Nur Fußvolk in der Königsdisziplin: Beim ÖSV schrillen die Alarmglocken
Vincent Kriechmayr war in der Hahnenkammabfahrt als 13. der beste Österreicher. Der Oberösterreicher nimmt vor den Winterspielen eine Auszeit vom Weltcup
Es ist dann wie immer alles nur eine Frage der Perspektive und Relevanz. Was ist schon die größte österreichische Abfuhr in der Geschichte der Hahnenkammabfahrt gegen die wirklich weltbewegenden Themen?
Wie meinte doch der große Philosoph Arnold Schwarzenegger (I’ll be back“), als er im Zielstadion der Streif zu Zehntausenden Skifans sprach:
„Das Wichtigste auf der Welt ist: Niemand macht so guate Würschtln wie mia. Die Krainer, die Frankfurter und den Kaiserschmarrn.“
Arnold Schwarzenegger beehrte wieder Kitzbühel und die Hahnenkamm-Rennen.
Natürlich ist es in einer so stolzen Skination wie Österreich nicht wurscht, wenn die ÖSV-Athleten in der wichtigsten Abfahrt des Weltcupwinters einen – um es in Arnies Worten zu sagen – richtigen Schmarrn zusammenfahren.
Weit abgeschlagen an der 13. Position war der beste Österreicher (Vincent Kriechmayr) zu finden – so schlecht waren die ÖSV-Abfahrer auf der Streif noch nie.
21 Abfahrten ohne Sieg
Die Abfahrt ist und bleibt eine Großbaustelle, in der Königsdisziplin gehören die Österreicher mittlerweile nur mehr zum Fußvolk.
Seit 21 Rennen warten die ÖSV-Abfahrer auf einen Sieg, im Abfahrtsnationencup ist Österreich hinter Schweiz, Italien und Frankreich die vierte Kraft.
Marco Odermatt (460) hat allein mehr Punkte in dieser Saison gesammelt als das gesamte ÖSV-Abfahrtsteam (394).
Daniel Hemetsberger kam in der Hahnenkammabfahrt nicht ins Ziel
"Das wurmt mich"
Wie groß das rot-weiß-rote Dilemma wirklich ist, zeigt sich immer dann, wenn Vincent Kriechmayr keinen guten Tag erwischt.
Wie schon am Freitag im Super-G unterliefen der Routinier auch in der Abfahrt zu viele Fehler. „Ich bin gscheit angefressen, das wurmt mich, denn dafür bin ich zu ehrgeizig.“
Enttäuschend
Es sagt ohnehin einiges über das Leistungsniveau und Ist-Zustand der ÖSV-Abfahrer aus, dass Vincent Kriechmayr selbst nach einer verkorksten Fahrt in Kitzbühel noch der beste Österreicher war.
Mit Manuel Traninger (24.) und Raphael Haaser (25.) schafften es beim Heimrennen nur noch zwei weitere ÖSV-Athleten in die Punkteränge.
Stefan Babinsky kam in der Abfahrt zum dritten Mal in Folge nicht in die Punkteränge
Der Rest enttäuschte wieder einmal auf allen Linien: Daniel Hemetsberger, zuletzt in Wengen noch in den Top Ten, rutschte nach einem Flüchtigkeitsfehler aus dem Kurs („Ich war zu unsauber, und dann bin ich schon dagelegen“).
Stefan Babinsky wiederum ist ein großes Rätsel: Während der Steirer im Super-G nach seinen Podestplätzen in Wengen und Kitzbühel an der Weltspitze angekommen ist, fährt er in der Abfahrt nur hinterher.
Kitzbühel (Rang 34) war nun bereits die dritte Abfahrt in Folge, in der Babinsky nicht in den Punkterängen war.
Kriechmayr nimmt Auszeit
Beim ÖSV flüchtete man sich nach dem Debakel in Durchhalteparolen und übte sich zwei Wochen vor den Winterspielen in Zweckoptimismus. „Wir sind die gefährlichen Außenseiter“, sagte Präsidentin Roswitha Stadlober.
Vincent Kriechmayr zog die Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden und nimmt sich eine Auszeit. Der 34-Jährige verzichtet auf die Abfahrt am Sonntag in Crans Montana. „Ich muss trainieren, damit ich bei Olympia besser abschneide.“
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