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Medien-Wuchteln: „Wenn’s noch dicker kommt, wird’s hinten raus etwas dünn“

Die Sprache des Fußballs hat sich längst verändert. Eindeutig. Manchmal auch zweideutig. Und nicht immer läuft alles flüssig.
Dieter Chmelar
„Alle hatten die Hosen voll, nur bei mir lief’s flüssig“ (Breitner)

Von Dieter Chmelar

Ein Sportjournalist ist jemand, der dir am Samstag verkündet, welche Mannschaft am Sonntag gewinnen wird, und dir am Montag erklärt, warum sie verloren hat – glauben Sie mir, ich war selbst einer (erster Matchbericht: Kaiserebersdorf – Stadlau 0:0, Wiener Liga, drei Zeilen plus Aufstellungen, beste Spieler fettgedruckt, KURIER, 1979).

Auch bald 47 Jahre danach hat sich nichts geändert an der „glorreichen Ungewissheit“ des Fußballs. Insgeheim träume ich ja (Achtung: Inselwitz), der Cup werde diesmal die Beute von ...

... Kap Verde. Beim Aufwachen kommt mir das Spanisch, Französisch, Englisch und Niederländisch vor. Deutsch weniger, obwohl das wieder einmal mein Thema ist. Denn: Was sich radikal „weiterentwickelt“ hat, erkennt man längst auf dem Rasen und an den Phrasen.

Nach und nachts lehrt uns die WM, nicht nur die Zeitverschiebung zu ertragen, sondern auch die Lautverschiebung. Es heißt (ob im ORF oder bei Servus TV) nämlich nicht mehr „Burschen“, sondern „Jungs“, nicht „Gurkerl“, nein: „Beinschuss“ oder „Höchststrafe durch die Hosenträger“ und ein Spiel beginnt nicht, es „ist an“.

Wird jemand ausgetauscht, dann „geht er runter“, man verteidigt nicht, sondern „arbeitet nach hinten“, man greift nicht mehr ideenreich an, nein, man „kreiert Chancen für Knipser“, die gern „Fouls ziehen“, wenn sie nicht „einen Ticken“ zu spät dran sind oder sich „ein Stück weit“ (was wurde eigentlich aus dem „Alzerl“?) in den „Räumen zwischen den Ketten“ verirren, statt „hoch anzupressen“ und zu „netzen“. Deshalb, pardon: „von daher“, hält der Tormann seinen „Kasten rein“, um kein „Kacktor“ zu kassieren, was bei „pomadigem Wegverteidigen“ schon einmal passieren kann.

Meine zwei Lieblingsweisheiten in einem Satz – „Wenn’s noch dicker kommt, wird’s hinten raus etwas dünn“ – definieren „Stoffwechsel“ nicht nur als Leiberltausch, sondern durchaus medizynisch.

Eindeutig zweideutig

In einem Sport, in dem es hängende Spitzen gibt, die oft hart von hinten gedeckt werden, gilt es noch als Glücksfall für einen „Schlussmann“, wenn, wie man orf.at entnahm, „ein Schuss von seiner Latte abprallte“.

Eindeutig Zweideutiges ereignet sich in seiner schönsten Form stets unfreiwillig. Markus Kienbacher schwärmte jüngst über ein wuchtig erzieltes Tor, es wäre „mit Voll-Karacho“ eingeschlagen. Nun: Karacho entstammt dem Spanischen carajo, wo es für nicht mehr oder weniger als Penis steht.

Na, Servus (TV)! Apropos: Auch Kollege Jonas Hoffmann verriet leicht Anzügliches: „Die Kontakte hinten in der Kabine – der Fußball verbindet schon die Menschen!“ Schon der legendäre Ernst Happel († 1992) machte seine Mannen vor wichtigen Partien heiß: „Da möcht’ i heut’ kan’ Beistrich sehn in der Hos’n!“ Ex-Rapidler Christian Keglevits warnte hingegen einmal: „Wenn das Experiment in die Hose geht, dann muss es der Trainer auslöffeln.“ Unerreicht freilich Weltmeister Paul Breitner : „Dann kam das Elferschießen. Alle hatten die Hose voll, nur bei mir lief’s flüssig.“

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