Weltmeister Franjo von Allmen ist nun auch Olympiasieger in der Abfahrt. Der 24-Jährige Schweizer gewann die spektakuläre Abfahrt in Bormio mit einer überragenden Fahrt vor zwei Italienern. Rang zwei ging an Kitzbühel-Sieger Giovanni Franzoni, Dritter wurde Lokalmatador Dominik Paris.
Der beste Skifahrer der Gegenwart Marco Odermatt wurde Vierter und fuhr damit ebenso an den Medaillen vorbei wie die Österreicher. Vincent Kriechmayr wurde mit 0,77 Sekunden Rückstand Sechster. Auf Bronze fehlten dem Oberösterreicher 27 Hundertstel. Daniel Hemetsberger kam auf Platz sieben (+0,97). Raphael Haaser (+1,89) schaffte es ebensowenig in die Top Ten wie Stefan Babinsky (+3,12).
Der Höhepunkt der Spiele gleich zu Beginn
Die Abfahrt der Männer ist bei Winterspielen ist so etwas wie das Finale im 100-Meter-Lauf bei Sommerspielen. Die erste Medaillenentscheidung bei diesen Spielen war gleich die (aus österreichischer Sicht) wichtigste.
Die legendäre Pista Stelvio präsentierte sich in einem hervorragendem Zustand bei Prachtwetter in Bormio. "Da oben geht es zur Sache, ein Wahnsinn!", stöhnte bereits ORF-Kameraläufer Joachim Puchner während seiner Fahrt auf der technisch ernom herausfordernden Piste. "Der Sieg geht hier an einen Mutigen und Verrückten."
Hemetsberger noch mit geschwollenem Auge
Gleich mit Startnummer 1 wurde Daniel Hemetsberger aus dem Starthaus gebrüllt. Ein gutes Omen? 1992 holte Patrick Ortlieb ebenfalls mit Nummer 1 olympisches Gold. Nach seinem Sturz im Training sah Hemetsberger aus wie ein Boxer. Ein Boxer, der den Kampf verloren hat. Gebrochen die Nase, blau das Auge. Doch nichts ist sprichwörtlich gefährlicher als ein angeschlagener Boxer. Hemetsberger fuhr aggressiv und beherzt. Mit 1:52,58 legte er die erste Zeit vor. "Man muss realistisch sein. Nach dem, was passiert ist, muss ich froh sein, dass ich fahren konnte", sagte Hemetsberger. "Die Augen waren noch ein bisschen zugeschwollen, ich habe alles probiert, es war leider zu wenig."
Erst der erste Schweizer Alexis Monney verdrängte Hemetsberger vom Sitzplatz des Führenden. Danach war Marco Odermatt noch fünf Hundertstel schneller. Doch dann kam Franjo von Allmen. Der 24-jährige Weltmeister in der Abfahrt fuhr furios, 149 km/h zeigte die Geschwindigkeitsmessung, 53 Meter weit ging der Sprung. Mit 1:51,61 zertrümmerte er die Zeit von Odermatt.
Kriechmayr gut, aber nicht gut genug
Vincent Kriechmayr konnte im oberen Streckenteil mit von Allmen mithalten. Unten verlor er Zeit und im Ziel sah er jene Zahl aufleuchten, die man keinesfalls sehen will: 4! "Bis auf ein paar Kleinigkeiten war es okay, aber in der Traverse habe ich viel Zeit verloren", sagte Kriechmayr. "Schade, ich habe mir mehr vorgenommen. Schlussendlich war das zu wenig."
Kitzbühel-Sieger Giovanni Franzoni kam bis auf zwei Zehntelsekunden an Von Allmen heran. Dann schob Dominik Paris, der schon sechs Weltcuprennen in Bormio gewonnen hatte, Marco Odermatt vom Podest.