Meinung | Kolumnen | Knecht
29.04.2017

Wir sind noch lange nicht dort

Österreichs Frauen sind von Gleichberechtigung, von Gerechtigkeit weit entfernt.

Doris Knecht | über das Frauenvolksbegehren

Okay, es gibt wieder ein Frauenvolksbegehren: Frauenvolksbegehren neu, oder: Frauenvolksbegehren 2.0, denn genau vor 20 Jahren, im Jahr 1997, wurde schon einmal eins gestartet. 644.665 Österreicherinnen und Österreicher unterschrieben damals, 11 Prozent der Bevölkerung.

Da kann man einerseits sagen: Das war ein Erfolg. Andererseits: Wenn man zwanzig Jahre später wieder eins machen muss, sagt das nicht viel Gutes über das Instrument Volksbegehren bzw. über seine Effektivität im Allgemeinen und im Speziellen. Dass sich jetzt eine Gruppe von Frauen zusammengetan hat, um trotzdem noch einmal dieses Werkzeug einzusetzen, ist ein Zeichen, dass Frauen bereit sind, jedes Mittel zu ergreifen, damit sich etwas verändert.

Und ein neuerliches Volksbegehren ist auf alle Fälle ein starkes Signal, das sagt: Wir sind noch lange nicht dort, wo wir sein sollten. Österreichs Frauen sind von Gleichberechtigung, von Gerechtigkeit weit entfernt.

15 Forderungen haben die Proponnentinnen des Frauen*volksbegehren 2.0 ausformuliert, und als Frau kann man jede einzelne davon unterschreiben: Nr. 1: Frauen müssen gleichermaßen an politischen Entscheidungsprozessen beteiligt sein: Parteienförderung soll nach erreichter Quote ausbezahlt werden. Nr. 2: Eine 50-prozentige Frauenquote in den Leitungsgremien staatlicher und börsennotierter Unternehmen. Nr. 8: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: die Einkommensschere muss durch effiziente Maßnahmen geschlossen werden. Nr. 15. Ausbau der Gewaltschutzzentren und Frauenhäuser in ganz Österreich.

Vorerst geht es darum, die Sache zu unterstützen. Durch Verbreitung, durch Teilnahme und Mitarbeit, durch Spenden: 150.000 Euro wollen die Initiatorinnen mit Crowdfunding und auf anderen Wegen sammeln, mit denen Werbung und Kommunikation finanziert werden sollen. Denn ein genauer Zeitraum für die Eintragungswoche ist noch nicht festgelegt worden: die Proponentinnen wollen erst einen fixen Termin für die nächste Nationalratswahl abwarten, "um die gesamte kommende Legislaturperiode zur Umsetzung nutzen zu können".

www.frauenvolksbegehren.at Ich unterschreib.