Meinung | Kolumnen | Knecht
01.04.2017

So war das nicht gemeint

Die Frau sagt, sie habe Trump gewählt, weil sie Angst vor den mexikanischen Kartellen und ihren Mördern hat.

Doris Knecht | über eine enttäuschte Wählerin.

Diese Geschichte mit der Amerikanerin, die Donald Trump wählte und nun wird ihr Mann nach Mexiko abgeschoben, hat mich irgendwie berührt.

Die Frau ist mit einem Mexikaner verheiratetet, der 1998 nach Amerika reiste, um eine Tante zu besuchte, und dann nicht mehr nach Hause fuhr. Vielleicht hatte er nie vor, nach Mexiko zurückzukehren, egal, jedenfalls blieb er, lernte eine Amerikanerin kennen, heiratete sie, die beiden gründeten eine Familie, bekamen drei Kinder.

Der Mann meldete sich jedes Jahr bei der Behörde und hatte eine Arbeitsgenehmigung, mit der er all die Jahre in einem Restaurant arbeitet. Im Jänner hat er es gekauft. Das Restaurant läuft gut, die Familie ist glücklich, mittlerweile gibt es Enkelkinder.

Die Frau sagt, sie habe Trump gewählt, weil sie Angst vor den mexikanischen Kartellen und ihren Mördern hat, weil sie keine Drogen in den Highschools will. Sie wolle sich sicher fühlen, wenn sie aus dem Haus geht. Sie glaubte, dass Trump für diese Sicherheit sorgen kann, und sie glaubte ihm, dass die guten Leute, die braven illegalen Einwanderer im Land bleiben dürfen, dass sie nur kontrolliert würden.

Aber jetzt zeigt sich, dass Donald Trump nicht so sehr zwischen guten und bösen Menschen unterscheidet, sondern nur zwischen Amerikanern und Ausländern, zwischen Christen und Muslimen, beziehungsweise, dass er "gut" und "böse" ganz einfach Nationalitäten und Religionen zuordnet. So hat es die Frau, deren Mann jetzt in einem Abschiebezentrum auf seine Deportation wartet, nicht gemeint. Das wollte sie nicht.

Es ist eine Geschichte von sehr weit weg, trotzdem tut mir die Frau so leid, ihre ganze Familie. Das zeigt so augenscheinlich, wie das am Ende aussehen kann, wenn Menschen sich beim Wählen von Furcht leiten lassen und von falschen Versprechungen. Wenn sie beim Wählen nicht Argumenten und Fakten glauben, sondern schlechten Gefühlen folgen. Bei uns beginnt schon der nächste Wahlkampf, das nur am Rande.

Doris Knecht