US-Athleten über Trump und ICE: Mutige Botschaften der Liebe

Milano Cortina 2026 Winter Olympic Games - Figure Skating
Eiskunstläuferin Amber Glenn, Mikaela Shiffrin, Lindsey Vonn, Chloe Kim und andere fanden elegante Wege, die Politik anzuprangern.

US-Flaggen sind weit verbreitet hier in Cortina. Das hat zwar auch damit zu tun, dass Superstars wie Lindsey Vonn und Mikaela Shiffrin hier ihre Bewerbe fahren bzw. fuhren. Aber auch mit den anderen Sportarten wie Curling und den Bewerben auf der Bob-Bahn, wo immer wieder die Stars und Stripes gesichtet werden. 

Und eines fällt besonders auf hier in Cortina: Die Stimmung unter den Fans ist betont freundlich, humorvoll und weltoffen. Und noch etwas: Viele der US-Amerikaner, die ihre Athleten und Athletinnen anfeuern, können mit der Politik ihrer Regierung wenig anfangen. Darauf angesprochen, distanzieren sich viele davon. Man wolle hier etwas anderes verbreiten als Hass, Angst und Spaltung, so der Tenor. 

Kein Blatt vor den Mund

Und auch immer mehr US-Athleten wollen sich bei den Olympischen Spielen kein Blatt vor den Mund nehmen, wie es ihnen dabei geht, in bewegenden Zeiten wie diesen die US-Flagge zu vertreten – in Zeiten, in denen in den USA die Sorge wegen der Einwanderungsbehörde ICE, die Epstein-Files und die scheinbar willkürliche Politik der Trump-Regierung für Unruhe sorgen. 

Eiskunstläuferin Amber Glenn, eine der bekanntesten LGBTQ-Athletinnen in ihrem Sport, kritisierte auf einer Pressekonferenz zum Beginn der  Spiele die Trump-Regierung. Die 26-Jährige erklärte, sie werde sich während Olympia nicht davor scheuen, diese Themen anzusprechen. „Es war und ist eine schwere Zeit für die LGBTQ-Community insgesamt unter dieser Regierung“, sagte sie. 

Nachdem ihre Zitate weit verbreitet wurden, wehte Amber Glenn auf Social Media der Hass entgegen. Sie kündigte daraufhin eine Social-Media-Pause an, weil sie „eine erschreckende Menge an Drohungen und Beleidigungen“  erhalten habe, „nur weil ich meine Meinung geäußert habe, als ich nach meinen Gefühlen gefragt wurde“.

"Versager"

Von „ganz oben“ wurde US-Freeskier Hunter Hess zur Rede gestellt. Er hatte in Livigno klargestellt: „Für die Vereinigten Staaten anzutreten bedeutet nicht, dass ich alles gutheiße, was in meinem Land passiert.“ Er bezog sich damit auf die Einwanderungspolitik der Trump-Regierung.

Hess bekam dafür direkt eine Schelte des Präsidenten. Donald Trump ließ ihn von Washington aus wissen: „Du bist ein richtiger Versager, geh nach Hause!“

US-Snowboarderin Chloe Kim und Freeskierin Eileen Gu, die für China startet, nahmen Hess in Schutz und ärgerten sich über den Kommentar des Präsidenten.

“Ich denke schon, dass wir unsere Meinung sagen dürfen sollten”, sagte Kim, die als Kind von Einwanderern in Kalifornien aufwuchs.

"Liebe und Respekt"

Auch Freestyle-Skifahrer Chris Lillis äußerte sich besorgt zu ICE. Er sei „zutiefst betroffen“ von den Ereignissen in den Vereinigten Staaten. „Als Land sollten wir uns darauf konzentrieren, die Rechte aller zu achten und sicherzustellen, dass wir unsere Bürger wie alle anderen auch behandeln – mit Liebe und Respekt.“

Die Abfahrts-Olympiasiegerin Breezy Johnson schlägt in dieselbe Kerbe. Auf die Frage nach ihrer Message an die US-Bürger schlägt sie vor: „Wir müssen zusammenhalten, und ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann und dass diese Spiele das auch für alle zu Hause bewirken können.“

Lillis hoffe, dass die Menschen, wenn sie die Athleten bei den Olympischen Spielen sehen, "erkennen, dass dies das Amerika ist, das wir repräsentieren wollen."

Vonn: "Mehr als das, was gerade passiert"

Lindsey Vonn, selbst aus Minnesota, wo es in den vergangenen Wochen zu Zwischenfällen mit der Einwanderungsagentur gekommen war, hatte vergangene Woche in Cortina – also vor ihrem schweren Sturz – gesagt, sie leide mit den Menschen in Minnesota mit. 

„Wir wollen hier  bei den Olympischen Spielen zeigen, was Amerika ausmacht, wer wir als Menschen sind. Denn wir sind mehr als das, was gerade passiert.“

US-Eisschnellläufer Conor McDermott-Mostowy, ebenfalls aus Minnesota, lobte die Menschen in dem Bundesstaat dafür, dass sie sich „nicht stoppen lassen“. 

Shiffrins virales Mandela-Zitat

Mikaela Shiffrin zitierte Nelson Mandela: „Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Konflikten. Frieden ist die Schaffung eines Umfelds, in dem alle Menschen aufblühen können.“ Sie  hoffe, bei den Olympischen Spielen ihre eigenen  Werte vertreten zu können. „Werte wie Inklusion, Vielfalt, Freundlichkeit, Teilen, Beharrlichkeit und Fleiß.“ Die Olympischen  Spiele sollen ein schönes „Beispiel für Zusammenarbeit“ sein.

Weil mehrere US-Athleten für ihre Aussagen online Hasskommentare und Drohungen erhalten haben, schaltete sich das Olympische und Paralympische Komitee der USA (USOPC) ein. Die Attacken in sozialen Medien würden entfernt und Drohungen an die Behörden weitergeleitet.

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