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Superstars und Skandale: Die WM-Zwischenbilanz vor der Finalwoche

Die beiden Halbfinalspiele stehen fest, für 44 der 48 Teams ist die Weltmeisterschaft beendet. Was ist in den vergangenen Wochen positiv aufgefallen? Was hat weniger gefallen?
FIFA World Cup 2026 - Round of 32 - Spain v Austria

Die 23. Fußball-Weltmeisterschaft biegt in die Zielgerade ein. In einer Woche weiß man, wer den Pokal in New Jersey in die Luft stemmen wird. 

Was ist positiv aufgefallen? Was hingegen war unnötig? Der KURIER zieht Bilanz.

Das war Top

Stars: Die ganz Großen lieferten ab. Seien es Lionel Messi, Kylian Mbappe oder Erling Haaland und Harry Kane, die in der Nacht auf Sonntag gegeneinander gespielt haben. Die WM 2026 ist die WM der Superstars.

Fans: Vorbei sind die Zeiten von 1994, als die amerikanischen Fußballfans bei den weiten Tormannausschüssen am lautesten gejubelt haben. Die Stadien sind voll, die Stimmung ist gut, Gewalt ist kein Thema. Die meisten Herzen erobert haben die Fans aus Schottland, rund 30.000 sollen über den Atlantik gereist sein und haben in Boston laut aber friedlich die Pubs leer getrunken. Die Party war nach der Vorrunde allerdings vorbei.

Stadien: Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hat neue Maßstäbe gesetzt. Die Spielorte sind Fußball-Tempel. Österreichische Fans fühlten sich in einen Fantasy-Film versetzt, als sie in der futuristischen Mega-Arena in Los Angeles die Partie gegen Spanien sahen.

Blick auf das leere SoFi Stadium in Los Angeles mit einem großen, hängenden FIFA-Logo unter dem Glasdach.

Das SoFi-Stadium in Inglewood hat eine maximale Kapazität von 100.240 Plätzen.

Österreichs Comeback: Über das Abschneiden des ÖFB-Teams (Aus im Sechzehntelfinale gegen Spanien) kann man geteilter Meinung sein. Das Tor von Sasa Kalajdzic in der 96. Minute zum 3:3 gegen Algerien wird aber zweifellos in die österreichische Fußballgeschichte eingehen. Bist du deppat!

Kap Verde: Vor der WM war Kap Verde den meisten Menschen maximal als Urlaubsdestination bekannt. Doch vom ersten Spiel weg haben sich die Insel-Kicker in die Herzen der Fans gespielt. Von Kult-Keeper Vozinha, der das 0:0 gegen Spanien festhielt bis Sidny Cabral, der gegen Argentinien in der Verlängerung per Traumtor traf – Kap Verde wurde vom Außenseiter zum Weltmeister der Herzen.

Das waren die Flops

Sanktionen gegen Iran: Die Spieler des Iran mussten vor jeder Partie aus dem WM-Quartier in Mexiko in die USA einreisen und danach das Land unmittelbar wieder verlassen. Fairplay sieht anders aus.

Hohe Preise: Wer die horrenden Ticketpreise gestemmt hat, zahlt in Los Angeles noch 80 Dollar für einen Parkplatz und 17,50 Dollar für ein Bier im Stadion. Mehr Nationen denn je durften mitspielen. Zuschauen konnten vor allem jene, die es sich leisten konnten.

Turniermodus: 32 ist die perfekte Zahl für eine Fußball-WM. 48 Nationen sind zu viele. Die Folge ist, dass auch 8 von 12 Gruppendritten aufgestiegen sind, was zu kuriosen Rechenspielen führte, wie etwa vor dem Spiel von Österreich gegen Algerien. Die WM ist nicht spannender geworden. Sie ist länger geworden. Auch der Tore-Rekord verliert bei genauerem Hinsehen an Glanz. Ein 48er-Feld produziert in der Gruppenphase naturgemäß mehr Duelle zwischen Favoriten und Überforderten, und genau dort fielen die Tore. Rekordwerte wie beim 7:1 der Deutschen gegen Curaçao sind kein Beweis für besseren Fußball. Sie sind das Nebenprodukt größerer Klassenunterschiede.

Trump & Infantino: Die Affäre Balogun geht als einer der größten Skandale in die Geschichte von Fußball-Weltmeisterschaften ein. Dass der mächtigste Mann der Welt beim FIFA-Boss wegen einer Rot-Sperre eines US-Spielers interveniert, ist schon eine Ungeheuerlichkeit. Dass Gianni Infantino dieser Aufforderung nachgeht, ist der Super-GAU für den Fußball. Aber was will man schon erwarten von einem Mann, der für Trump einen „Friedenspreis“ erfunden hat?

Hydration Break: 104 Spiele, 208 Trinkpausen, 208 Werbe-Unterbrechungen. Fußball ist auch kommerziell in den USA angekommen. Auch wenn vielen Trainern die zusätzlichen Unterbrechungen nicht ungelegen kamen, um taktische Veränderungen vorzunehmen. Für Zuschauer und Fußball-Romantiker war das nicht optimal – schließlich wird Fußball in zwei Hälften gespielt und nicht in vier Vierteln.

Schiedsrichter: Müssen bei einer WELTmeisterschaft auch Schiedsrichter aus aller Welt pfeifen? Oder sollen einfach die besten Referees die Spiele der besten Mannschaften leiten? Offensichtlich war, dass so manche Unparteiische überfordert waren. Einerseits mit dem Geschehen auf Rasen, wie etwa bei den Härteeinlagen von Paraguay gegen Frankreich. Aber auch damit, dass man die VAR-Entscheidungen live, laut und verständlich durchs Mikro sagen musste.

Elfmeterquote: Eigentlich ist es ja ganz einfach. Ein langer Anlauf, ein satter Schuss ins Eck, ein Tor. Doch bei dieser WM versuchen sich auch die Stars in Kunstschüsschen mit unterbrochenem Anlauf. Die Folge: Nur 39 von 60 Penaltys (inklusive Elfmeterschießen) wurden bis Freitag verwandelt. Das entspricht einer Trefferquote von 65 Prozent, das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Langjähriger Schnitt sind 79 Prozent.

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