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Die wunderbare WM-Welt: Wenn die Moral zum Fremdwort wird

Vor allem Donald Trump und FIFA-Boss Gianni Infantino spielten nach anderen Regeln. Regeln, die weniger in die Welt des Sports passten.
Wolfgang Winheim
FILE PHOTO: FIFA World Cup 2026 Draw

„Wer das Gold hat, macht die Regeln,“ ließ Frank Stronach ihn anhimmelnde Österreicher gerne wissen. Das war zu Zeiten, als der in Nordamerika zum Milliardär gewordene Steirer fünf Jahre Bundesliga-Präsident war und bei der Austria teure Spielerkäufe, einen Meistertitel (2003) und Absurdes (Stadionverbot für Klubikone Toni Polster) ermöglichte.

Aktuell sieht sich der 93-Jährige in Kanada mit gerichtsanhängigen Me-Too-Vorwürfen konfrontiert. Aber nicht wegen dieser, sondern wegen des Verhaltens der beiden höchsten WM-Drahtzieher fällt einem der alte Stronach-Spruch ein.

Dass Donald Trump, von dem man meinen möchte, dass er allein schon wegen des Iran-Krieges ganz andere Sorgen haben müsste, vor Kameras prahlte, höchstpersönlich die Sperre des US-Torjägers Folarin Balogun abgewendet zu haben und dass die FIFA unter Präsident Gianni Infantino prompt mit ihren eigenen Vorschriften brach, löste Empörung in der Sportwelt aus. Welcher Tricks hätten sich Trump und Co. erst bedient, um Irans Kicker im Fall eines Achtelfinaleinzugs zu schikanieren? Nur wurde die Frage dank des Last-Second-Tores von Sasa Kalajdzic gegen Algerien (3:3) gegenstandslos.

Unzählige Medien (auch seriöse) vergleichen die FIFA mit einer Mafia. Würde der (von Wladimir Putin 2019 mit dem Orden der Freundschaft dekorierte) Jurist Infantino, 56, auf all die vernichtenden Kommentare sensibel reagieren, müsste er bis zum Ablauf seiner Amtszeit prozessieren. Und die wird (anders als bei Trump) womöglich das Jahr 2028 überdauern, wenn Infantino nächstes Jahr wiedergewählt wird.

Konträr zu Trump, der außer Englisch nur Englisch redet, beherrscht’s der Italo-Schweizer, in sechs Sprachen zu intri ..., pardon zu lobbyieren. Vor allem in von Autokraten und Korruption dominierten der (211) FIFA-Mitgliedsländern, kann sich Infantino der Unterstützung sicher sein. Davon profitierend, dass selbst große Fußball-Nationen wie jeder Mini-Inselstaat bei der Präsidentenwahl nur über eine einzige Stimme verfügen.

Die Europäer dominieren nur auf dem Rasen

Die Europäer haben (auch dank ihrer Ausnahmestürmer mit Migrationshintergrund) zwar auf dem Rasen, nicht aber abseits das Sagen. Das steht schon vor dem Semifinale der WM fest, die Infantino und sein von ihm zum „Friedenspreisträger“ geadelter Trump in einer Woche garantiert als die beste aller Zeiten preisen werden.

Was sportliches Niveau und Show betreffen, mögen die beiden Ober-Narzisse sogar recht haben. Aber die Moral? Siehe vermeintlich goldene Regel.

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