Favorit im Eiskanal: Jonas Müller und seine Olympia-Mission

Kunstbahnrodler Jonas Müller auf einer Trainingsfahrt bei Olympia.
Jonas Müller (28) ist im Herren-Einsitzerbewerb der große Gejagte. Der Vorarlberger Olympia-Debütant begegnet dieser Rolle mit einer großen Portion Lockerheit.

Vielleicht war es im Nachhinein ja gar nicht einmal so schlecht, dass Jonas Müller bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking zuschauen musste. Diese große Enttäuschung hat den Vorarlberger Kunstbahnrodler erst richtig angestachelt, es allen zeigen zu wollen. Nach den anfänglichen Gedanken, die Karriere auf Eis zu legen, („ich hätte den Rücktritt später sicher bereut“) schlug der Frust in Tatendrang um und inzwischen nimmt Jonas Müller im Eiskanal fast nur noch die Erfolgsspur.

Das Herren-Einsitzerrennen in Cortina nimmt der 28-jährige Olympiadebütant heute als großer Gejagter in Angriff. Diese Rolle ist einem sicher, wenn man drei Saisonsiege gefeiert, EM-Gold gewonnen und im Herbst das Testrennen auf der neuen Olympiabahn dominiert hat.

Viel Lockerheit

Jonas Müller empfindet das keineswegs als Rucksack, er fühlt sich vielmehr darin bestätigt, dass er sich gerade in der besten Phase seiner erfolgreichen Karriere befindet – und das zielgenau zum richtigen Zeitpunkt.

„Ich spüre keinen Druck von Außen“, sagt das 102-Kilo-Bröckerl aus Bludenz, „ich habe eher eine gewisse Lockerheit, weil ich weiß, dass ich ganz vorne mitfahren kann. Und die Bahn in Cortina liegt mir einfach.“

Diese Abgeklärtheit und die Erfahrung von zehn Weltcupsaisonen können gewinnbringende Faktoren sein, um im Einsitzerbewerb den erhofften Erfolg einzufahren. Gerade jüngere Olympia-Neulinge neigen mitunter dazu, im Zeichen der Ringe alles noch perfekter und penibler machen zu wollen. Der Schuss geht fast immer nach hinten los.

Nichts Komisches

„Es ist nicht notwendig, etwas Komisches zu machen, nur weil es Olympia ist. Ich vertraue auf das, was ich mir über die letzten Jahre erarbeitet habe“, erklärt Jonas Müller. „Ich habe für mich die Erfahrung gemacht: Nur wenn du locker rodelst, rodelst du auch schnell.“

Der Doppelweltmeister (2019, 2023) und dreifache Europameister (2024, 2025, 2026) zerbricht sich auch nicht den Kopf darüber, dass er bei Olympia noch mit einer anderen neuen Situation konfrontiert wird: Weil der Rodel-Olympiasieger an zwei Tagen in vier Läufen gekürt wird, wartet eine Nacht, in der sich so mancher Rodler bereits im Bett herumgewälzt hat.

Jonas Müller wäre nicht Jonas Müller, würde ihm diese Herausforderung schlaflose Nächte bereiten. „Wir hatten das heuer einmal in Park City, halt nur mit zwei Läufen. Da war ich nach dem ersten Tag vorne und habe dann gewonnen.“

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