Die Straßen der bosnischen Hauptstadt Sarajevo waren gestern Abend blockiert – nichts ging mehr vorwärts, die Nation stand still. Fast still, denn Zehntausende Menschen tanzten, jubelten und feierten das Ticket für die Weltmeisterschaft 2026.
Nahezu im Chor sangen die Fans das Lied "U.S.A." der Band Dubioza Kolektiv: "I am from Bosnia, take me to America." Ein Video, das offenbar von einem Balkon aufgenommen wurde, verzeichnete auf Instagram mehr als 156.000 Likes.
Die Euphorie war auch heute spürbar: In zahlreichen Schulen Sarajevos läuteten nicht die Glocken, stattdessen erklangen Songs von Dino Merlin ("Bosnom behar probeharao") und Halid Bešlić ("Ljiljani"). Bešlić, der als eine Art Nationalheld galt, verstarb im vergangenen Herbst und löste eine Trauerwelle am Balkan aus.
"Empfinde Stolz und Liebe"
Der Sportdirektor der bosnisch-herzegowinischen Fußballnationalmannschaft, Emir Spahić, zeigte sich nach dem 4:1 im Elfmeterschießen gegen Italien sprachlos. "Ich empfinde Stolz und Liebe. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, ich muss erst wieder zu mir kommen", sagte Spahić gegenüber bosnischen Medien.
Von Emotionen ergriffen war auch Sportkommentator Anel Džanković vom Sender BHT 1. Er rief die Bürger Bosnien und Herzegowinas dazu auf, auf die Straßen zu gehen, zu weinen und zu singen. Džanković stimmte am Ende der Sendung selbst ein bekanntes bosnisches Lied an – und wurde damit zum viralen Hit.
Gegen drei Uhr früh wurde das Nationalteam bei der "Ewigen Flamme", einem Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs im Zentrum Sarajevos, von jubelnden Fans empfangen. Dort feierte die Mannschaft rund eine halbe Stunde gemeinsam mit den Anhängern. Anschließend zogen Bosniens "Diamant" Edin Džeko und seine Teamkollegen weiter in ein Lokal, wo Džeko den Kultsong "Grbavica" von Mladen Vojičić Tifa anstimmte.
Džeko begann seine Karriere beim Verein FK Željezničar Sarajevo, dessen Stadion im Sarajevoer Stadtteil Grbavica liegt.
Bosnien und Herzegowina hat bislang nur einmal an einer Fußball-Weltmeisterschaft teilgenommen – bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014.