Davis-Cup-Kapitän mit Weitblick: Keine populären, aber sinnvolle Entscheidungen
Kapitän Jürgen Melzer, Matchwinner Jurij Rodionov (links)
„Warum spielt der, warum der nicht? Wie kann er den austauschen? Der geflügelte, eigentlich grenzdebile Satz, „Österreich hat 9,2 Millionen Teamchefs“ schwebt seit jeher über den Fußball. Und der einzige Herr über diverse Personalentscheidungen muss sich vor und nach wichtigen Wettkämpfen zu oft rechtfertigen.
Jürgen Melzer ist davon nicht befreit. Der Kapitän des "KURIER Austria Davis Cup Teams", also der Herr über die beste Tennis-Auswahl des Landes, bewies in den jüngsten zwölf Monaten ein gutes Händchen. Weil er populäre Entscheidungen ablehnt, weil er lieber mit Weitblick handelt. Wie beim 3:2-Sieg in Japan. So verwehrte er mit Filip Misolic ausgerechnet Österreichs einzigem Top-100-Spieler ein Ticket für Tokio.
Die Wäsche passt
Und er ließ mit Sebastian Ofner am zweiten Tag auch die Nummer zwei draußen, schickte mit Lukas Neumayer und Jurij Rodionov zwei Männer ins Rennen, die zwar auf der Tour Aufholbedarf haben, für die die rot-weiß-rote Wäsch’ aber maßgeschneidert ist. Auch beim Sieg in Debrecen, der Österreich in die Top 8 geführt hatte, gab er den beiden eine Chance.
Melzer kennt seine Jungs, hält sie mit feinen Spielchen auch abseits der Ernsthaftigkeit immer bei Laune. Weil der Rekordspieler seit 1999 dem Team angehört und weil er weiß, dass der Zusammenhalt auch in einer Einzelsportart eine große Bedeutung hat. Das war nicht immer so in Österreich. Keiner weiß dies besser als er.
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