Der Austria-Trainer über die Machtkämpfe im Hintergrund: "Ich lebe ja nicht am Mond“

FUSSBALL: ADMIRAL BUNDESLIGA / MEISTERGRUPPE / 2. RUNDE: FK AUSTRIA WIEN - RZ PELLETS WAC
Im Herbst wurde Stephan Helm viel (vor allem intern) kritisiert - und immer noch ist er im Amt: Der Austria-Trainer über die Störfeuer, die Entwicklung seiner Mannschaft und seinen auslaufenden Vertrag.

„Wir werden es so anlegen wie immer.“ Vielleicht keine gute Idee, da die Austria gegen Salzburg das letzte Mal 2018 gewonnen hat. Austria-Trainer Stephan Helm ortet in der Sieglosserie der Violetten eine mentale Sache und ist überzeugt, dass man am Freitag in Salzburg bestehen kann. „Wir müssen ihnen ihre Stärken nehmen und uns in unsere Stärken reinspielen. Oft haben wir in den Spielen eine gute Figur gemacht, aber nie das Momentum auf unsere Seite gebracht.“

KURIER: Wie bereit ist die Austria für den Start?

Stephan Helm: Wir sind am 6. Jänner enthusiastisch in die Vorbereitung gestartet, die Wochen waren sehr gut. Wir haben an einigen Dingen gefeilt.

An welchen?

Unsere Muster und Abläufe sind grundsätzlich gut. Aber unter Drucksituationen sind sie durchbrochen worden. Da müssen wir resistenter werden. Aber wir sind einen Schritt weiter im Vergleich zu anderen Vorbereitungen. Es handelt sich um einen ständigen Prozess, in dem wir schon auf einer Basis aufbauen können. Wir müssen nicht mehr alle Details besprechen, weil vieles den Spielern schon bekannt ist.

Hat die Austria aktuell ein Stürmerproblem?

Wir sind uns im Verein bewusst, dass wir auf der Position eine Verstärkung suchen. Allerdings muss es Sinn machen. Umgekehrt ist Sanel Saljic wieder retour, wenngleich er einen Trainingsrückstand aufweist wegen des Bundesheers. Wichtig ist, dass die vorhandenen Spieler im Kader auch verfügbar sind. Darauf müssen wir sehr achten.

Ist der Fehlstart von Rapid mit dem Cup-Aus der Austria eine Warnung?

Nein, weil wir auf uns schauen. Das letzte Testspiel gegen den GAK war lehrreich und sehr wichtig. Da haben wir schon gesehen, was klappt und was nicht.

Warum wird die Austria die Top 6 erreichen?

Weil wir uns trotz der einen oder anderen Widrigkeit eine gute Ausgangsposition erarbeitet haben. Und weil wir immer in Ruhe arbeiten haben können. Da ist meine Innensicht eine andere als die Außensicht. Wir haben eine Basis und sind stabil. Dennoch wird es bis zur 22. Runde eng bleiben im Kampf um die Top 6. Wir müssen uns immer auf unsere Leistung konzentrieren. Wir müssen in dieser Phase beweisen, aus welchem Holz wir geschnitzt sind.

Es herrschte zuletzt keine Ruhe im Verein. Wie halten Sie alles von der Mannschaft fern? Wie gehen Sie damit um, wenn über Sie als Trainer permanent diskutiert wird? Braucht man da Beruhigungspulver?

Am 6. Jänner konnten wir starten und es war klar, dass die Konstellation für die kommenden Wochen so bleiben würde. Wenn die Sitzungen dann näher kommen, bekommt man mehr mit, und dann muss man mit den Spielern offen kommunizieren. Von der Mannschaft kann ich ja nicht alles fernhalten.

Und wie nahe geht Ihnen das alles? Sind Sie immer gelassen geblieben?

Ich verfolge die Sachen sehr wenig, aber natürlich bekommt man einiges mit. Ich lebe ja nicht am Mond. Und für solche Gedanken muss auch Raum sein. Wenn ich unter Druck gerate, dann lebe

ich im Jetzt. Das habe ich gelernt. Ich will mir meine Lebenszeit ja nicht nehmen lassen. Da will ich am besten funktionieren, weil ich eine verantwortungsvolle Arbeit hier habe. Darin bin ich gut. Diesen Muskel kann man auch trainieren. Dazu hatte ich in meiner bisherigen Karriere viele Gelegenheiten. Das hat schon vor der Austria begonnen.

Die ist aber eine sehr schöne Lebensschule.

Ja. Ich war aber darauf gut vorbereitet. Ich selbst mache mir ja den meisten Druck. Ich habe mir beigebracht, wie ich in solchen Phasen gut mit den Problemen umgehe. Außerdem ist es keine One-Man-Show, sondern um mich sind Menschen, die mich unterstützen.

Wie war Ihr erster Eindruck von Tomas Zorn?

Sehr positiv. Es war davor mit Michael Wagner und Robert Urbanek auch positiv. Wichtig ist in solchen Konstellationen Klarheit, dann kann ich mich zu 100 Prozent darauf einlassen und offen kommunizieren. Ich möchte konstruktiv an den Themen arbeiten. Gut ist, dass wir mit dieser Klarheit in das Frühjahr gehen können.

Im Sommer läuft Ihr Vertrag aus. Ab wann werden Sie nervös, wann hätten Sie gerne Klarheit?

Jedem Menschen tut gut, wenn er eine Bestätigung für seine Arbeit bekommt. Ich bin umgekehrt Realist und weiß, dass es in unserer aktuellen Situation nicht so schnell gehen wird. Daher zermatere ich mir deswegen nicht das Hirn.

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