Keine Medaille, bittere Erkenntnis: Dem ÖSV fehlen die Abfahrer

OLYMPIA 2026: SKI ALPIN/ABFAHRT MÄNNER: KRIECHMAYR (AUT)
In der Olympia-Abfahrt wurden dem ÖSV einmal mehr die Versäumnisse der letzten Jahre in der Königsdisziplin vor Augen geführt.

Wenn sich Vincent Kriechmayr seine Olympiaabfahrt noch einmal im Video vor Augen führt, wird ihm erst richtig bewusst werden, welche Chance er am Samstag in Bormio liegengelassen hat. 

Und der gleichermaßen ehrgeizige wie selbstkritische Oberösterreicher wird sich dann wohl grün und blau ärgern, dass gerade einem Edeltechniker wie ihm so ein banaler Fahrfehler unterlaufen musste. 

Auf einer seiner Lieblingsstrecken. Ausgerechnet im wichtigsten Rennen des Winters.

Vincent Kriechmayr stapfte zerknirscht aus dem Zielraum

Vincent Kriechmayr stapfte zerknirscht aus dem Zielraum

„Es war nur eine Kurve. Die bin ich leider nicht gut gefahren“, erklärte Vincent Kriechmayr nach seinem sechsten Platz in der Olympia-Abfahrt. 

Ganze sechs Zehntelsekunden hatte der Österreicher in der verhängnisvollen Kurvenpassage im Mittelteil verloren. Wohin die Reise auf der Stelvio-Piste ohne diesen unnötigen Fehler hätte gehen können, kann sich jeder ausrechnen.

Rang 6 (Kriechmayr) und Rang 7 (Daniel Hemetsberger) hinter  drei Schweizern und zwei Italienern  –  es war im Grunde ein standesgemäßes Resultat für die österreichischen Abfahrer, die in der Königsdisziplin nicht mehr zu den Topnationen zählen.

Daniel Hemetsberger wurde Siebenter

Daniel Hemetsberger war als 7. der zweitbeste Österreicher

Die Einschätzung von ÖSV-Cheftrainer Marko Pfeifer sagt dann auch alles über den Status quo der Österreicher im Abfahrtssport: „Wir sind um die Medaillen mitgefahren, das hätte uns vielleicht keiner zugetraut.“ 

Enttäuschter Nachsatz: „Die Medaille war diesmal  machbar. Im Weltcup wäre dieses Ergebnis okay gewesen.“

Insgeheim hatten sie beim ÖSV-Herren-Team schon damit gerechnet, dass die erste Siegerzeremonie bei  diesen Winterspielen ohne österreichische Beteiligung stattfinden könnte.  

Die Abfahrt galt als Rennen mit den geringsten Medaillenchancen. Saisonsiegen in Slalom (Manuel Feller), Riesentorlauf (Stefan  Brennsteiner, Marco Schwarz) und im Super-G (Kriechmayr, Schwarz) stehen  ganze zwei österreichische Podestplätze in Weltcupabfahrten  seit der Saison 2023/’24 gegenüber. 

Giovanni Franzoni und Franjo von Allmen

Franjo von Allmen und Giovanni Franzoni bei der Fahrt von Dominik Paris. Beide sind erst 24

Großes Versäumnis

In der Olympiaabfahrt wurden dem Österreichischen Skiverband dann auch schonungslos die Versäumnisse der Vergangenheit vor Augen geführt: Olympiasieger Franjo von Allmen (SUI) und der italienische Silbermedaillengewinner Giovanni Franzoni sind beide Jahrgang 2001 und verkörpern eine neue Abfahrergeneration.

Leistungsfähige ÖSV-Abfahrer in diesem Alter sucht man – mit Ausnahme des verletzten Stefan Eichberger (25) – vergebens. „Wir haben erkannt, dass es ein Riesenloch gibt. Aber wir können das nicht mehr ändern“, sagt Marko Pfeifer. „Wir wissen, dass wir auf eine jüngere Generation hoffen müssen.“

Der österreichische Chefcoach schwärmt von den Jahrgängen 2008 und 2009. „Da dominieren wir die Abfahrt und den Super-G.“

Das macht irgendwie Hoffnung. Für die Winterspiele 2034 dann.

Kommentare