Nein, nach einem Sieger sah es lange nicht aus. Jannik Sinner und Alexander Zverev lieferten sich in 3:46-Stunden ein Wimbledon-Finale, das würdiger nicht sein konnte. Fast drei Stunden dauerte es, bis es das erste Break gab: Am Ende siegte der Weltranglisten-Erste Jannik Sinner 6:7, 7:6, 6:3 und 6:4 und durfte sich über seinen fünften Grand-Slam-Titel und den zweiten im All England Lawn Tennis and Croquet Club freuen.
Obendrein über die Rekordprämie von umgerechnet 4,2 Millionen Euro. Der 29-jährige Zverev, der lange Zeit gepusht vom Paris-Titel extrem konzentriert blieb, erhält die Hälfte und ist ab Montag die Nummer zwei der Welt. Den ersten Wimbledon-Sieg für die deutschen Männer seit Michael Stich (1991) verpasste er aber. „Jannik, ich mag dich nicht mehr“, sagte Zverev mit einem Schmunzeln über seinen Angstgegner Sinner (direktes Duell nun 4:11) im Interview nach dem Spiel: „Er hat einmal mehr gezeigt, warum er der beste Spieler der Welt ist.“
Die ersten Minuten waren aufregend wie ein britischer 5-Uhr-Tee. Beide brachten ihre Aufschläge souverän durch. Und dann hatte Sinner plötzlich die Chance, auf 5:3 davonzuziehen. Der Italiener verschlug aber gegen einen in dieser Phase kurz verunsicherten Zverev einen Ball.
Emotionaler Sinner
Man konnte auch im Tie-Break keinen besseren Spieler ausmachen. Am Ende gewann diesen der Deutsche hauchdünn mit 9:7. Der ungewohnt emotionale Sinner machte bei Zverevs Aufschlägen ein, zwei Fehler zu viel. 65 Minuten dauerte der erste Satz – für ein Spiel auf Rasen durchaus lange.