Chukwuemeka für den ÖFB? Warum das auch gefährlich ist
Carney Chukwuemeka
Der Fall Carney Chukwuemeka ist für den ÖFB sportlich reizvoll und menschlich brisant. Der 22-Jährige hat offenbar das Potenzial dazu, eine tragende Säule im österreichischen Nationalteam in den nächsten zehn Jahren zu werden. Ein Geschenk des Himmels im Idealfall. Aber muss man es – jetzt – annehmen?
Es drängt sich eine vielleicht sogar explosive Frage auf: Was macht das mit einer Mannschaft, die bei jeder Gelegenheit ihren außergewöhnlichen Teamgeist betont, die über Jahre gewachsen ist und sich ihren Erfolg über Zusammenhalt, Loyalität und gemeinsame Leidensfähigkeit erarbeitet hat? Dieses Team ist eines für Fußball-Romantiker. Es hat sich diese WM-Teilnahme gemeinsam erkämpft, hat dabei Rückschläge weggesteckt, Hierarchien entwickelt und Vertrauen aufgebaut. Wenn jetzt aber einer zur WM fährt, der diesen steinigen Weg nicht mitgegangen ist, muss zwangsläufig ein anderer daheimbleiben. Vielleicht sogar zwei, sollte sich der in Dornbirn geborene Deutsch-Österreicher Paul Wanner von PSV Eindhoven auch noch für den ÖFB entscheiden.
Plötzlich attraktiv
Für Ralf Rangnick ist das mehr als eine sportliche Entscheidung. Sie ist emotional und zutiefst menschlich. Hinzu kommt die Wahrnehmung, dass Chukwuemeka vor zwei Jahren offenbar nicht wollte. Nach geschaffter WM-Qualifikation ist Österreich aber plötzlich attraktiv. Das ist im globalisierten Fußball legitim. Aber in einer Kabine, in der Identifikation ein Dauerthema ist, kann so ein Timing gefährlich sein. Ralf Rangnick wird entscheiden müssen: Maximale Qualität oder maximale Geschlossenheit? Idealerweise ergänzt sich beides. Und bisher hatte der Teamchef ja kein schlechtes Händchen.
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