ÖSV-Hoffnung Eichberger nach seiner Verletzung: "Es tut richtig weh"

Hartes Los: Stefan Eichberger verpasst den gesamten Olympiawinter.
Stefan Eichberger gilt als große Abfahrtshoffnung. Eine Knieverletzung zwingt ihn nicht nur in Kitzbühel zum Zuschauen.

Wenn er denn wenigstens eine kapitale Brezn gerissen hätte. Mit Überschlag, Action, Fangnetz und allem, was dazugehört. Wenn er zumindest ein Opfer seines Übermuts gewesen wäre und sich selbst die Schuld geben könnte für die missliche Situation, in der er sich jetzt befindet.

Stefan Eichberger würde es bedeutend leichter fallen, seine schwere Knieverletzung zu akzeptieren, die ihn vor einem Monat auf den Kamelbuckeln in Gröden jäh ausgebremst hat. „Es tut echt weh, wenn du Athleten siehst, die übers Limit gehen und verletzungsfrei durchkommen“, erzählt der steirische Abfahrer. „Und ich stürze nicht einmal und verletze mich dann trotzdem so schwer.“

Pfeilschnell

Stefan Eichberger war nach seiner verhängnisvollen Landung am dritten Kamelbuckel sogar noch selbst ins Ziel gefahren, ehe die Untersuchungen schmerzhafte Gewissheit gaben: Kreuzband und Meniskus im rechten Knie gerissen – vorzeitiges Saisonende im Olympiawinter. „Das ist wirklich bitter.“

Vor allem weil die Abfahrer-Karriere von Stefan Eichberger gerade so richtig Fahrt aufgenommen hatte. Vor zwei Jahren hatte der Hüne aus Kleinlobming auf der Streif sein Weltcupdebüt gegeben (Rang 41), seither war er auf der Überholspur unterwegs.

Saublöd

In Windeseile behauptete sich der Rookie im Weltcup, der Start in den Olympiawinter war mit den Rängen 6 und 7 in den Speedrennen in Beaver Creek verheißungsvoll. „Er hat so einen Grundspeed, es ist nur eine Frage der Zeit, bis er einmal gewinnt“, prophezeite ÖSV-Teamkollege Vincent Kriechmayr.

Das geht bei Stefan Eichberger („das höre ich gerne“) runter wie Öl und ist genau die Aufmunterung, die er im Moment braucht. Der 25-jährige Steirer hat in den letzten Wochen viel mit sich und seiner Knieverletzung gehadert und stellte sich die Frage nach dem Warum.

Nicht nur einmal sah er sich das Video von seinem folgenschweren Sprung über die Kamelbuckel an, um irgendeine Erklärung zu finden. „Ich weiß nicht, was ich anders machen hätte sollen“, sagt Eichberger. „Wenn man sich verletzt, dann muss es saublöd zugehen. Sonst tut man sich nicht weh.“

Beinhart

Während die Schmerzen im operierten rechten Knie von Tag zu Tag weniger werden, sticht es gerade heftig in Eichbergers Abfahrerherz. „Es ist nur sehr schwer zu verdauen und zu akzeptieren, wenn du zuschauen musst, wie die Kollegen in Wengen oder Kitzbühel fahren“, gibt der Steirer im KURIER-Gespräch zu. „Das ist echt eine mentale Challenge.“

Der 25-Jährige lenkt sich dann gerne ab und widmet sich seinem Knie. Die Tage sind durchgetaktet mit Lymphdrainage, Behandlungen mit Strom und Kühlpads und Physiotherapie. „Langweilig wird mir nicht. Irgendetwas hängt immer an meinem Fuß drauf“, erzählt Stefan Eichberger, der am Montag in die Therme Bad Hofgastein übersiedelte, um die nächsten kleinen und behutsamen Schritte zu setzen.

Bärenstark

Einen Monat nach dem Unfall spürt der Steirer noch immer die Nachwehen seiner Operationen. Am Heiligen Abend musste sich Eichberger einem zweiten Eingriff unterziehen, weil ihm ein Bluterguss im Knie höllische Schmerzen bereitet hatte. Seither leidet er unter Schlafstörungen. „Ich merke, dass der Körper in der Nacht extrem arbeitet. Ich wache oft auf und der Puls ist ziemlich erhöht.“

In den bitteren Momenten ist es für Stefan Eichberger eine enorme Hilfe, dass er schon einmal in so einer misslichen Lage war und sich vom OP-Tisch schnell und erfolgreich zurückgekämpft hatte. „Die Knieverletzung im Dezember 2022 war sogar noch schlimmer. Der nächste Winter war dann richtig gut von mir.“

Und seine größte Stärke wird der Steirer mit der typischen Abfahrerstatur auch durch die Verletzung nicht verlieren. „Ich habe einen guten Grundspeed. Den haben nicht viele. Ich muss mich nicht am Limit bewegen, um schnell zu sein.“

Das hat sich längst auch über die Skipisten hinaus herumgesprochen. Nicht von ungefähr kommt Stefan Eichberger in den TV-Werbespots für die Olympischen Winterspiele vor. „Das ist echt bitter, wenn man sich da selbst in der Olympiawerbung sieht. Aber ich glaube, dass ich noch eine große Zukunft vor mir habe.“

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