Silber! Wie Johannes Lamparter seinen Olympia-Fluch besiegte

Nach zwei vierten Plätzen in Peking durfte Kombinierer Johannes Lamparter diesmal über Silber jubeln.
Johannes Lamparter

Die größte Enttäuschung seiner Karriere war für Johannes Lamparter zugleich auch die größte Motivation. Als der Nordische Kombinierer vor vier Jahren in Peking von seinen ersten Winterspielen mit zwei vierten Plätzen abgereist war, schwor sich der ehrgeizige Tiroler: „So etwas wird mir nicht noch einmal passieren.“

Vier Jahre später setzte Lamparter sein Vorhaben gekonnt in die Tat um und zeigte beim Gewinn der Silbermedaille eindrucksvoll, welche Lehren er aus den Olympischen Spielen 2022 gezogen hat. Lamparters Weg zum zweiten Rang im Bewerb auf der Normalschanze war nämlich ein Paradebeispiel für taktische Cleverness und die richtige Einteilung der Kräfte. „Diese Medaille bedeutet mir extrem viel.“

Perfekte Strategie

Über weite Strecken des 10-Kilometer-Langlaufrennens hatte nicht viel auf einen Stockerlplatz des Weltcupleaders hingedeutet. Johannes Lamparter war als Sechster in die tiefe und herausfordernde Loipe gegangen und sah sich umzingelt von den stärksten Langläufern.

Johannes Lamparter

Johannes Lamparter

Nicht nur einmal erweckte der Rumer den Eindruck, als würden ihm die widrigen Bedingungen richtig zusetzen und als könne er das Tempo der Allerschnellsten nicht mitgehen. Lamparter hielt sich fast immer am Ende der Gruppe auf – aber das war alles genau so geplant.

Enorme Anstrengung

„Ich habe gewusst, dass alles erst in der letzten Runde entschieden wird. Daher habe ich mir einige Reserven gelassen, damit ich noch einmal zulegen kann“, erzählt der 24-Jährige. Und mit dieser raffinierten Strategie fuhr der Österreicher ausgezeichnet.

Während bei vielen Konkurrenten die Schritte immer kürzer wurden, lief Lamparter auf den letzten beiden Kilometern zur Hochform auf und kam hinter dem Norweger Jens Luuras Oftebro als Zweiter ins Ziel. Abgekämpft, aber überglücklich. „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich einmal so ein anstrengendes Rennen gelaufen bin. Zwischenzeitlich hab’ ich echt die Sternderl gesehen“, gab der Tiroler nach dem Kraftakt zu.

Große Zweifel

Dabei war Johannes Lamparter mit einer Portion Grundskepsis in diesen ersten Bewerb gegangen. Der fünffache Saisonsieger plagte sich mit der Normalschanze von Predazzo und hatte eine Medaille bereits abgeschrieben. „Ich hatte wirklich große Zweifel, ob ich in diesem Bewerb überhaupt eine Chance habe“, gesteht der Tiroler. „Eigentlich hatte ich mir auf der Großschanze viel mehr ausgerechnet.“

Mit der Silbermedaille nimmt Johannes Lamparter auch viel Druck vom nordischen Team. Die Wettkämpfe der ÖSV-Skispringer hatten nicht die erhofften Ergebnisse gebracht, der Druck nahm mit jeder verpassten Medaillenchance zu.

Der zweite Platz von Johannes Lamparter und Rang vier von Stefan Rettenegger sollten dem gesamten österreichischen Team im Fleimstal Rückenwind verleihen. „Das war ein Wahnsinnsstart für unsere Mannschaft“, sagte denn auch Cheftrainer Christoph Bieler. „Und der Jo hat sich selbst am meisten überrascht.“

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