Polster und Herzog: "Da braucht man sich doch nicht in die Gosch’n hauen"
Buch maxi: Polster und Herzog präsentieren stolz ihr Werk.
Ein lockerer Plausch im legendären Café Museum mit zwei Legenden. Toni Polster und Andreas Herzog sprechen über ihr soeben erschienenes Buch „Wir lachen bis heute“, über ihre Freundschaft und ihre Leben.
KURIER: Der Buchtitel heißt „Wir lachen bis heute“. Was machen Sie dann eigentlich ab morgen?
Andreas Herzog: Weiter lachen wahrscheinlich. Wir sehen uns derzeit ja oft.
Toni Polster: Wir wollten in dem Buch die Fettnäpfchen vom Andi aufzeigen. Das Buch hätte noch dicker werden können.
Warum wollten Sie alles niederschreiben?
Polster: Das hat sich so ergeben. Wir haben immer wieder mal darüber gesprochen. Und irgendwann haben wir begonnen. Es ist nicht einfach, mit einem Menschen zu arbeiten, der dauernd Hunger hat. Aber wenn er mal runtergeschluckt hat, ist schon viel Produktives heraus gekommen.
Wann hat Ihre Freundschaft begonnen? Im Nationalteam?
Herzog: Der Toni war eine Art Vorbild für mich jungen Spieler, weil er schon in Italien und Spanien gespielt hat. Dann bin ich nach Deutschland gegangen, wohin mich der Toni dann verfolgt hat. Seitdem haben wir ein enges Verhältnis und eine sehr gute Freundschaft.
Polster: Ich habe mich immer gefreut, wenn ich ihn gesehen habe. Auch wenn er sich auf dem Platz versteckt und mich nicht gegrüßt hat.
Herzog: Otto Rehhagel hat es nicht gefallen, wenn wir vor dem Spiel miteinander gesprochen haben. So gut habe ich beim Aufwärmen nicht aufpassen können, dass mir der Toni nicht von hinten auf den Rücken gesprungen ist: „Herzerl, mei schena Bua!“
Was macht für Sie eine gute Freundschaft aus?
Polster: Wenn man sich auf wen verlassen kann, nicht jedes Wort überlegen muss. Wenn man Schmäh führen kann, ohne dass der andere gleich beleidigt ist.
Herzog: Der wichtigste Punkt ist, dass ich den Toni oft genug gefunden und angespielt habe.
Haben Sie immer gewusst, wo er steht?
Herzog: Steht! Nicht sich bewegt. Ich habe mit vielen Stürmern zusammen gespielt. Wenn ich den Ball in den Strafraum gespielt habe, war ich dann schon glücklich, dass der Toni dort gestanden ist. Es war zu 80 oder 90 Prozent ein Tor.
Sport Talk mit Toni Polster und Andreas Herzog
Was verbindet Sie?
Polster: Wir haben Fußball-Geschichte geschrieben. Mich stört ein bisserl, dass beim 1:0 gegen Schweden alle vom Andi reden. Dabei habe ich ihm das Tor aufgelegt.
Herzog: Du hast mir im Mittelkreis den Ball gegeben! Mit einem Querpass! Der einzige Assist deiner Karriere.
Man verbindet mit Ihnen gewisse Spiele wie DDR und Schweden.
Polster: Das ist auch Glück und Zufall.
Herzog: Bei mir waren es zwei gegen Schweden, beim Toni war es Glück.
Machen solche Spiele eine Karriere dann rund?
Polster: Ich habe von 95 Länderspielen nur fünf schlechte gemacht. Der Andi von 103 drei gute. Da sind dann solche Spiele wichtig für ihn, klar.
Ihnen ist die Familie besonders wichtig. Mamakind oder Papakind?
Polster: Ich war ein Mamakind. Durch den Fußball war ich dann mehr mit dem Papa verbunden. Aber von der Mama habe ich trotz ihrer Strenge mehr gelernt. Sie hat mir den Weg durchs Leben gezeigt, ich bin ihn mitgegangen. Einmal wurde ich gefoult, da ist die Mama aufs Feld gelaufen. Danach habe ich zum Papa gesagt: Wir können sie nicht mehr mitnehmen.
Herzog: Ich habe ja sogar noch im Nationalteam den Spitznamen Muttersöhnchen gehabt. Ich hatte halt ein tolles Verhältnis zu meinen Eltern.
Mir wäre nie in den Sinn gekommen, einem Rapidler eine Watsch’n runterzuhauen.
Toni Polster, edle Fußball-Legende
Wie war damals die Rivalität zwischen Rapid und Austria? Anders als heute?
Polster: Warum soll man als Austrianer Rapid hassen? Das kommt in meinem Wortschatz nicht vor. Derby war Derby, das wollte man gewinnen. Aber danach sind wir in der Stadt zusammen gesessen, der Kienast Reini, der Willfurth oder der Brauneder Karli, der Lainer Leo und die Austrianer.
Herzog: Ein Derby ist etwas Besonderes. Wir haben nie gegeneinander gespielt in einem Derby.
Polster: Ich verstehe nicht, warum die Fans da aufeinander losgehen. Die sollen ihre Mannschaft anfeuern und aus. Von der Rivalität und den schönen Spielen lebt der Fußball. Da braucht man sich doch nicht dauernd in die Gosch’n hauen. Das ist ja Banane. Mir wäre nie in den Sinn gekommen, einem Rapidler eine Watsch’n runterzuhauen. Also bitte, hört’s auf damit. Ich bin ein Austrianer, habe aber nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich Rapid schätze. Der Verein ist ja eine Nummer im Fußball, genauso wie die Austria.
Herzog: Es war eine andere Zeit. Bei einem Derby sind sieben, acht Nationalspieler auf dem Platz gestanden. Die haben einander schon länger gekannt. Die hatten eine ganz andere Verbindung, als wenn ein Legionär gegen einen Legionär spielt. Wir beide haben lange im Ausland gespielt, daher wird der Toni bei den Rapidlern für seine Leistungen anders geschätzt.
Österreich ist wieder bei der WM. Was darf man erwarten?
Herzog: Das Team hat Qualität und eine Reife, die Auslosung ist auch nicht so schlecht.
Polster: Ich traue ihnen alles zu. Minimalziel ist es, die Gruppe zu überstehen. Sie haben auch die Erfahrung von zwei Europameisterschaften.
Wir haben viel über die Vergangenheit und die Gegenwart gesprochen. Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Herzog: Dass unsere Knie halten und vielleicht sogar besser werden. Nein, ich möchte die Unabhängigkeit haben, das machen zu können, was mir Spaß macht. Gesundheit ist das Allerwichtigste.
Polster: Ich war ja als Spieler nie verletzt, bis auf einen Muskelfasereinriss.
Herzog: Den er sich bei einem Freistoß zugezogen hat, weil er in den Boden gehaut hat!
Polster: Jetzt hat es mich gesundheitlich ein bissl, das möchte ich in den Griff bekommen. Einen Marathon möchte ich ohnehin nicht mehr laufen. Das Knie muss ich sanieren lassen, die Schulter war kaputt, den Daumen habe ich mir gebrochen.
Herzog: Jetzt kann ich es ja verraten: Das ist beim Buchschreiben passiert.
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