Stefan Babinsky am Podest: Späte Genugtuung für einen Unterschätzten
Stefan Babinsky fuhr mit 29 Jahren das erste Mal in seiner Karriere aufs Weltcup-Stockerl
Es ist jetzt höchst an der Zeit, bei Stefan Babinsky hochoffiziell Abbitte zu leisten. Er würde es nie im Weltcup aufs Podium schaffen, hatten die österreichischen Skijournalisten – auch der Verfasser dieser Zeilen – in der Vergangenheit oft moniert.
Und dabei diesen Stefan Babinsky oft mit einem Kopfschütteln verfolgt, weil er die Welt gar so durch die rosarote Skibrille betrachtete und selbst nach schwachen Auftritten eine Form von Zufriedenheit ausstrahlte.
Diesem Zugang konnte nicht jeder etwas abgewinnen.
So hatte Vincent Kriechmayr, mit seinem Hang zur schonungslosen Selbstkritik so ziemlich das genaue Gegenteil von Stefan Babinsky, den 14. Platz seines Teamkollegen heuer in der Gröden-Abfahrt mit den Worten quittiert: „Jubel nicht, du ...!“
Während viele den 29-jährigen Steirer also überkritisch beäugten, hatte sich ÖSV-Alpinchef Christian Mitter schon unmittelbar nach dem Gröden-Debakel des österreichischen Abfahrtsteams festgelegt. „Stefan Babinsky fährt in diesem Winter noch auf das Podium.“
Der Autor dieses Textes wettete damals dagegen - und darf nun als gerechte Strafe den ÖSV-Boss zum Abendessen einladen.
Kleine Schritte
Denn Christian Mitter sollte allen journalistischen Unkenrufen zum Trotz mit seiner Prognose recht behalten. Im Super-G von Wengen strafte Stefan Babinsky mit seinem zweiten Platz nicht nur alle Skeptiker Lügen, der 29-Jährige zeigte auch ein Gesicht, das man so von ihm noch nicht kannte.
Denn Babinsky war nach dem besten Rennen seiner Karriere nicht restlos zufrieden. „Das Ziel-S war nicht nach Plan“, ärgerte sich der Steirer im ORF-Interview.
Am Beispiel von Stefan Babinsky, der fast 30 Jahre alt werden musste, um endlich den ersten Podestplatz einzufahren, zeigt sich wieder einmal, welch unterschiedlichen Verlauf Skikarrieren nehmen können.
Sein Teamkollege Lukas Feurstein war 23, als er im letzten Winter den ersten Weltcupsieg feierte, der Italiener Giovanni Franzoni durfte am Freitag in Wengen mit 24 seinen ersten Erfolg feiern und ist damit der Senkrechtstarter dieses Winters.
Große Stärke
Stefan Babinsky wählte den Weg der kleinen Schritte, die ihn in den letzten Saisonen sukzessive näher an die Weltspitze brachten. „Ich habe versucht, meinem Weg treu zu bleiben und immer an mich geglaubt“, sagt der gebürtige Deutsche (der Papa war Pilot in Bremen).
Auch dank Babinsky stellt Österreich aktuell gerade das stärkste Team im Super-G. Mit dem Steirer, den beiden Saisonsiegern Kriechmayr und Marco Schwarz sowie Raphael Haaser (5. in Wengen) steht das Olympia-Quartett.
In der Abfahrt sind die Tickets umkämpfter, vor dem Klassiker in Wengen (Samstag, 12.30) haben die Österreicher heuer erst einen 5. Platz zu Buche stehen.
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