Trainer Hoff Thorup über Rapid: „Wir müssen heuer viel besser sein“
Rapid-Trainer Hoff Thorup
Zum Abschluss des Trainingslagers testet Rapid am Sonntag (15 Uhr) in Wels gegen Zweitligist Hertha.
Trainer Johannes Hoff Thorup, 37, hat sich noch in Freistadt lange Zeit genommen – und der Däne liefert Klartext.
KURIER: Welche Erkenntnisse liefert Ihnen die WM?
Johannes Hoff Thorup: Wir versuchen zu analysieren, wie die meisten Tore fallen. Die alte Gewissheit „Mehr Angreifer im Strafraum bringen mehr Tore“ stimmt nicht mehr. Es geht darum, den richtigen Laufweg und das passende Timing zu finden: Bei 90 Prozent der Tore waren mehr Verteidiger als Angreifer im Strafraum.
Sie sind ein offensiv denkender Trainer. Wie sehr hat es Sie geschmerzt, dass Rapid gemeinsam mit Altach die wenigsten Tore der Liga geschossen hat?
Der Schmerz darüber war nicht so groß, weil wir Chancen für wesentlich mehr hatten. Aber es ist ganz klar: Wir müssen heuer viel besser sein! Mein Anspruch ist, dass wir nicht nur in der Tabelle, sondern auch bei geschossenen Toren in den Top-3 sind.
Lassen Sie deswegen im Training mit bis zu acht Spielern gleichzeitig angreifen?
Wir haben vorne verschiedene Spielertypen, daneben sehr gute Flügel wie Dahl und Wurmbrand, dazu Haidara, der sich gut entwickelt. Dann noch einen offensivstarken Verteidiger wie Bolla – wir müssen ihre Qualitäten nutzen, um Druck zu machen und mehr Tore zu erzielen.
Warum hat sich Gulliksen bislang so schwergetan?
Im ersten Halbjahr hatte er Probleme mit dem Rundherum und der Spielanlage. Für das Frühjahr muss ich auch fair mit ihm sein: Wir haben nach den schwachen Ergebnissen zum Auftakt das System gewechselt, obwohl ich wusste, dass es vor einer Fünferkette nicht perfekt für ihn sein wird. Jetzt spielen wir so, wie es zu ihm passt. Es schaut schon viel besser aus.
War auch der Druck als Rekordeinkauf ein Thema?
Ziemlich sicher. Er hat die Kritik gespürt, er ist auch nur ein Mensch. Ich hab ihm gesagt: „Nimm die Erfahrung mit, aber lösche alles Enttäuschende.“ Es ist jetzt wie ein Neustart für Tobias.
Wie gehen Sie mit Social Media und dem dort oft zu spürenden Hass um?
Den Spielern rate ich: „Lasst es weg, dreht es ab, haltet euch fern.“ Aber über Freunde und Familie kriegen sie dann doch viel mit. Für mich ist es leichter: Ich war nie auf Social Media.
Wie verarbeiten Sie den Druck eines Rapid-Trainers?
Ich mache mir selbst den größten Druck. Wir denken im Trainerteam sehr viel darüber nach, was wir verbessern können. Es gibt so viele Ideen, Meetings, Diskussionen – die Fans können sich gar nicht vorstellen, wie viel Druck wir uns machen. Aber das ist ein Teil des Jobs – genauso wie mediale Kritik: Rapid interessiert am meisten, also wird auch am meisten geschrieben, wenn wir wieder nicht gewinnen.
Sie beschweren sich nicht öffentlich darüber, dass Sie ohne gelernten fitten Sechser in die Saison gehen müssen. Aber Sie wissen schon, dass in der Regel bei Rapid der Trainer alleine im Regen steht, wenn es schiefgeht?
Ja. Ich könnte mich von heute bis Weihnachten beschweren, bezweifle aber, dass es mir helfen würde. Ich stehe als Cheftrainer in guten wie schlechten Zeiten vorne und verteidige interne Entscheidungen. Das Geld fällt nicht vom Himmel. Wenn sich am Transfermarkt etwas tut, müssen wir clever sein.
Was bedeutet clever genau?
Wir bereiten alles vor, für jede Position: Wen kontaktieren wir als Erstes, wenn einer von uns verkauft wird? Wer kann uns wann wie helfen? Wir wären vorbereitet.
Was hat sich im Kader zwischen Jänner und Sommer am stärksten verändert?
Wir konnten sofort auf hohem Niveau sehr intensiv trainieren, weil das Fitnessteam mit den Spielern sehr gut vorgearbeitet hat. Im Jänner mussten wir uns noch eine Woche langsam steigern.
Blicken wir auf das Double vom LASK: Trainer Kühbauer hat sehr schnell aus einem starken Kader ein echtes Team gebastelt, das auffällig stark zusammenhält. Obwohl der LASK noch mehr Legionäre mit noch mehr Sprachen und Kulturen zu integrieren hatte als Rapid. Was können Sie daraus lernen?
Zusammenhalt hängt nicht mit dem Reisepass, sondern mit der täglichen Arbeit und dem Umgang zusammen. Wir arbeiten sehr viel in diesem Bereich, auch mit unserer neuen Gruppe der Anführer. Wir brauchen mehr Spieler, die neben den Kapitänen Verantwortung übernehmen. Darin schulen wir Spieler wie Jakob Schöller. Und es liegt auch an uns Trainern: Was leben wir vor? Wie gehen wir miteinander um? Welche Worte verwenden wir?
Ihr Punkteschnitt ist fürchterlich, auch weil Sie meistens gegen Top-6-Teams gespielt haben. Gibt es einen Punkteschnitt, den Sie sich selbst als Ziel setzen?
Nein, weil in diesem Ligasystem ein Punkteschnitt nicht mehr viel aussagt: Wenn ich im unteren Play-off bin, kann ich den Schnitt hochtreiben und trotzdem nichts erreichen. Aber klar ist, dass 2027 das Wort „fürchterlich“ ganz sicher nicht mehr fallen sollte (lacht).
Wann werden Sie konkretere Saisonziele nennen?
Zuerst zählt ein guter Start und der Einzug in die Ligaphase der Conference League. Nach dem Ende der Transferzeit wird klarer sein, wo wir mit welchem Kader stehen. Dann werde ich auch deutlichere Ziele äußern.
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