ÖSV-Coach Evers über Abfahrtskrise: "Schwieriger, als ich gedacht habe"

Evers (re.) über Kriechmayr und Schwarz
Während die Österreicher im Super-G zu den Mitfavoriten zählen, herrscht in der Abfahrt die große Flaute. ÖSV-Speedcoach Andreas Evers analysiert die Lage.

Zwei Saisonsiege, sieben Stockerlplätze in sechs Rennen, die Ränge 2 (Vincent Kriechmayr), 3 (Stefan Babinsky) und 4 (Raphael Haaser) im Weltcup – der Super-G ist die eigentliche Königsdisziplin der österreichischen Abfahrer. Der ÖSV schickt heute vier Läufer ins Olympia-Rennen (11.30 Uhr, live ORF 1), die in diesem Winter allesamt bereits auf dem Podium waren.

"Vielleicht war der Abfahrtssport nicht so wichtig"

Dem gegenüber steht die ernüchternde Bilanz in der Abfahrt. Gerade einmal zwei ÖSV-Läufer finden sich im Abfahrtsweltcup unter den Top 25. Der Österreichische Skiverband bezahlt nun die Zeche für die Fehlentwicklungen und -einschätzungen in der Vergangenheit.

„Vielleicht war in den letzten zehn Jahren der Abfahrtssport im Skiverband nicht so wichtig“, sagt Vincent Kriechmayr, „dass dann die Speedfahrer nicht herausschießen wie die Schwammerl, ist auch klar.“

Entwicklungshelfer

Andreas Evers wurde im vergangenen Frühjahr engagiert, um die ÖSV-Abfahrer endlich wieder zurück in die Erfolgsspur zu bringen und Siege einzufahren. Der langjährige Coach von Hermann Maier zeigte sich nach den ersten Monaten im Amt ernüchtert. „Es ist schwieriger, als ich gedacht habe“, gab Evers dieser Tage in Bormio zu. „Ich hätte schon gehofft, dass wir näher dran sind.“ Sein vernichtendes Urteil über den Abwärtstrend in der Abfahrt: „Da sind einige Dinge nicht ganz optimal gelaufen.“

Andreas Evers über. . .

... die österreichische Misere in der Abfahrt: Das Jammern und Raunzen nützt nichts. Wir müssen die Dinge konsequent angehen. In den letzten 10, 15 Jahren ist einiges vernachlässigt worden. Hinter Matthias Mayer und Vincent Kriechmayr war alles wurscht, das war ja bei Marcel Hirscher nicht anders. Da haben beim ÖSV einige diese Richtung vorgegeben.

... die Herausforderungen für den ÖSV: Die große Aufgabe ist, dass wir von hinten konsequent Leute an die Speeddisziplinen und speziell an die Abfahrt heranführen. Man erkennt jetzt, dass wieder in die richtige Richtung gearbeitet wird. Das muss man aber auch konsequent angehen.

... Vincent Kriechmayr: Er hätte den Speed, aber ihm fehlen ein bisschen der Flow und die Leichtigkeit. Dann kommt eine Verkrampftheit dazu, er will es erzwingen. Er zerdenkt es oft halt ein bisschen zu viel. Und das bremst, wenn du nicht ganz die Lockerheit hast.

... den Super-G am Mittwoch: Alle Läufer, die bei uns starten, waren in dieser Saison schon am Podium, dann muss natürlich eine Medaille das große Ziel sein. Wir tun uns generell im Super-G leichter als in der Abfahrt, weil es da Kurve auf Kurve geht. Das können wir. Aber auch in der Abfahrt bin ich optimistisch. Raphael Haaser wird auf Sicht einen ordentlichen Schritt machen. Dann rechne ich schon stark mit Marco Schwarz. Und mit Stefan Eichberger haben wir jemanden mit einem richtig guten Grundspeed.

... Abfahrts-Olympiasieger Franjo von Allmen: Er hat das, was man Grundspeed nennt, und spielt unglaublich mit dem Gelände. Diese Fähigkeiten hat er sich von klein auf angeeignet. Es ist ja fast schon provozierend für die anderen. Von Allmen setzt auch Marco Odermatt unter Druck.

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