Generationenwechsel: Die Jungen rasen in der Abfahrt auf und davon

Silber, Gold und Bronze: Franzoni (24), Von Allmen (24), Paris (36)
Nach der Königsdisziplin Abfahrt: Franjo von Allmen und Giovanni Franzoni gehört nicht nur die Zukunft.
Wolfgang Winheim

Wolfgang Winheim

Geduld war am Olympia-Eröffnungsabend erforderlich. 207 Minuten galt es vor dem Bildschirm durchzuhalten, ehe Italiens Skigrößen Deborah Compagnoni, 55, und Alberto Tomba, 59, im Mailänder Fußball-Tempel San Siro die Flamme entzündeten. 

Verlaufen die Spiele so völkerverbindend und konfliktfrei wie bei der langen, spektakulären Opening-Zeremonie von der neuen IOC-Präsidentin Kirsty Coventry, 42, in ihrer Rede gewünscht, wird die Frage nicht ausbleiben, ob auch Österreich oder gar Wien an den olympischen Futtertrog gelangen sollte.

Wien? Lachen Sie nicht. Verglichen zu Mailand, von wo aus es 412 Kilometer nach Cortina und fast genauso viele zu den Biathleten nach Antholz sind, ließ sich kontern, dass man von Wien aus weniger lang nach Schladming (289 km), zur Schanze am Kulm, ja sogar nach Kitzbühel (317) braucht. Vom nur 97 Kilometer entfernten Frauen-Weltcup-Ort am Semmering ganz zu schweigen.

Weite Wege

Auch 2030 in Frankreich wird es nicht Spiele der kurzen Wege, sondern Wettkampf-Schauplätze von den Alpen bis an die Côte d’Azur geben. 2034 dürfte – so wie 2002 – Salt Lake (USA) an der olympischen Reihe sein. Wiens wortgewaltiger Sportstadt Peter Hacker, 62, braucht somit nicht zu hoffen (oder zu befürchten?), dass Olympia in seine Amtszeit fällt.

Schweiz überall voran

Sollte 2038 (womit die Schweizer spekulieren) Thema werden, ließe sich eine Kandidatur immer noch mit einer Volksbefragung verhindern, bei der Nein-Sager speziell in der Antisportstadt Wien gefühlt immer in der Mehrheit wären. Doch das ist Schnee von überübermorgen, den’s hoffentlich auch dann noch gibt. Wenn die Dominatoren von Bormio noch immer starten könnten.

Franjo von Allmen und Giovanni Franzoni sind Kinder des neuen Jahrtausends, beide erst 24, unbekümmert, freundlich und sauschnell, während Vincent Kriechmayr und Daniel Hemetsberger längst der Generation 30-plus angehören. Mit mutigen Fahrten und den Platzierungen sechs und sieben konnten die beiden Oberösterreicher immerhin verhindern, dass die Olympia-Abfahrt 2026 als diejenige mit dem schwächsten ÖSV-Abschneiden (1960 und 2018 jeweils Rang 7) in die Ski-Historie der Winterspiele eingeht.

Wirklich rosig schaut’s für Rot-Weiß-Rot auch in naher Zukunft noch nicht aus. Um die Lücke zu dominierenden Schweizern zu schließen, wird’s erst recht viel Geduld benötigen.

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