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Verschwörungstheorien um Argentinien: Was ist dran am Messi-Bonus?

Die Entscheidungen der Schiedsrichter bei Argentinien-Spielen sorgen weltweit für Diskussionen. Wird der Weltmeister um Messi bevorzugt? Ein Blick auf die Daten.
Infantino und Messi bei der Pokalvergabe 2022

Die von KI generierten Memes von Gianni Infantino und Lionel Messi sind überall: Mal trägt der mächtige FIFA-Boss Argentiniens Superstar schützend auf dem Arm und jubelt mit ihm, mal liegen sie gemeinsam mit dem WM-Pokal im Bett. Auch bei dieser Fußball-WM gibt es um das Verhältnis von Weltmeister Argentinien und dem Weltverband wieder viele Diskussionen, Spekulationen und sogar Verschwörungstheorien. 

Der Vorwurf: Die Südamerikaner um Messi, die am Sonntag (3.00 Uhr/MESZ) im Viertelfinale gegen die Schweiz antreten, würden bevorzugt und stünden eigentlich schon erneut als Weltmeister fest, wie es vor allem auf wenig seriösen Social-Media-Accounts heißt. Um welche Spielszenen geht es, was sind die Fakten und Reaktionen? Ein Überblick.

Welche Szenen und Statistiken stehen im Fokus?

Das Messi-Foul im ersten Spiel

Zum ersten Aufreger kam es schon im Auftaktspiel Argentiniens gegen Algerien: In der 31. Minute trat Messi mit der Sohle Richtung Achillessehne von Aïssa Mandi. Der polnische Schiedsrichter Szymon Marciniak beließ es bei einer Ermahnung, danach schoss Messi noch zwei seiner drei Tore zum 3:0 gegen die Nordafrikaner. „Es gibt drei Kriterien für übermäßige Härte“, erklärte der deutsche Schiedsrichter Patrick Ittrich als Experte bei MagentaTV: „Chance, den Ball zu spielen, Trefferbild und Dynamik.“ Allein die Dynamik fehle. Ittrichs Urteil: „Für mich ist das eine Rote Karte.“ Bei einem Platzverweis hätte Messi mindestens gegen Österreich gesperrt gefehlt - und vier statt acht Tore bei dieser WM geschossen.

Die Schlussphase gegen Ägypten

Im Achtelfinale gegen Ägypten (3:2) gab es in der hitzigen Schlussphase mehrere strittige Szenen, die zu Toren der Südamerikaner führten, die elf Minuten vor Schluss noch mit 0:2 zurückgelegen hatten. „Alle strittigen Entscheidungen sind gegen Ägypten getroffen worden. Die negativen Emotionen, die da herauskommen, die sind nachvollziehbar“, sagte Schiri-Experte Ittrich dazu. Ägypten-Coach Hossam Hassan wütete: „Das war ganz klar ein manipuliertes Spiel.“ Er ergänzte: „Vielleicht wollten sie den Weltmeister im Wettbewerb halten. Vielleicht wollten sie, dass Messi im Rennen bleibt.“ Ein Tor der Ägypter wurde wegen eines Foulspiels in der Entstehung vom VAR aberkannt. Eine ähnliche Szene, als Xaver Schlager von einem Argentinier vor dem 1:0 gegen Österreich gefoult worden war, wurde hingegen nicht als Foul gewertet. 

Fakt ist aber auch: Die besagten Szenen waren allesamt nicht eindeutig, Schiedsrichter Francois Letexier aus Frankreich wurde für seine Leistung bei Argentinien - Ägypten von offiziellen Stellen durchaus auch gelobt. Der Ermessensspielraum bei diesen Szenen ist für die Referees so groß, dass die meisten Entscheidungen von den Regeln gedeckt sind und es immer Argumente dafür gibt.

Die Karten-Statistik

Durchschnittlich nur alle 19,7 Fouls gibt es für Argentinien eine Gelbe Karte. Unter allen 48 WM-Teams haben nur Tschechien (37,0), Tunesien (27,0) und Norwegen (24,0) eine bessere Quote. Die Engländer zum Beispiel sehen alle 7,7 Fouls Gelb. Argentinien hat mehr Fouls als England begangen, aber musste nur halb so viele Verwarnungen hinnehmen.

Messi beim Elfmeter

Messi beim Elfmeter

Die Elfmeter-Statistik

Schon bei der WM 2022 in Katar bekam keine andere Mannschaften so viele Elfmeter zugesprochen wie der Weltmeister (fünf), der aber natürlich auch mit die meisten Spiele absolvierte. Bei der WM in diesem Jahr führt Argentinien die Statistik erneut an. Bis zum Viertelfinale wurden drei Elfmeter für sie gepfiffen. Messi verschoss allerdings zwei von ihnen (gegen Österreich und Ägypten).

Welche Rolle spielt FIFA-Präsident Gianni Infantino?

Gianni Infantino wird Befangenheit unterstellt. Angeblich sei der umstrittene Schweizer großer Unterstützer von Messi und wolle unbedingt, dass der Superstar lange im Turnier bleibt - und am besten wieder triumphiert. Öffentliche Lobreden auf den 39-Jährigen wie beim lateinamerikanischen Sender DSports dienen manchen als vermeintlicher Beleg. Dort hatte Infantino nach dem 3:2-Kraftakt im Sechzehntelfinale gegen den krassen Außenseiter Kap Verde in einem eigentlich schon beendeten Interview ganz Argentinien noch „eine herzliche Umarmung“ und „herzliche Glückwünsche“ geschickt. Zuvor hatte er geschwärmt: „Messi spielt außergewöhnlich. Aber wir kennen ihn: Er ist ein Star und es macht uns immer Freude, ihm zuzusehen.“

War die Beziehung zwischen Infantino und Messi vorher auffällig?

Nein. Aber immer wieder wird auch die Club-WM im vergangenen Jahr herangezogen. Dass Messi mit Inter Miami teilnehmen konnte, war vorher nicht unbedingt zu erwarten. Es gab eine kleine Verzögerung, bevor feststand, welches Team aus dem Gastgeberland USA teilnehmen würde. Messis Club aus Florida erhielt den Vorzug vor Meister Los Angeles Galaxy. Welchen Anteil Infantino an dieser überraschenden Entscheidung hatte, blieb jedoch unklar.

ORF-Regelexperte Thomas Steiner sagte übrigens auf die Frage, ob es einen Argentinien-Bonus gibt: „Ganz sicher nicht bewusst. Aber: Wenn Schiedsrichter aus Usbekistan oder Somalia plötzlich solche Partie pfeifen, dann kann es schon sein, dass sie bei harten Entscheidungen anders reagieren. Referees aus der Champions League, die jede Woche die Stars pfeifen, denen passiert das sicher nicht.“

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