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10.

Juni

2017

Zur Sperrstund noch ein bissl Dylan

Soweit ich mich erinnern kann, habe ich in elf Jahren keine einzige Kolumne vergessen. Zwei oder drei von knapp 2000 Kolumnen habe ich zu spät abgegeben, aber nicht mehr, glaube ich. Bei der zweitletzten ist es mir passiert: Das Pfingst-Wochenende ließ mich glauben, es sei erst Dienstag, nicht schon Mittwoch, und als ich am Nachmittag in Frankfurt aus einem Flugzeug stieg, hatte ich viele verpasste Anrufe auf meinem Handy. Ich hatte die KURIER-Kolumne vergessen, zum ersten Mal. Meine …

03.

Juni

2017

Zementiert in Stahlbeton-Fundamenten

Wie labil vermeintlich sichere Abmachungen, wie launisch gesellschaftliche Konsense sein können, zeigt uns Donald Trump täglich. Nichts ist sicher, auf nichts kann man sich verlassen, wenn plötzlich einer wie Trump regiert. Und niemand kann versprechen, dass nicht auch in Österreich jemand Vergleichbarer an den Macht kommt, der dann die Rechte der Frauen beschneidet, wie es ihm gerade in den Sinn kommt: Vielleicht passt ihm die Fristenlösung nicht. Oder das Gesetz, das Frauen jetzt viel besser …

01.

Juni

2017

Knallig wie mit drei Instagram-Filtern

Sommer. Mango-Eis. Bei weit offenem Fenster schlafen. Der Sound der Ballkäfige. Das Kongressbad. Das Buffet vom Kongressbad. Freibäder überhaupt. Und kalte, grüne Seen. Süße Pfirsiche, ihr Saft, der einem über die Hände tropft. Marillen. Paradeiser, die wie Paradeiser schmecken: süß und dicht mit Aromen. Caprese! Und noch mehr Caprese, das wunderbarste und schönste Sommeressen; Italien auf dem Teller. Und Salate überhaupt. Und zum Nachtisch Heiße Liebe; oder kaltes griechisches Jogurt mit den …

18.

Mai

2017

Statt Regenbogen das kurze Schwarze

Aus gegebenem Anlass: ein paar Auszüge aus der Rede, die Christian Kern, als erster Bundeskanzler, am 18. Juni 2016 bei der Regenbogenparade hielt: "Mein Name ist Christian Kern und ich bin hier, um mit euch für Toleranz und Vielfalt einzutreten." "Ja, ich bin der Bundeskanzler und ich bin auf der Regenbogenparade, aber na und? Ja, mein Gott: Es ist 2016. Und die Zeit dafür, die war längst reif, die war überreif." "Und natürlich ist eine Gesellschaft und eine Wirtschaft nur dann stark, wenn …

11.

Mai

2017

Tja, das sind nun mal die AGB

Eine Kollegin, erfolgreiche TV-Journalistin und Moderatorin, war bei einer TV-Gala für einen Preis nominiert. Sie hatte ein Kleid, aber noch keine Tasche dazu. Der Kollegin geht’s wie mir: Sie kauft das meiste online, Job, Kinder, Arbeit lassen ihr zum Shopping einfach keine Zeit. Sie hat, wie ich, ein schlechtes Gewissen deswegen, sie weiß ja, "dass das nicht gut ist für die Stadt und die Geschäfte". Also beschloss sie, die Tasche in der Stadt "in einem echten Geschäft" zu kaufen und landete,…

09.

Mai

2017

Wie man es richtig macht

Am Donnerstag hab ich nach der Lesung noch im Habibi & Hawara vorbeigeschaut. Lag erstens eh fast am Heimweg, zweitens hatte das Restaurant in der Wipplingerstraße Geburtstag: Genau vor einem Jahr hat es aufgesperrt. Drittens wurde der Schanigarten vor dem Lokal eröffnet, bei leichtem Nieselregen, was die vielen Hawara vom Habibi aber nicht am Feiern hinderte. Über das Habibi & Hawara ist schon viel geschrieben worden, aber so ein Geburtstag gehört gehörig zelebriert. Und man kann …

29.

April

2017

Wir sind noch lange nicht dort

Okay, es gibt wieder ein Frauenvolksbegehren: Frauenvolksbegehren neu, oder: Frauenvolksbegehren 2.0, denn genau vor 20 Jahren, im Jahr 1997, wurde schon einmal eins gestartet. 644.665 Österreicherinnen und Österreicher unterschrieben damals, 11 Prozent der Bevölkerung. Da kann man einerseits sagen: Das war ein Erfolg. Andererseits: Wenn man zwanzig Jahre später wieder eins machen muss, sagt das nicht viel Gutes über das Instrument Volksbegehren bzw. über seine Effektivität im Allgemeinen und …

27.

April

2017

Das sollte keinen Erfolg haben

Als Armin Wolf vor ein paar Jahren anfing, jeden einzelnen Journalistenpreis abzuräumen und die Beliebtheitsrankings zu dominieren – ich gebe zu, da dachte ich manchmal: Oida! Muss man wirklich so ein Gewese daraus machen, dass der Mann seinen Job ordentlich macht? Dass er genau das tut, was man von einem guten Journalisten und TV-Moderator erwarten darf: sachliche, klare Interviews führen, gut vorbereitet sein, unerbittlich nachfragen, wenn’s nötig ist. Jetzt zeigt sich, dass jeder Preis für …

22.

April

2017

Neues von der Schlegädewe

Gestern hat eine Leserin gefragt, wann denn endlich meine Paradeiser-Saison losgehe. So wie es draußen aussieht, noch länger nicht. Was der Spätfrost in der Landwirtschaft angerichtet hat, ist noch gar nicht absehbar, aber es dürfte dramatisch sein. Ernsthaft, bedrohlich dramatisch. Nicht so wie die kleinen Gärtner-Dramen, die sich in meiner Facebook-Timeline abspielen, die augenblicklich von jammernden, klagenden Balkon- und Schreber-Gärtnern dominiert wird, die mit Folien und Eimern, mit …

01.

April

2017

So war das nicht gemeint

Diese Geschichte mit der Amerikanerin, die Donald Trump wählte und nun wird ihr Mann nach Mexiko abgeschoben, hat mich irgendwie berührt. Die Frau ist mit einem Mexikaner verheiratetet, der 1998 nach Amerika reiste, um eine Tante zu besuchte, und dann nicht mehr nach Hause fuhr. Vielleicht hatte er nie vor, nach Mexiko zurückzukehren, egal, jedenfalls blieb er, lernte eine Amerikanerin kennen, heiratete sie, die beiden gründeten eine Familie, bekamen drei Kinder. Der Mann meldete sich jedes …

30.

März

2017

Frauen im Luxus-Rausch

Was ist Luxus? Auf Wikipedia wird "Luxus" mit "Verhaltensweisen, Aufwendungen oder Ausstattungen" erklärt, "welche über das in einer Gesellschaft als notwendig oder sinnvoll erachtete Maß hinausgehen". Luxus fasse "Phänomene zusammen, deren Preis für ihren Erwerb hoch" sei, weshalb "Luxusgüter meist nur auf der Grundlage einer entsprechenden Ausstattung mit Macht oder Reichtum zu erwerben" seien. Im Prinzip also Dinge, die nicht unbedingt notwendig sind. Weshalb in vielen Ländern darauf eine "…

23.

März

2017

Kultur, die lebt, atmet und vibriert

Es ist wieder Buchmesse, diesmal: Leipzig. Und, Überraschung: Trotz Internet kaufen die Leute immer noch Bücher. Plus: Es gibt nach wie vor Menschen, die freiwillig und gern Bücher verkaufen, Gottlob. Kulturminister Drozda hat mit dem neuen Österreichischen Buchhandlungspreis ein gutes Signal gesetzt: er zeichnet BuchhändlerInnen aus, die ihre Arbeit besonders engagiert und innovativ machen. Wer immer wieder in einer Buchhandlung kauft, wer erlebt, mit welcher Leidenschaft Buchhändlerinnen …

16.

März

2017

With a little Help von der Lady in Red

Ich hatte eine Lesung in Hamburg. Ich buchte bei der Austrian einen Flug. Am Abend vor dem Abflug versuchte ich, mich online einzuzuchecken, und wurde informiert, dass das aus technischen Gründen nicht möglich sei, ich solle mich vor dem Abflug an einen Schalter wenden. Ich druckte die Flugbuchung aus – der Flug wurde von Germanwings durchgeführt – und fuhr noch früher als üblich zum Flughafen (und ich bin eine notorische Zufrühkommerin), man weiß ja nie. Der Flug ging um 9.05 Uhr, es war 7.35…

08.

März

2017

Mehr Feministen braucht das Land

Zum ersten Mal seit ewig habe ich heuer das Gefühl, dass der Frauentag keine singuläre, isolierte Veranstaltung ist. Keine Alibi-Institution zur Beruhigung der Frauen, nach dem dann eh wieder so weitergemacht wird wie immer. Leider aus beunruhigenden Gründen: Die letzten Monate verunsicherten viele Frauen. Es zeigte sich, wie instabil und keineswegs fix einbetoniert viele unserer Errungenschaften sind, wie bedroht unsere Rechte, wie fragil die Gleichberechtigung als solche. Trumps Kabinett …

04.

März

2017

Leicht angezipft, ein Tick Verzweiflung

Tagesordnung heute: Lob der neuen Jahreszeit. Intensives Preisen, Frohlocken, Absingen vielstimmiger Hosiannas. Hosianna, der Frühling ist da. Zumindest winkt er schon mal fröhlich aus dem Winter heraus. Natürlich kann an dieser Stelle monieren: Ma bitte!, fad, das Ereignis findet doch zuverlässig jedes Jahr statt. (Das "Ma" muss man so intonieren wie es Josef Hader tut, auch in seinem famosen Film "Wilde Maus": leicht angezipft, mit einem Tick Verzweiflung). Aber der Tag, an dem nach dieser …

23.

Februar

2017

So oder so ist der Reis am Ende weich

Melde mich zurück aus dem Urlaub. Unter anderem war ich, anders als fast dreißig Jahre davor, heuer wieder Ski fahren, und es war sehr schön, vielen Dank, liebe Sonne, herrliche Berge, freundliche Menschen und wunderbare Sessellifte mit Sitzheizung. Weil wir viele waren und selber kochten, stellte sich wieder einmal die große Reisfrage. Immerhin kam es, anders als 2008 in Kroatien, nicht zur Großen Reis-Krise, die weiland beinahe Freundschaften zerstört hätte. Dennoch möchte ich das Reis-…

28.

Jänner

2017

Das heißt normalerweise nichts Gutes

Mitte der Woche wurde Kollegin Patricia H. kurz vor halb drei Uhr früh von der Türklingel aus dem Schlaf gerissen. Das bedeutet meistens nichts Gutes, und Frau H., die allein mit ihrer neunjährigen Tochter lebt, schwante Unangenehmes, als sie durch den Spion drei Polizisten erkannte. Offenbar war bei ihrem Auto die Seitenscheibe eingeschlagen worden, den drei Polizisten, auf nächtlicher Streife, war die zerstörte Scheibe aufgefallen, sie hatten die Halterin des Wagens ermittelt und standen nun …

19.

Jänner

2017

Sieben Jahrhunderte, das ist schon was

Im August hat meine Mutter mit ihren Geschwistern einen gemeinsamen runden Geburtstag gefeiert: den 700. Mich hat das tief beeindruckt. Denn das muss man einmal sinken lassen: 700 Jahre!! Vor 700 Jahren schrieben wir das Jahr 1317: Die Menschheit befand sich im Spätmittelalter, auf der Welt lebten insgesamt ungefähr 350 Millionen Menschen, und jemand gründete Hochneukirchen-Gschaidt. Sieben Jahrhunderte, das ist schon was. Wie viele Geschwister das sein müssen, und wie alt die sind... Ich …

14.

Jänner

2017

Eine Frau, nachts, allein in einem Zug

Die Geschichte, die ich heute erzähle, hat mich wirklich bedrückt. Zuerst: Es geht nicht darum, eine Person an den Pranger zu stellen. Es geht um etwas Prinzipielles. Es geht darum, dass alles unternommen wird, dass so etwas nicht mehr passieren kann. In diesem Fall von den ÖBB, über die ich seit Längerem ausschließlich Positives berichtet habe, aber diesmal leider nicht. Marie E., 21 Jahre alt, fuhr kürzlich allein mit dem Abendzug nach Wien. Um 22 Uhr stieg in Salzburg eine Gruppe von zwölf …

12.

Jänner

2017

Wir wollen nicht, dass ihr raucht

Soll man Kindern bis zum 18. Lebensjahr das Rauchen verbieten, wie es ÖVP-Familienministerin Sophie Karmasin fordert? Dagegen spricht: Noch ein Verbot mehr in der Verbots-Gesellschaft. Noch ein Festhalten in der Unmündigkeit in einer Lebensphase, in der Jugendliche eigentlich zu selbstverantwortlichen Erwachsenen gedeihen sollten. Noch eine Vorschrift, die praktisch nicht sanktioniert werden kann, und vielleicht ein Anreiz zur juvenilen Rebellion gegen eine weitere Beschränkung der Freiheit, …

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