Formel-1-Jungstar Antonelli: „Ich bin ein anderer Mensch geworden“
Kimi Antonelli und Lewis Hamilton
Vor einem Jahr war alles anders. Da saß Kimi Antonelli mit vier österreichischen Journalisten gemütlich an einem Tisch und gab seine ersten Interviews. Das Gespräch drehte sich um seine Fehlstunden in der Schule, Partys, das Gefühl, ein Formel-1-Auto zu fahren und sein Vorbild Lewis Hamilton, dessen Cockpit er bei Mercedes übernommen hatte.
Heute ist der 19-jährige Italiener fünffacher Grand-Prix-Sieger, der jüngste Führende in der WM-Wertung und klarer Anwärter auf den Titel. Der Medientermin ist nicht mehr ganz so entspannt wie vor einem Jahr. Statt vier Journalisten drängen sich gut 45 aus aller Welt im Motorhome von Mercedes, um eine Wortspende des Teenagers zu ergattern.
„Ich bin bereit, zu kämpfen“
„Ich bin für alles bereit“, sagt der Italiener am Donnerstag. „Ich bin bereit, zu kämpfen, ich bin bereit, mein Bestes zu geben.“ Mit dem Kimi Antonelli aus dem Vorjahr habe er nicht mehr viel gemeinsam. „Ich bin viel stärker geworden. Ich starte besser, ich bin ein anderer Mensch geworden“, sagt er und fügt hinzu: „Aber natürlich muss ich noch viele Erfahrungen sammeln. Und ich muss weise fahren.“
Hamilton im Nacken
Eigentlich war 2026 für Antonelli noch als Lernjahr eingeplant. Doch er startete mit einer sensationellen Serie – Rang zwei zum Auftakt ließ er fünf Siege hintereinander folgen. Einen Rückschlag erlebte er zuletzt in Barcelona, wo mit einem Defekt ausfiel.
Den Sieg holte ausgerechnet sein Vorgänger bei Mercedes, Lewis Hamilton.
Der 41-Jährige erlebt bei Ferrari seinen x-ten Frühling. 41 Punkte liegt er als Zweiter in der WM noch hinter Antonelli, doch in Italien träumen sie schon von einem Weltmeister in Rot. Die Hoffnungen nach dem Sieg in Barcelona sind bei der Scuderia grenzenlos. „Ich bin noch immer stolz auf das, was wir in Barcelona erreicht haben“, sagt Hamilton. „Und ich sitze in einem Auto, das ich gerne fahre.“
Der Größte der Formel-1-Geschichte?
Sieben Weltmeistertitel hat der Brite schon geholt. Ein achter – und das noch für Ferrari – würde ihn zum größten Fahrer der Formel-1-Geschichte machen.
19 Jahre ist es her, dass das stolzeste aller Teams mit Kimi Räikkönen zuletzt den Fahrer-Titel gewonnen hat. Hamilton fuhr damals seine erste Saison in der Formel 1, Antonelli war ein Jahr alt. Danach verpassten Top-Stars wie Fernando Alonso oder Sebastian Vettel mit der Scuderia den ganz großen Triumph. Hoffnungen setzte man in der Folge in Charles Leclerc, doch der Monegasse hat in seinem achten Jahr bei Ferrari plötzlich das Nachsehen gegen Altmeister Hamilton.
Die Schwächen am Ferrari wurden nach und nach ausgemerzt, nach Spielberg kommt man mit einem verbesserten Antrieb, der 15 PS mehr leisten soll. Wird der Druck auf die Silberpfeile noch größer? Mercedes-Teamchef Toto Wolff kennt seinen Ex-Fahrer Hamilton so gut wie kaum ein anderer – und er warnt vor der Bestie in Menschengestalt (© Die Ärzte): „Wenn er Blut riecht, dann greift er an.“
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