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Zweimal haben Selina Egle und Lara Kipp zuletzt den Gesamtweltcup der Doppelsitzer gewonnen. Bei den Olympischen Spielen in Cortina ist das rot-weiß-rote Duo am Mittwoch ihrer Favoritinnenrolle nicht ganz gerecht geworden. Für eine Medaille reicht es trotzdem. Die Bronzene des Duos war die siebente für Österreich bei diesen Spielen.

Hinter den Italienerinnen Andrea Vötter/Marion Oberhofer (+0,259) und dem deutschen Duo Dajana Eitberger/Magdalena Matschina (+0,139) wurde es Platz 3 im Cortina Sliding Center. Bereits nach dem ersten Durchgang war das österreichische Duo auf Platz drei gelegen.

„Grober Schnitzer“

„Die Medaille bedeutet uns total viel“, freute sich Selina Egle. „Im ersten Lauf hatten wir einen groben Schnitzer, aber am Ende können wir wirklich stolz auf uns sein. Ich merke, wie emotional ich gerade bin, wie viel Druck da gerade abfällt.“

Eine Medaille war irgendwo aber auch Pflichterfüllung für Egle/Kipp, die schon gemeinsam in der Schule waren und „richtig gute Freundinnen“ sind. Warum das? Die beiden 23-Jährigen waren heuer in keinem Rennen schlechter als Zweite. Auch in den sechs Trainings in Cortina erzielten die Tirolerinnen zuletzt zweimal Bestzeit.

Dass man der Favoritinnenrolle nicht ganz gerecht wurde, störte Selina Egle nicht. „Bei Olympia ist alles anders. So viel Trubel, alles wird so aufgebauscht.“ Und deshalb sei auch eine gesunde Portion Nervosität dabei gewesen. „Wenn wir nicht nervös wären, tät’s uns ja nix bedeuten.“

Es wird vermutlich noch einige Zeit dauern, bis Vincent Kriechmayr und seine Silbermedaille aus der Teamkombi Freunde werden. Der ehrgeizige Oberösterreicher kann seiner ersehnten ersten Olympiamedaille nicht wirklich viel abgewinnen, weil er in seinen Augen bei diesen Spielen versagt hat. „Meine Leistungen waren nicht das, was ich mir erhofft habe“, sagte Vincent Kriechmayr vor seiner fluchtartigen Abreise aus Bormio.

In seinen Augen ist die Silbermedaille in der Team-Kombi nur ein Abfallprodukt, das er sich so gar nicht verdient hatte. „Ich wollte mit meiner eigenen Leistung eine Medaille holen und nicht nur dank Manuel Feller und mit viel Glück, weil andere ausscheiden“, sagte Kriechmayr. „Mein Ziel war eine Einzelmedaille.“

Davon war der Doppelweltmeister von 2021 aber deutlich entfernt. Nach der Ernüchterung in der Spezialabfahrt (6.) folgte im Super-G mit Rang 7 die nächste Enttäuschung. „Der Rückstand im Ziel war ein Schock. Das war in Summe einfach zu wenig.“

Super-Flop im Super-G

Der Routinier sprach damit stellvertretend für das gesamte ÖSV-Speedteam, das ausgerechnet in der Paradedisziplin Super-G einen Super-Flop hinlegte. Sieben Podestplätze hatten die Österreicher im Laufe dieses Winters im Super-G eingefahren, im Disziplinenweltcup bekleiden ÖSV-Athleten die Ränge 2, 3 und 4.

Im wichtigsten Super-G der Saison reichte es dann nur zu den Rängen 5 (Raphael Haaser), 7 (Kriechmayr), 14 (Marco Schwarz) und 21 (Stefan Babinsky). „Natürlich war die Erwartungshaltung eine andere. Das war von uns bei Gott nicht zufriedenstellend“, ärgerte sich Kriechmayr.

Packender Auftakt bei den Nordischen Kombinierern. Johannes Lamparter, nach dem Springen auf der Normalschanze noch auf Platz sechs, lief in der Loipe noch aufs Podest. Mit einem packenden Finish schaffte er es auf Platz zwei und holte Silber - seine erste Olympia-Medaille. Teamkollege Stefan Rettenegger wurde Vierter.  Gold holte sich der Norweger Jens Luraas Oftebro.

Schon nach dem Springen war klar, dass es in der Loipe ganz knapp zur Sache gehen würde. Thomas Rettenegger ging als erste Verfolger des Esten Kristijan Ilves in die Loipe, sein Bruder Stefan und Lamparter folgten auf den Rängen 4 und 6. Doch die Abstände waren gering - und so kam es, wie es kommen musste: Das Feld schob sich schon bald zusammen. 

Irgendwann wurde  Franjo von Allmen dann alles zu viel. So leichtfüßig und souverän er im Super-G über die Stelvio gekurvt war, so schwerfällig und abgekämpft stapfte der Schweizer durch  den Zielraum.  Zum dritten Mal innerhalb von 96 Stunden wurde der  Olympia-Neuling  herumgereicht von Mikrofon zu Mikrofon und sollte dabei ausführlich erklären, was nur sehr schwer zu erklären ist.

Dass  nämlich Franjo von Allmen, der gelernte Zimmermann  aus Boltigen im Kanton Bern,   fortan in einem Atemzug mit  den Skilegenden Toni Sailer (1956 in Cortina) und Jean-Claude Killy (1968 in Grenoble) genannt werden muss: Nur dem Blitz aus Kitz’ und dem Franzosen King Killy war es zuvor gelungen, von Olympischen Winterspielen mit drei  Ski-Goldmedaillen abzureisen.

Mister Großereignis

Dem dreifachen Olympiasieger Franjo von Allmen war die skihistorische Dimension seiner Erfolge in Bormio gar nicht bewusst. „Jetzt habe ich wieder etwas gelernt“, sagte der 24-Jährige nach seiner Triumphfahrt  im Super-G zum dritten Gold im dritten Rennen. „Ich muss das alles erst einmal sacken lassen.“

Es ist wahrscheinlich auch diese Mischung aus Wurschtigkeit und Nervenstärke, die Von Allmen zu dem machen, der er gerade ist: Der Allergrößte bei Großereignissen. Bei seiner ersten Weltmeisterschaft vor einem Jahr in Saalbach-Hinterglemm hatte der unbekümmerte Debütant in der Abfahrt und in der Team-Kombi triumphiert, bei seinen ersten Winterspielen gelang ihm nun der goldene Hattrick in Abfahrt, Team-Kombi (mit Tanguy Nef) und im Super-G. „Im Super-G hätte ich nie und nimmer mit dem Sieg gerechnet.“

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