Sport-News

Wie jedes Jahr in Spielberg lud Mercedes am Freitagabend ein paar Journalisten zum Barbecue ins Motorhome ein; wie jedes Jahr unterhielt Gastgeber und Teamchef Toto Wolff die Gesellschaft prächtig, einige Schmankerln seien aber definitiv „Off the Records“ zu verstehen, so die Bitte des 54-Jährigen. „On the Records“ sprach der Wiener über ...

... seine Persönlichkeit: „Ich bin der Super-Skeptiker. Ich glaube ja auch, ab morgen verlieren wir die Weltmeisterschaft und alles geht den Bach runter. Mein Glas ist immer halb leer.“

Vor den Wasserverneblern waren ähnlich lange Menschenschlangen, wie vor den Getränkestandln. Wer konnte, suchte sich am Samstagnachmittag auf dem Red Bull Ring ein Plätzchen im Schatten und hoffte auf ein Lüftchen, das die Hitze erträglicher machte.

33,5 Grad zum Start des Qualifyings

Die Formel-1-Piloten beschäftigten die Temperaturen von exakt 33,5 Grad zum Start des Qualifyings weniger. Zum einen sind sie Hitze gewöhnt, zum anderen sitzen sie zwar auch in der Sonne, haben jedoch ein „Lüftchen“, das ihnen auf den Geraden mit mehr als 300 km/h in die Cockpits bläst.

Keinen kühlen Kopf bewahrte Max Verstappen. Der Niederländer flog in seiner letzten schnellen Runde von der Strecke und schlug in den Reifenstapeln ein. Der Red-Bull-Pilot wird beim Grand Prix von Österreich am Sonntag (15.00/live ServusTV, Sky) vom fünften Startplatz ins Rennen gehen.

Die schnellste Runde fuhr Mercedes-Mann George Russell. Doch der Brite fuhr seine Zeit, als die gelben Flaggen geschwenkt wurden. Erst nach einigen Minuten war klar, dass seine Rundenzeit zählt und er die Poleposition behalten darf. „Das war eine großartige Runde, obwohl ich bei der einfach geschwenkten Gelben Flagge vom Gas gegangen bin“, sagt Russell, der zuletzt gegen seinen Teamkollegen Kimi Antonelli mehrmals das Nachsehen gehabt hatte.

„Als ich den Max in der Wand gesehen habe, habe ich mir gedacht: Das war es“, sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. „Kimi hat seine Runde abgebrochen. George ist ein bisschen vom Gas gegangen und ist weitergefahren. Das war dann die Poleposition.“

Starke Leistung von Ferrari

Die beiden Ferrari-Piloten Charles Leclerc und Lewis Hamilton zeigten sich deutlich verbessert und kamen auf die Ränge zwei und drei hinter Russell. Kimi Antonelli konnte seinen schnellen Versuch nicht durchziehen. Er startet von Rang vier.

Der Italiener ist in Top-Form, Antonelli war in allen drei Trainingseinheiten in Spielberg der Schnellste und ist trotz Startplatz vier einer der Favoriten auf den Rennsieg. „Kimi ist so stark im Kopf“, sagt Wolff. „Das wird ihn nicht zurückwerfen.“

Mit Anastasia Potapowa, Lilli Tagger und Sebastian Ofner starten am Montag, dem ersten Tag der All England Tennis Championships in Wimbledon, gleich drei von vier Österreichern ins Turnier. Das Trio macht den Platz 8 zum ÖTV-Court, spielen doch Ofner (2. Match nach 13.00 Uhr/live Amazon Prime), Tagger und Potapowa unmittelbar hintereinander. Für Tagger ist es ihr erstes Wimbledon, Potapowa stand 2023 in Runde drei und Ofner 2017 und im Vorjahr. 

Für die erst 18-jährige Tagger ist es ein Debüt auf dem „heiligen“ Rasen. „Wir spielen jetzt mittlerweile seit zwei Wochen auf Rasen. Ich freue mich schon riesig, dass das Turnier beginnt“, erklärte die Osttirolerin. „Auf Rasen zu spielen, ist immer was sehr Besonderes. Mir taugt's heuer sehr, es ist auch das erste Mal, dass ich bei den Großen auf Rasen mitspiele. Ich fühle mich gut und bin bereit.“ 

Tagger spielt gegen die Thailänderin Lanlana Tararudee (WTA-95.) und hat vom diesjährigen 3:6,0:6 in der dritten Quali-Runde bei den Australian Open noch eine Rechnung offen. „Ich glaube, sie spielt recht gut generell auf schnellen Belägen. Es wird sicher nicht leicht, aber auf jeden Fall ein machbares Match“, glaubt Tagger.

Von Dieter Chmelar

Ein Sportjournalist ist jemand, der dir am Samstag verkündet, welche Mannschaft am Sonntag gewinnen wird, und dir am Montag erklärt, warum sie verloren hat – glauben Sie mir, ich war selbst einer (erster Matchbericht: Kaiserebersdorf – Stadlau 0:0, Wiener Liga, drei Zeilen plus Aufstellungen, beste Spieler fettgedruckt, KURIER, 1979).

Auch bald 47 Jahre danach hat sich nichts geändert an der „glorreichen Ungewissheit“ des Fußballs. Insgeheim träume ich ja (Achtung: Inselwitz), der Cup werde diesmal die Beute von ...

... Kap Verde. Beim Aufwachen kommt mir das Spanisch, Französisch, Englisch und Niederländisch vor. Deutsch weniger, obwohl das wieder einmal mein Thema ist. Denn: Was sich radikal „weiterentwickelt“ hat, erkennt man längst auf dem Rasen und an den Phrasen.

Der KURIER-Sport empfiehlt

Merkliste

Hier können Sie interessante Artikel speichern, um sie später zu lesen und wiederzufinden.