Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Affäre Balogun: Klopp ist außer sich wegen Trump und Infantino

Der US-Präsident soll wegen einer Roten Karte interveniert haben. Jürgen Klopp: „Das stellt alles infrage!“ Die UEFA sieht „eine rote Linie überschritten“.
Donald Trump mit einer Roten Karte in der Hand und Gianni Infantino

Zusammenfassung

  • Die FIFA hob die Rot-Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun vor dem WM-Achtelfinale gegen Belgien auf, nachdem Medien von einer Intervention Donald Trumps bei Gianni Infantino berichteten.
  • Jürgen Klopp kritisierte eine mögliche Einflussnahme scharf und bezeichnete die Aufhebung der Sperre als Angriff auf Regeln, Glaubwürdigkeit und Integrität des Fußballs.
  • Auch Thomas Tuchel und die UEFA reagierten empört und warnten vor mangelnder Konsistenz sowie einer Untergrabung fairer und transparenter Wettbewerbsregeln.

Der womöglich künftige Bundestrainer Jürgen Klopp ist nach Berichten über eine angebliche Einflussnahme von US-Präsident Donald Trump vor dem WM-Achtelfinale der USA gegen Belgien außer sich. „Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel“, sagte Klopp als TV-Experte.

Der Fußball-Weltverband FIFA hatte die Rot-Sperre von US-Torjäger Folarin Balogun aufgehoben. Der 25-Jährige hatte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte gesehen, nachdem er unabsichtlich auf dem Knöchel seines Gegners Tarik Muharemovic gelandet war. Laut übereinstimmenden Medienberichten soll Trump bei FIFA-Boss Gianni Infantino angerufen und Druck ausgeübt haben, die Sperre zu überprüfen. Balogun ist nun im WM-Achtelfinale gegen Belgien in Seattle spielberechtigt (Dienstag 2.00 Uhr).

Klopp: „Diese beiden Menschen haben keine Ahnung von Fußball“

„Wenn das wirklich Trump und Infantino miteinander ausgemacht haben, das ist verrückt. Das stellt alles infrage“, sagte Klopp weiter und meinte: „Diese beiden Menschen, die beide keine Ahnung von Fußball haben, sollten gar nichts damit zu tun haben.“

Auch inhaltlich kann Klopp, der zurzeit mit dem DFB darüber verhandelt, neuer Bundestrainer zu werden, das Aufheben der Sperre nicht nachvollziehen. „Da gibt es gar keine zwei Meinungen. Das ist eine Rote Karte. So leid uns das tut, weil der Balogun das nicht will. Das sind die Regeln“, sagte Klopp. 

Der 59-Jährige erinnerte daran, dass die Entscheidung selbst dann schwierig sei, wenn man die Rote Karte als falsch einordnen würde: „Unser Spiel, da leiden wir alle unter Fehlentscheidungen. Trotzdem lernen wir im Laufe des Lebens damit zu leben. Das ist einfach eine Tatsachenentscheidung.“

Thomas Tuchel war empört

Auch der englische Teamchef Thomas Tuchel reagierte mit großem Erstaunen auf die aktuellen Entwicklungen. „Wer kippt diese Entscheidung dann - und wann? Und auf welcher Grundlage? Wie weit geht das jetzt? Es ist einfach seltsam für mich. Wir wollen einfach Konsistenz in den Entscheidungen haben“, mahnte der Coach.

Tuchel sagte nach dem 3:2 der Three Lions im WM-Achtelfinale gegen Mexiko zudem: „Legen wir jetzt Berufung ein, wenn eine Gelbe Karte keine Gelbe Karte ist?“ Man könnte jetzt endlos debattieren. „Wo fängt es an und wo hört es auf?“, sagte Tuchel. Auf die anschließende Frage eines Journalisten, ob man vielleicht US-Präsident Donald Trump fragen sollte, sagte Tuchel: „Vielleicht. Das ist ein guter Startpunkt.“

Fassungslosigkeit bei der UEFA: „Rote Linie überschritten“

Die Europäische Fußball-Union UEFA war fassungslos. In einem Statement schrieb sie: „Die gestrige Entscheidung, die Umsetzung der automatischen Sperre für ein Spiel nach der Roten Karte für den Spieler Folarin Balogun für eine Probezeit von einem Jahr auszusetzen, hat eine rote Linie überschritten. Wir bringen unsere Fassungslosigkeit angesichts einer solch beispiellosen, unverständlichen und ungerechtfertigten Entscheidung zum Ausdruck. Der Fußball stützt sich, wie jede andere Sportart auch, auf Regeln, die die Grundlage für einen fairen, ehrlichen und transparenten Wettbewerb bilden. Manchmal lassen Regeln Raum für Interpretationen. In diesem Fall jedoch nicht. Eine automatische Mindestsperre von einem Spiel nach einer Roten Karte ist keine Ermessensentscheidung und erfordert keine Entscheidung einer zuständigen Instanz, um in Kraft zu treten. Es handelt sich um einen in den Vorschriften verankerten Grundsatz, der keinen Ausnahmen unterliegen darf. Wenn die Rechtssicherheit der Regeln nicht mehr von ihren Hütern gewährleistet wird, steht die Integrität des Spiels auf dem Spiel und die Glaubwürdigkeit eines Wettbewerbs wird untergraben.“

Kommentare