über den Frauentag
03/08/2017

Mehr Feministen braucht das Land

von Doris Knecht

Was mir ein bisschen fehlt: die Unterstützung der Männer.

Doris Knecht | über den Frauentag

Zum ersten Mal seit ewig habe ich heuer das Gefühl, dass der Frauentag keine singuläre, isolierte Veranstaltung ist. Keine Alibi-Institution zur Beruhigung der Frauen, nach dem dann eh wieder so weitergemacht wird wie immer.

Leider aus beunruhigenden Gründen: Die letzten Monate verunsicherten viele Frauen. Es zeigte sich, wie instabil und keineswegs fix einbetoniert viele unserer Errungenschaften sind, wie bedroht unsere Rechte, wie fragil die Gleichberechtigung als solche. Trumps Kabinett zeigt uns jeden Tag, wie wichtig Quoten sind, besser noch: eine Verankerung der garantierten Mitsprache von Frauen in der Verfassung. Am Beispiel USA sieht man gerade, wie leicht man Frauen übergehen kann, regieren, verwalten, über sie bestimmen. Das alles macht vielen Frauen Angst, auch solchen, die sich bisher vom Feminismus eher distanziert haben: brauch ma ned, ist eh alles super, geht uns eh gut.

Jetzt sehen wir: Das kann sich auch ändern. Das ist nicht fix. Das erfüllt uns mit Sorge, nicht nur für uns, sondern auch für unser Töchter, für die Enkelinnen; für alle Frauen, besonders auch solche, die nicht in der Position sind, sich zu wehren.

Diese Sorge sollte ein Auftrag sein für uns Frauen, die wir eine Stimme haben und in einer Gesellschaft leben, in der unsere Stimme gehört wird. Nicht immer genug ernst genommen, aber gehört. Es besteht in dieser Gesellschaft zumindest ein offizieller Konsens darüber, was Frauen zusteht, und dass sie nicht mehr benachteiligt werden sollen. Junge Frauen wachsen immer mehr in der Gewissheit auf, dass ihnen alle Möglichkeiten offenstehen. Und viele – das macht Hoffnung – verstehen die Frage gar nicht mehr, ob sie für irgendwas geeignet seien, etwas können, etwas dürfen. Wie??

Was mir ein bisschen fehlt: die Unterstützung der Männer. Eine klare Haltung von Politikern und Unternehmern zu Frauenrechten. Ein Bekenntnis zu einer fairen Quote in Wirtschaft und Politik, zur gleichen Bezahlung von gleicher Arbeit. Mehr Feministen braucht das Land, ja.

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