Rapid-Stürmer Adamsen: „Ich will verstehen, was geredet wird“
Tonni Adamsen im Rapid-Training
Ruhig, aber sehr klar in seinen Aussagen präsentiert sich Tonni Adamsen bei seinem ersten Interview nach dem Wechsel aus Dänemark.
Nach 89 Scorerpunkten in 156 Pflichtspielen für Silkeborg in vier Saisonen soll der 31-jährige Mittelstürmer die zuletzt erschreckend schwache Offensivausbeute von Rapid verbessern.
KURIER: Sie haben aufregende Wochen hinter sich. Wie war Ihr Start bei Rapid?
Tonni Adamsen: Ich laufe mit einem breiten Grinsen herum. Das liegt nicht nur an der Geburt von Sohn Lauge – das war der beste Tag meines Lebens. Ich bin sehr dankbar, dass mir der Trainer länger frei gegeben hat, um zurück nach Dänemark zu reisen. Alles herum passt auch: Unser Trainingszentrum ist beeindruckend, Wien ist wunderschön, im Trainingslager wird auf hohem Niveau gearbeitet.
Sie waren vier Jahre lang unter den Topscorern der dänischen Liga und ablösefrei. Warum ist es gerade Rapid geworden, als nur Fünfter der Bundesliga?
Ein Punkt war, dass ich zum ersten Mal ins Ausland wollte. Dazu kommt, dass ich weiß, wie Johannes Hoff Thorup trainieren lässt, was ihm wichtig ist. Der letzte Punkt ist, dass ich mich mit 31 Jahren noch verbessern will, und Johannes ist in Dänemark bekannt dafür, Spieler besser zu machen.
Es haben sicher viele Trainer angerufen. Wie hat Sie Hoff Thorup überzeugt?
Wir hatten gute Gespräche. Darüber, was er in mir sieht. Ich hatte sehr schnell das Gefühl, dass Rapid sehr gut zu mir passen könnte. Dann habe ich auch noch Videos von den Fans und der beeindruckenden Stimmung gesehen. Nicht entscheidend, aber ein schönes Extra war die Europacup-Qualifikation von Rapid.
Was ist Ihnen wichtig?
Wir reden als Mannschaft zwar Englisch miteinander, aber mir ist wichtig, sehr schnell die Fußball-Begriffe auf Deutsch zu lernen und dann die gesamte Sprache. Meine Familie wird bald nach Wien ziehen. Es ist wichtig, zu verstehen, was in der neuen Heimat geredet wird. Als Spieler will ich als Routinier für die Jungen da sein, um ihnen vielleicht helfen zu können.
Trainingslager
Bis Sonntag trainiert Rapid in Freistadt, bei der Rückreise wird ab 15 Uhr in Wels gegen Hertha Wels getestet.
10 Jahre Allianz Stadion
Das erste Jubiläum der 2016 eröffneten Heimstätte wird mit zwei Testspielen gefeiert. Am Mittwoch, 15. Juli, gegen Panathinaikos (18 Uhr) und am Samstag (18. 7.) ab 19 Uhr gegen HSV.
Wenn Sie Silkeborg mit Rapid vergleichen ...
... sehe ich einen Kader, der jung ist, aber der von Silkeborg war sogar noch eine Spur jünger. Ich bin überzeugt, dass dieser Kader gut ist, weil ich jeden Tag die Qualität und das Potenzial meiner Mitspieler spüre.
Sehen Sie sich selbst als klassische Nummer neun?
Nein. Ich bin zwar hier, um Tore zu schießen, aber auch, um Chancen zu kreieren. Mir ist sehr wichtig, dass ich ins Spiel eingebunden bin, ich lasse mich gerne fallen. Ich kann auch rechts außen oder als Zehner spielen, wenn ein anderer der Mittelstürmer sein soll.
Sie sind ein Spät-Entwickler. Wann war Ihnen klar, dass Sie doch Profi werden?
Als Helsingör mich verpflichten wollte. Das war Anfang 2021, ich war 26. Profi zu sein, ist ein echter Fulltime-Job. Du musst die ganzen 24 Stunden dafür leben, um in zwei Stunden auf dem Platz voll da zu sein.
Haben Sie Nachteile, weil Ihnen Profi-Jahre fehlen?
Vielleicht fehlen mir Details. Ich musste erst lernen, wie Profis spielen, wie du mit weniger Zeit am Ball umgehst. Insgesamt sehe ich meinen Weg aber positiv, weil ich mehr Zeit bekommen habe, mich zu entwickeln, mit Fantasie zu spielen und viele Tore zu erzielen.
Oft haben Spieler, die erst später Profis werden, Verletzungsprobleme, weil sich der Körper an die höhere Intensität anpassen muss.
Nach einem Monat als Profi hatte ich eine kleine Verletzung an der Oberschenkelrückseite. Das war es. Vielleicht weil ich viel extra arbeite und sehr genau auf meinen Körper höre.
Sie hatten früher ungewöhnliche Jobs, wie als Fensterputzer. War das eine gute Schule des Lebens?
Ja. Nach dem Gymnasium habe ich Vollzeit gearbeitet und war danach trainieren. Das war hart. Es hat auch Spaß gemacht, aber das Leben eines Profis ist mir doch lieber (lacht).
Was soll nach einem Jahr bei Rapid medial über Sie geschrieben werden?
Ich bin ein Mensch, der immer Schritt für Schritt geht. Jetzt spüre ich, dass wirklich alle daran arbeiten, um als Team besser zu werden. Fußball ist nie eine One-Man-Show. Wenn es nach einem Jahr heißt, dass die Fans über mich sagen, ich sei ein echter Rapidler und wir haben als Team Erfolg, wäre ich zufrieden.
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