Alles gut bei der Wiener Austria? Erst, wenn einer das Feld verlässt

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Die Wiener Austria hat zwar einen neuen Sportvorstand - aber immer noch die alten Probleme.
Alexander Strecha

Alexander Strecha

Die Wiener Austria hat also einen Nachfolger für Jürgen Werner gefunden und mit Tomas Zorn einen neuen Sportvorstand. Damit steht der Klub genau dort, wo er im August 2025 schon gewesen war, als Werner seinen Rücktritt erklärte. 

In der Zwischenzeit hat man hinter den Kulissen munter weiter gestritten, diskutiert, Fakten über den jeweils anderen gesammelt, gedroht, mit Hackeln geschmissen und sich über Medien wechselseitig etwas Nettes ausgerichtet. Ein Kindergarten ist ein seriöser und erwachsener Zirkel im Vergleich zu den Violetten.

Vielmehr glich der Fußballklub einem Schachbrett, auf dem taktiert und mit Figuren hin und her geschoben wurde. Hier der Verein, dort die Investorengruppe WTF, der auch Jürgen Werner angehört. 

Die Komplexität der violetten Struktur sorgt für gegenseitige Abhängigkeiten und Interessenskonflikte, die unweigerlich zu Dissonanzen führen. Wenn dann noch Eitelkeiten und Machtstreben ins Spiel kommen und den Fußball ins Abseits stellen, wird es beschämend und Image schädigend.

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So mancher jubelte schon über den Rückzug von Jürgen Werner als Sportvorstand, erkannte aber nicht die Problematik, dass der Oberösterreicher als Investor samt Syndikatsvertrag immer noch ausreichend Mitspracherecht besitzt und darüber hinaus einen Hebel besitzt, um die andere Seite gehörig zu ärgern.

Ruhe wird erst dann einkehren bei der Austria, wenn eine Seite endgültig gewinnt und die andere von dannen zieht. Als einfachste Variante diesbezüglich erscheint, dass die Austria von ihrem Recht, die WTF-Anteile zurückzukaufen, Gebrauch macht. Seit eineinhalb Jahren unternimmt man den Versuch, scheitert aber stets am Aufbringen der nötigen Summe (zwischen 7 und 10 Millionen).

Präsident Kurt Gollowitzer ist für die Austria der Verhandlungsführer und zuversichtlich, dass man diesmal die nötigen Finanzen findet. Bis Sommer will man den Deal unter Dach und Fach und damit endlich eine Ruhe haben. Glauben schenken darf man dem erst, wenn es tatsächlich eintritt.

Tomas Zorn kommt in dieser Gemengelage wie die Jungfrau zur Austria und lässt sich auf Gewagtes ein, wenn in seinem Vertrag die Klausel steht, dass die Austria nach Kauf der WTF-Anteile auch den Sportvorstand zeitnah abberufen kann. 

Umgekehrt hat Zorn die Chance, in der Zwischenzeit mit guter Arbeit zu überzeugen und sich damit unabhängig davon zu machen, was rundherum geschieht.

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