Silber! Die nächste Rodel-Medaille für Österreich
Wolfgang Kindl und Thomas Steu
Was hatte sich denn Wolfgang Kindl nicht alles anhören müssen: Er wäre doch viel zu klein für einen Kunstbahnrodler, nie und nimmer könne jemand mit seiner Statur (1,66 Meter) mit der Konkurrenz Schlitten fahren. Und er möge sich doch, bitteschön, einen anderen Sport suchen.
Wolfgang Kindl kann heute längst darüber lachen, dass er in jungen Jahren von so vielen abgeschrieben wurde. Selbst Verbandspräsident und Rodellegende Markus Prock hatte dem Tiroler keine große Karriere zugetraut, aber mittlerweile darf sich der 37-Jährige zurecht zu den Größten zählen, die dieser Sport hervorgebracht hat.
Wie viele Kunstbahnrodler gibt es schon, die sowohl im Einsitzer als auch im Doppelsitzer Olympia-Medaillen gewonnen haben. 2022 war Wolfgang Kindl noch klassisch im Herren-Einsitzer zur Silbermedaille gerodelt, bei diesen Winterspielen startete der Routinier auch im Doppelsitzerbewerb und sorgte mit Steuermann Thomas Steu für einen Glanzmoment. Es wurde die Silbermedaille hinter den Italienern Emanuel Rieder/Simon Kainzwalder (+0,068) und noch vor dem deutschen Duo Tobias Wendl/Tobias Arlt.
Es war durchaus eine mutige Entscheidung, die Kindl im Sommer 2023 gefällt hatte. Mit 35 Jahren sattelte der zweifache Weltmeister im Einsitzer um und startete auf seine alten Tage noch eine Laufbahn als Doppelsitzerrodler. Seine langjährige Erfahrung – Mailand-Cortina sind bereits die fünften Winterspiele – und sein außergewöhnliches Fahrgefühl sorgten dafür, dass Kindl schnell Fuß fasste und gleich in seiner ersten Saison als Doppelsitzer mit Partner Thomas Steu den Gesamtweltcup gewann. „Ich habe diese Herausforderung gebraucht. Das hat mir noch einmal eine neue Motivation gegeben“, berichtet der Routinier.
Mit Thomas Steu hat der zweifache Familienvater auch einen perfekten Steuermann an seiner Seite. Der besonnene Vorarlberger gewann bereits 2022 mit Lorenz Koller Olympia-Bronze und er war froh, dass sich ein Jahr später mit Wolfgang Kindl ein Ersatz für den langjährigen Partner fand, der die Karriere beendete. „Wir haben beide voneinander profitiert“, versichert der 32-Jährige.
Mit dem Gewinn der Silbermedaille setzten Steu/Kindl den Erfolgslauf der österreichischen Kunstbahnrodler bei Olympischen Winterspielen fort. Seit 1992 waren die Österreicher bei allen Winterspielen in der Erfolgsspur und holten Medaillen.
In Cortina hält das Team rund um Präsident Markus Prock nunmehr bereits bei drei Medaillen. Denn auch die Olympia-Premiere des Frauendoppelsitzerbewerbs endete mit einem Podestplatz: Selina Egle und Lara Kipp rodelten auf den dritten Platz.
Der Medaillenhunger der Österreicher ist damit freilich noch nicht gestillt. Auch im Teambewerb am Donnerstag zählt die österreichische Equipe zu den Favoriten.
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