig, denn er steht im Verdacht, Leid, Ungerechtigkeit und Hitzewelle gegenüber zu wenig angebrachte Ernsthaftigkeit zu empfinden und sollte dringend mit einem kleinen Shitstorm wachgerüttelt werden. Einschub Ende.) In seinem Buch „Ein Trottel kommt selten allein“ formuliert Niavarani den …

24.

Juni

2017

Zu

Kennen Sie auch die Menschen, die sich hauptsächlich über "zu" definieren? Immer ist irgend etwas "zu": Das Obst am Markt ums Eck ist zu teuer. Die Stadt mit ihren vielen Touristen ist zu voll. Die Doku im Fernsehen läuft zu spät am Abend. Der Strand in Badweißnichtwo ist zu überlaufen. Die Torte im Kaffeehaus war wieder einmal zu trocken – Jammern, Dein Präfix heißt zu:Wir werden nur noch zu-gejammert. Am meisten zu ist ja das Wetter. Immer. Im Dezember ist zu wenig Schnee. Im März ist es (…

23.

Juni

2017

Holler, Hut und Knie

Seit einer Woche nun ist der "populistische Vollholler" geflügelt’ Wort, das der Kanzler seinem Außenminister umhing. In der Erregung über die kernige Umschreibung einer Kurz-Formel ("Mittelmeerroute schließen") ist der Holler selbst aber zu wenig gewürdigt worden. "Vor Holunder soll man den Hut abziehen und vor Wacholder die Knie beugen", heißt es im Volksmund. Weil der eine schon bei den Griechen und den Römern und den Germanen als Hort der guten Geister und Garant für fruchtbare Felder …

21.

Juni

2017

Skianzug: jetzt nicht.

Geben Sie es ruhig zu, ohne uns wären Sie längst nicht mehr da. Ohne die verblüffenden Weisheiten des überall mit zum Helfen entsicherter Hand  bereitstehenden Servicejournalismus hätten Sie keine Chance, das Leben zu überleben. Zum Beispiel jetzt. Würden wir Ihnen nicht sagen, nur morgens und abends zu lüften, viel (schlückchenweise!) zu trinken, vor dem Schlafengehen schwere Speisen und Alkohol zu meiden und leichte, helle Kleidung zu tragen, wären Sie hilflos den Gefahren der Hitze …

21.

Juni

2017

"Denen geht's zu gut"

Gerade jetzt, wenn Schulschluss- und Zeugnisstress junge Menschen in verzweifelte Situationen bringen, hört man wieder häufig: „Die leisten doch eh nichts.“ Und: „Den Jungen geht’s viel zu gut.“ Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Keine Spur von „geht’s zu gut“. Laut Umfrage unter 15- bis 26-Jährigen fühlt sich nur ein Fünftel „sehr gesund“. Doch jeder Vierte (in einigen Bundesländern sogar jeder Dritte) gibt an, sich „nicht gesund“ zu fühlen. Was sagt uns das? Dass es verdammt schwer …

20.

Juni

2017

Über-raa-schung!

Die Zigarette gilt als Inbegriff des Ungesunden. Daher hat der Markt die E-Zigarette erfunden – Devise: gesünder qualmen, das hilft auch auf dem Weg zur Nikotin-Abstinenz. Jüngst stellte eine US-Studie jedoch fest, dass viele E-Zigaretten mit ihren Chemikalien und der nikotinbasierten Flüssigkeit so schädlich sind wie der alte Glimmstängel. – So eine Überraschung aber auch! Das ist wie beim Diesel: Jahrzehntelang fuhr der Schlaue Diesel, weil billiger und angeblich nicht so giftig wie Benzin. …

19.

Juni

2017

Vollhollermitschreibegate

Endlich eine neue Aufregung! (Die zwei Tage ohne Erregungswichtiggetue waren ja kaum auszuhalten.) Also: Es geht um den Vollholler, die Geschichte ist wirr und kasperlhaft, und das macht sie so österreichisch. Der Kanzler hat die Politik des Außenministers einen „Vollholler“ genannt (Skandalbestandteil a). Wobei: Er sagte das nur theoretisch, denn er betonte vorher, dieser Begriff sei nicht zu zitieren (Skandalbestandteil b). Eine Zeitung hat ihn dennoch zitiert (Skandalbestandteil c), worauf …

18.

Juni

2017

Unwucht

Experten schlagen das, was sie am liebsten schlagen, nämlich Alarm: Zwei Milliarden Menschen  leiden an Übergewicht. Gleichzeitig hätte eine Milliarde Menschen gern dieses Problem – die sind nämlich unterernährt. In der Tat ist die Gewichtsverteilung bereits derart ungleich, dass Techniker meinen, der Planet müsse neu gewuchtet werden, sonst bekommt er einen Patschen. Woher kommt das Übergewicht? Experten rätseln noch über die Ursachen, vermuten jedoch einen Zusammenhang mit dem Essen. …

17.

Juni

2017

Wie die Laufenten

„Wenn du es eilig hast, nimm dir Zeit“ ist ein einleuchtendes Prinzip: Jeder, der unter Druck schon einmal eine falsche Taste gedrückt und seine Arbeit zunichte gemacht hat; jeder, dem beim Schusseln etwas aus der Hand gefallen und in tausend Scherben zerbrochen ist; jeder, der je einem Termin hinterherhastete, stolperte und in der Notaufnahme landete, weiß genau, wovon hier die Rede ist. Aber der hirnlose Zeitgeist treibt die Menschen derzeit vor sich her wie die Laufenten. Apropos: Geht …

16.

Juni

2017

Dreckig, aber glücklich

Das Burgenland, erst seit 1921 bei Österreich, also rein rechtmäßig das Nesthäkchen unter den Bundesländern, ist in Wahrheit das Stiefkind: Für einen Witz immer gut genug. Dabei gibt es unzählige Gründe, das Burgenland zu lieben. Einer davon heißt „Nova Rock“. Die „Pannonia Fields“, dieses Gruppenübungsgelände für friedliche Koexistenz unter erschwerten Bedingungen, ziehen jedes Jahr Zigtausende Menschen an, die sonst nie auf die Idee kämen zu campen. Dort, wo Hitze und Staub oder Regen und …

15.

Juni

2017

Alles klar, klar wie Kuhmilch

Wird manchem die Lust am Lieblingskäse vergehen? Seit überall zu lesen ist, dass dieser aus einem Produkt „normaler Eutersekretion“ stammen muss? Früher hätte man „Milch“ dazu gesagt. Aber jetzt wird es komplizierter, damit der Konsument mehr Klarheit bekomme: Der EuGH verbietet die Verwendung der Begriffe „Käse“, „Butter“, „Rahm“ usw. für vegane Produkte, die eben nicht aus „normaler Eutersekretion“ stammen. Zum besseren Verständnis: Es darf keinen „Veggie-Käse“ mehr geben, sehr wohl aber „…

14.

Juni

2017

Einsam

Wer einsam ist, neigt laut neuer US-Studie dazu, immer mehr um sich selbst zu kreisen. Und wer egozentrisch um sich kreist, verstärkt die Einsamkeit. Das führt zur Frage: War der König der Egozentrik, ehe er so wurde, wie er ist, einsam? Also tief im Innersten einsam (sonst war er ja doch eher ein Hoppla-jetzt-komm-Ich). Und ist Donald Trump jetzt, wo er um sich kreist, noch einsamer? Viele hoffen ja, dass nun alles besser wird. Denn Donald ist nicht mehr allein zu Haus’ – sprich: Ehefrau und …

12.

Juni

2017

Spinner-Hype (2)

Kürzlich war hier von Sommerspielzeug-Moden die Rede – von Klick-Klack bis zum Fidget Spinner. Früher waren sie schnell vergänglich, heute heißen sie Hype. Was dasselbe bedeutet. Das genaue Gegenteil davon ist "Mensch ärgere Dich nicht". Das Brettspiel gibt es bei uns seit mehr als 100 Jahren. Genauso lang ärgern sich Jung und Alt, wenn sie kurz vorm Ziel rausgeworfen werden und elendslang keinen Sechser werfen, um wieder ins Spiel zu kommen. Der Klassiker unter den Gesellschaftsspielen kann …

11.

Juni

2017

Pragmatiker gesucht.

Die drei ungeschriebenen Zusatzartikel zur österreichischen Verfassung lauten: (1) Des hamma immer schon so gemacht; (2) Da kunnt ja a jeder kumman; und (3) Wer lasst fragen? In Österreich ist der  Aggregatzustand die Gemütlichkeit, das macht das Land resistent gegen  Unfrieden, aber  auch konflikt- und reformscheu. Bei uns wird der Kompromiss gern formuliert, bevor die Diskussion begonnen hat, den Vorgang des Ideen-Wettstreits kann man dann gleich überspringen und zum …

10.

Juni

2017

Wie ein frecher Kobold

Jetzt hat die Wissenschaft schon wieder etwas herausgefunden, nämlich dass „Dein Lächeln ist wie ein frecher Kobold“ ein guter Anmachspruch ist. Allerdings nicht bei uns, sondern in China (die Studie kommt von einer chinesischen Universität, berichtet die deutsche Zeitung Die Welt).  In Österreich  hingegen antworten 7,5 von zehn Frauen auf den Satz „Dein Lächeln ist wie ein frecher Kobold“ mit „Gute Besserung!“ (zwei lachen sich kaputt, 0,5 finden den Satz schön.) Sprachbilder sind …

09.

Juni

2017

Spinner-Hype

Endlich ein neuer Hype. Kennen Sie Fidget Spinner? Doch, kennen Sie: Wenn Sie Kinder sehen, die ein Ypsilon-ähnliches Plastikding mit drei Augen auf dem Finger kreisen lassen, dann ist das ein Fidget Spinner. Alle spinnen grad. Auch die Medien: Es wird debattiert, ob das Spielgerät Seuche oder Segen ist, der die Kleinen vom Handy abhält. Schulen erwägen ein Verbot, weil nur noch gespinnt wird. Und die EU mahnt, beim Kauf auf Sicherheitsvorschriften für Spielzeuge zu achten (Kleinteile und so).…

08.

Juni

2017

Schwammkopf twittert

Was machen politikverdrossene Wähler? Sie gehen zur Urne und schreiben „SpongeBob“ auf ihren Stimmzettel. Bei der Bürgermeisterwahl in der kroatischen Küstenstadt Split ist das so oft der Fall gewesen, dass SpongeBob Schwammkopf dort wie ein Wahlsieger gefeiert wird. Auch in Österreich wird ein Wahlerfolg für SpongeBob immer wahrscheinlicher. Denn während die (theoretisch regierende) SPÖ in Urwaldmanier über eine Urabstimmung streitet, sagt ein Minister der (theoretisch regierenden) ÖVP: „…

07.

Juni

2017

Land am Bade (II)

Unlängst sprachen wir hier über die Eigenart des Österreichers, das Baden (Freibad, privater Pool, Badesee) besonders zu schätzen, aber dennoch manchmal streng zu riechen, bevorzugt in der U-Bahn. Leserin Edith S. hat eine  durchaus logisch klingende Erklärung für dieses Paradoxon: „Österreich ist zwar am Wasser gebaut, nicht jedoch an der Seife.“ (An dieser Stelle sei eines eingeräumt: Das allsommerliche  Klagen über unerfreulich riechende Mitmenschen hat etwas von klassischem …

06.

Juni

2017

Polizeinotruf

Es wächst zu wenig nach – die Polizei überaltert. Und die Bahn wohl nur deshalb nicht, weil ein Bahnbediensteter schon in Pension ist, wenn er das Durchschnittsdienstalter eines österreichischen Polizisten erreicht. Auch das Heer sucht Nachwuchs. Da wird es nicht reichen, dass man mit Edelstahl- statt Aluminiumgeschirr und neuen Feldschuhen statt der Getragenen vom Vorgänger wirbt. Und auch mit dem Slogan: „Die Polizei. Mehr als ein Beruf" finden sich zu wenig Berufene, die das Polizei-…

04.

Juni

2017

Land am Bade

Wir Österreicher sind eine feuchte Nation. Und da geht es jetzt nicht um unser Verhältnis zu den bekannten drei Weinsorten: Rot/weiß/bitte lieber ein Bier. Sondern um das zum Wasser, auch „kühles Nass“ genannt. Schon der  Philosoph Rainhard Fendrich wusste: Die Hitze der Stadt ist/im Sommer brutal/da man fürchterlich matt ist/wird das Leben zur Qual/darum strömen die Blassen/zu den städtischen Kassen. Bis zu 3,2 Millionen Besucher werden von den Wiener Bädern jedes Jahr registriert. …

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