Zur mobilen Ansicht wechseln »

25.

Mai

2016

Griechische Tragödie in fünf Bildern

Blog Nr. 1124: Der alte Mann, der am Nebentisch speist, ist der pensionierte Wirt der kleinen Taverne im Hafen von Piräus. Die Mehrzahl seiner Landsleute kann sich den Besuch seiner Taverne nicht mehr leisten. Wenn die Griechen heute außer Haus essen, dann vor allem bei öffentlichen Armenausspeisungen. Wer in diesen Tagen durch Athen geht, merkt schnell: Die griechische Finanztragödie hat mehr als nur ein Gesicht. Sie hat längst auch große Teile des Mittelstands in die Tiefe gerissen. Rostige …

18.

Mai

2016

Vom Lux zum Luxus: Die Lichter der Stadt

Blog Nr. 1123: Wenn ich mit dem Abendzug in Zagreb ankomme, denke ich mir jedes Mal: Wie schön hell ist Wien! Zwar haben die Geschäfte in der kroatischen Hauptstadt deutlich länger offen als in Wien, doch die Ausleuchtung des öffentlichen Raums signalisiert den Unterschied: Licht ist nicht nur Verschmutzung, Licht ist auch Luxus (siehe dazu auch die Bildergalerie oben). Auch die Nacht-Fotos aus dem All bezeugen dies. Wo wir zu Hause sind, leuchtet die Erde in der Nacht hell wie ein Stern. Das …

11.

Mai

2016

Vom Rand ins Zentrum: Das Ende von Wien

Blog Nr. 1122: „Wien ist groß genug, dass dich die Stadt an ihren Rändern leben lässt.“ Hat mich der Liedermacher Ernst Molden einmal getröstet. Ich habe mich seither mit dem Fahrrad immer wieder an die Peripherie begeben. Um mit der Kamera das durch Tafeln markierte Ende der Stadt ins Zentrum zu rücken (siehe Bildleiste oben). Und tatsächlich lassen die nicht behübschten, nicht kommerzialisierten Ränder der Stadt noch Spielraum für Ideen, die sich nicht am Althergebrachten orientieren. …

04.

Mai

2016

Der 317er: Von Floridsdorf nach Groß-Enzersdorf

Blog Nr. 1121: Am Anfang ist alles wie damals. Die Straßenbahn fährt vom Bahnhof in Floridsdorf ab. Doch aus dem 317er ist ein 25er geworden – und aus der historischen Tram mit Holzaufbau ein moderner Niederflurwagen. Auch sonst blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Zu diesem Schluss kommen auch der Historiker Herbert Kovacic und der Schriftsteller Herbert Eigner in ihrer lesenswerten Monographie Der 317er. Von Großenzersdorf nach Floridsdorf, die in der Edition Winkler-Hermaden erschienen ist.…

29.

April

2016

Radasyl: Lkw-Fahrer repariert Fahrräder

Blog Nr. 1120: Die Fahrradkette ist zu reparieren. Kein Problem für den Mann aus Syrien, der sagt, dass er in seiner Heimat Lkw-Fahrer war. Er hat ganz andere Probleme in seinem Leben überwunden. Heinz Berger von der Radlobby 21 ist sichtlich beeindruckt. Gemeinsam mit Freiwilligen sammelt er Fahrräder für die Menschen im Flüchtlingsquartier an der Floridsdorfer Siemensstraße. Einige Räder müssen wieder fahrtüchtig gemacht werden. Aber mit solch professionellem Helfer ist das ein Leichtes!

28.

April

2016

Radasyl: kleine Räder, große Kinderaugen

Blog Nr. 1119: Ein Fahrrad! Die Augen der Kinder im Flüchtlingsquartier der Caritas bei mir ums Eck leuchten. Dann dürfen sie auf dem Fabriksareal gegenüber vom Siemens-Werk erste Runden radeln. Und dabei Momente der Freiheit verspüren. Es braucht nicht viel, um diese Kinder glücklich zu machen. Heinz Berger von der Radlobby 21 bittet um Hilfe: „Wenn Sie ein Kinderrad zu Hause stehen haben und nicht mehr brauchen, bitte bringen sie es vorbei. Es gibt Kinder, denen sie damit eine Freude machen.“

27.

April

2016

Fortuna 05: Wiedersehen nach 25 Jahren

Blog Nr. 1118: Wiedersehen mit einem alten Bekannten. Das letzte Mal sind wir uns vor 25 Jahren begegnet. Auch auf dem Fußballplatz. Damals als Kapitäne unserer Mannschaften beim Handshake vor einem Spiel. Damals, im Wiener Fußball-Unterhaus, wie man so schön sagte. Seit ewig lese ich die Fußballberichte von Hannes Steiner in der Kronenzeitung. Was ich jedoch nicht wusste: Dass der Hannes nebenbei auch ein solide ausgebildeter, umsichtiger Trainer für junge Fußballer ist. Gutes Spiel!

26.

April

2016

Gemma, Mischa! Foto-Finish auf der Insel

Blog Nr. 1117: Lustig war’s! Plötzlich flog der Kollege aus dem innenpolitischen Ressort an uns vorüber. Seine Rennmaschine leichter als ein Regierungsprogramm, sein Tempo nahe eines Sprints bei der Tour de France. Gut, Fotograf Franz Gruber war auf den Sprinter Michael Bachner fokussiert, der musste arbeiten. Aber wir anderen Rad-Tester hatten beim Fototermin gerade nix Besseres zu tun. Und so war an diesem Nachmittag ein lautstarkes „Gemma, Mischa!“ auf der Wiener Donauinsel zu vernehmen.

25.

April

2016

Puch Sprint: Mann, hat das Spaß gemacht!

Blog Nr. 1116: Habe mal was Neues ausprobiert. Ein Puch Sprint, Single Speed, mit nur einem Kranzl, ohne Gangschaltung. Bei meinen Testfahrten für einen Zeitungsartikel haben sich Symptome von Melancholie und Midlife-Crisis verschmolzen. Als Kind hatte ich ein Puch, einen Halbrenner mit der Bezeichnung Clubman, damals, als es nur Puch oder KTM gab. Und hinter den Ampeln hat der alte Mann all die Burlis und Girlies auf ihren Hipsterrädern hinter sich gelassen. Mann, hat das Spaß gemacht!

22.

April

2016

Mein Apfelbaum und der Neoliberalismus

Blog Nr. 1115: Also ein Senkrechtstarter ist er nicht. Und ein Obstlieferant auch (noch) nicht. Aber das wird schon noch werden, habe ich mir oft gedacht. Seine Zeit kommt noch. Außerdem ist er ein Geschenk meiner besten Zagreber Freunde. So einen entsorgt man nicht einfach wie Mobiltelefone oder Fußballschuhe, die nicht mehr der letzte Schrei sind. Mein Apfelbaum dankt in diesem Frühjahr auf seine Art: Zum ersten Mal blüht er. Seine Blüten sind ein klarer Beweis dafür: Gut Ding braucht Weile.

21.

April

2016

Chinesische Birne vs. japanische Kirsche

Blog Nr. 1114: Mein Kollege Wolfgang Freitag steht in seinem Vorgarten, der kein Wolfgang-Freitag-Platz wird, und blickt die vertraute Straßmeyergasse hinunter. Er sieht entlang der Baumreihen abwechselnd japanische Kirschen (rosa) und chinesische Birnen (weiß). Das war nicht immer so. Früher, in seiner Kindheit, Jugend, auch noch vor wenigen Jahren standen hier nur die im Frühjahr kurz aufblühenden Japaner. Doch die mussten weg, erklärten ihm die Stadtgärtner. Die Chinesen sind pflegeleichter.

20.

April

2016

Mit Brigitta Höpler die Stadt entdecken

Blog Nr. 1113: (W)ORTE -> Stadtschreiben. Nennt Brigitta Höpler ihre Schreibseminare, die sie und ihre Teilnehmer_innen zu spannenden Orten der Wienerstadt bringt. Höpler erklärt das Prinzip ihrer Veranstaltungen so: „Wie auf Reisen leben. Das Gewohnte unterbrechen. Neue Entdeckungen machen: mit Stadt- und Schreibimpulsen.“ Und plötzlich bekommen die vielen Brücken in Zwischenbrücken (Brigittenau) eine neue Bedeutung. Dorthin geht es übrigens am Freitag, dem 20. Mai. Mehr Infos und Termine …

19.

April

2016

Rätsel: Wo liegt dieses Ende von Wien?

Blog Nr. 1112: Fortsetzung meiner Rätseljagd, die ich mir bei einer Radfahrt ausgedacht habe und die dann und wann das Ende von Wien ins Zentrum rücken will. In welchem Bezirk markiert diese Ortstafel das Äußerste der Stadt? Kleine Orientierungshilfe für alle, die jetzt im Wiglwogl sind: Die Höhenstraße radle ich rauf & runter, wenn ich von Neuwaldegg nach Sievering muss. Gleich neben dem Schild fließt übrigens der Kräuterbach. Auflösung für alle, die sich am Stadtrand verloren fühlen: …

18.

April

2016

Franz Blaha: Ein Gedichtband zum 71er

Blog Nr. 1111: Wenn einer seinen 71er feiert und noch nicht mit dem 71er heimfährt, wie man in Wien den irdischen Abgang elegant umschreibt, darf er sich trauen, seine über die Jahre gereiften Gedichte öffentlich zu machen. Lange hat Franz Blaha zugewartet, dabei auch oft mit sich und seinem lyrischen Werk gehadert. Es ist den engagierten Leuten vom Wiener Literarturverlag fabriktransit zu verdanken, dass sie die Gedichte des ebenso belesenen wie bescheidenen Mannes in einem Band herausbringen.

15.

April

2016

Traum: Unterwegs in der Wohnstraßenstadt

Heute Nacht von einer Radfahrt durch die Stadt geträumt: Es war leise, roch nicht nach Benzin und Diesel, und es war auch viel bunter als sonst. Plötzlich wurde mir bewusst, dass ganz Wien Begegnungszone ist. Jede Straße eine Wohnstraße. Autos? Ja, gab es. So wie in den 1960er-Jahren. Da und dort fuhr eines. Da und dort parkte eines. Auch die Häuser waren irgendwie anders. Ließen Raum für ausreichend Grünflächen. Dann wachte ich auf. Bereits auf der Brünner Straße war ich zurück in der …

14.

April

2016

Unterwegs im Weinviertel: Der Kirchturm

Was im Weinviertel auch nicht verschwinden wird, was auch von Weitem sichtbar ist: Das ist der Kirchturm. Über Jahrhunderte war die katholische Kirche konkurrenzlos, besaß die absolute Lufthoheit über ihre Sünder. Doch dann betonierten die Sünder an vielen Orten ihre Lagerhäuser hin. Und ihre Türme begannen die Kirchen zu überragen. In jüngster Zeit wird die Kirche auch noch von anderer Seite erniedrigt: Überall wachsen die schlanken weißen Konstrukte der Windrad-Gesellschaften in den Himmel.

13.

April

2016

Unterwegs im Weinviertel: Ruhig hintaus

Einer der ruhigsten Orte der Welt: Das Hintaus der Dörfer im Weinviertel. Hier kräht maximal ein Hahn, und vielleicht hört man – wenn man Glück hat – auch noch einmal einen Traktor anstarten. Keinesfalls zieht hier der Schwerverkehr durch. Hintaus sind auch Menschenansammlungen eher selten. Der Wolkersdorfer Anwalt Martin Neid hat dem Hintaus sogar ein eigenes Buch gewidmet. Es ist in der Edition Winkler-Hermaden erschienen. Auch als Hommage an ein Kulturgut, das nicht so schnell verschwindet.

12.

April

2016

Unterwegs im Weinviertel: Für immer zu

Zu sein. Das kann auch im Weinviertel mehrere Bedeutungen haben. Wer zum Beispiel in seinem Dorfwirtshaus zu intensiv dem reschen Brünnerstrassler zuspricht, ist ordentlich zu. Sofern das Dorfwirtshaus noch offen hat. Auf einer gemeinsam Radfahrt mit den beiden Weinviertel-Kennern Karl und Martin Zellhofer wurde in Königsbrunn das Gasthaus Kerschbaum inspiziert. Das ist ebenso wie das Gemeindeamt nebenan: zu. Für die Autoren des Buchs Verschwundenes Weinviertel ein durchaus vertrauter Anblick.

11.

April

2016

Unterwegs im Weinviertel: Vater und Sohn

Das nächste schöne Buch aus der in Schleinbach bei Wolkersdorf beheimateten Edition Winkler-Hermaden: Karl und Martin Zellhofer, Vater und Sohn, porträtieren in ihrem Bild-Text-Band Verschwundenes Weinviertel ehemalige Greißlereien, Wirtshäuser, Kinos, Schulen, Bahnhöfe, Gemeindeämter und Ziegelwerke. Da und dort lassen der pensionierte Schulrat und der studierte Historiker Zeitzeug_innen zu Wort kommen. Die Zellhofers retten damit auch eine ganze Menge Lebenserfahrung vor dem Vergessen.

08.

April

2016

Ansichten von unterwegs: Nur werktags

Heute ist es genau drei Jahre her, dass meine Ansichten von unterwegs Tag für Tag erscheinen. Zeit für Veränderung! Drei Jahre lang habe ich sieben Tage pro Woche, 365 Tage im Jahr täglich eine lebensnahe Miniatur auf KURIER.at veröffentlicht. Ab morgen werde ich dieses Service zum ersten Mal so nicht mehr bieten. Nach einer alten Lebensphilosophie („weniger ist mehr“) gibt es die Ansichten künftig nur mehr an den Werktagen, von Montag bis Freitag. Weiterhin genügend Lesestoff, weiterhin …

Bitte Javascript aktivieren!