Auf den Spuren von Toni Sailer: Von Allmen holt historisches Gold

Der Schweizer Franjo von Allmen gewann nach Kombi und Abfahrt auch den Super-G und schrieb Skigeschichte. Haaser wurde als 5. bester Österreicher.
Franjo von Allmen mit seiner 3. Goldmedaille

Irgendwann wurde  Franjo von Allmen dann alles zu viel. So leichtfüßig und souverän er im Super-G über die Stelvio gekurvt war, so schwerfällig und abgekämpft stapfte der Schweizer durch  den Zielraum.  Zum dritten Mal innerhalb von 96 Stunden wurde der  Olympia-Neuling  herumgereicht von Mikrofon zu Mikrofon und sollte dabei ausführlich erklären, was nur sehr schwer zu erklären ist.

Dass  nämlich Franjo von Allmen, der gelernte Zimmermann  aus Boltigen im Kanton Bern,   fortan in einem Atemzug mit  den Skilegenden Toni Sailer (1956 in Cortina) und Jean-Claude Killy (1968 in Grenoble) genannt werden muss: Nur dem Blitz aus Kitz’ und dem Franzosen King Killy war es zuvor gelungen, von Olympischen Winterspielen mit drei  Ski-Goldmedaillen abzureisen.

Haaser wurde Fünfter

Haaser wurde Fünfter

Mister Großereignis

Dem dreifachen Olympiasieger Franjo von Allmen war die skihistorische Dimension seiner Erfolge in Bormio gar nicht bewusst. „Jetzt habe ich wieder etwas gelernt“, sagte der 24-Jährige nach seiner Triumphfahrt  im Super-G zum dritten Gold im dritten Rennen. „Ich muss das alles erst einmal sacken lassen.“

Es ist wahrscheinlich auch diese Mischung aus Wurschtigkeit und Nervenstärke, die Von Allmen zu dem machen, der er gerade ist: Der Allergrößte bei Großereignissen. Bei seiner ersten Weltmeisterschaft vor einem Jahr in Saalbach-Hinterglemm hatte der unbekümmerte Debütant in der Abfahrt und in der Team-Kombi triumphiert, bei seinen ersten Winterspielen gelang ihm nun der goldene Hattrick in Abfahrt, Team-Kombi (mit Tanguy Nef) und im Super-G. „Im Super-G hätte ich nie und nimmer mit dem Sieg gerechnet.“

Paris verlor den Ski

Paris verlor den Ski

Tatsächlich war der Jubel ziemlich verhalten ausgefallen, als Von Allmen im Super-G mit Bestzeit über die Ziellinie raste.  Einerseits weil  der 24-Jährige nach all den bisherigen  Aufregungen bei diesen Spielen in Bormio bereits „verdammt müde“ war, andererseits weil sich seine Fahrt  nicht wie ein Siegeslauf angefühlt hatte.  „Ich hätte mir nie gedacht, dass diese Leistung für das Podest reichen würde, ganz zu schweigen für Gold.“

Liebling der Massen

Franjo von Allmen hat die Skiwelt auf den Kopf gestellt,  seit er im März 2023 im Weltcup aufgeschlagen ist. Der Bulle mit der Abfahrerfigur (102 Kilogramm) kam praktisch aus dem Nichts und ließ auf seinem  steilen Weg nach oben die Vorstufe Europacup links liegen.

Nicht einmal drei Jahre später stiehlt Franjo von Allmen mittlerweile regelmäßig  Superstar Marco Odermatt die Show. Der vierfache Gesamtweltcupsieger musste zum wiederholten Male bei einem Großereignis seinem Teamkollegen den Vortritt lassen und  musste sich als Topfavorit mit der Bronzemedaille begnügen.

Franjo von Allmen läuft Marco Odermatt nicht nur sportlich  den Rang ab, der hemdsärmelige Serienolympiasieger mit dem Dauergrinser liegt mittlerweile  auch in der Gunst der Schweizer Skifans vorne. „Im Moment kommt mir das alles wie im Traum vor“, sagte Von Allmen  im Ziel, „es wird dauern, bis ich checke, was hier bei Olympia passiert ist.“ 

ÖSV-Läufer enttäuschten

Die ÖSV-Starter enttäuschten wie schon in der Abfahrt: Raphael Haaser war als Fünfter mit 1:25,89 bester Österreicher, Vincent Kriechmayr hatte 0,78 Sekunden Rückstand,  bei Marco Schwarz  waren es 1,36 und bei Stefan Babinsky 1,72 Sekunden. "Die Fahrt war grundsätzlich von oben bis unten viel zu brav", analysierte Haaser. "Ab und zu waren auch unsaubere Kurven dabei, wo ich wirklich gemerkt habe, dass es mir das Tempo runterreißt."

Kriechmayr haderte mit seiner Leistung. "Ich bin viel zu ehrgeizig, dass mich das nicht voll anzipft."

Enttäuscht wird auch Italiens Hoffnung Giovanni Franzoni sein, der mit 1:25,95 Rang 6 belegte.

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