Der erste Weltkrieg: Tag für Tag
07/07/2014

Der erste Weltkrieg: Tag für Tag

Auf den Tag genau vor 100 Jahren: Der Sommer 1914 im KURIER-Ticker.

28. Juni bis 28. Juli 1914 – ein Monat, in dem die Weichen für die Urkatastrophe des Jahrhunderts gestellt wurden. Der KURIER erinnert in seiner 31-teiligen Serien daran, was auf den Tag genau vor 100 Jahren geschah. Entdecken Sie mit uns jeden Tag ein Stück jener Geschichte, die Europa für immer veränderte.

Die große KURIER-Sonderausgabe zum ersten Weltkrieg finden Sie hier (Auch zum Download).

Der erste Weltkrieg: Tag für Tag

28. Juli

Der Tag, an dem Österreich-Ungarn Serbien den Krieg erklärte.

Am Morgen des 28. Juli 1914 unterschreibt Kaiser Franz Joseph in seinem Arbeitszimmer in der kaiserlichen Villa in Bad Ischl mit einem Federkiel die Kriegserklärung an Serbien. Noch herrscht in weiten Teilen der Bevölkerung Euphorie, doch sie schlägt rasch in Angst um: Es kommt zu Wucherpreisen und vor den Banken bilden sich Menschenschlangen, die ihr erspartes Geld abheben und in Sicherheit bringen wollen.

Was sonst noch für Gesprächsstoff sorgte an jenem 28. Juli hat Gabriele Kuhn für Sie zusammengefasst.

27. Juli

Der Tag, an dem angeblich die ersten Schüsse fallen.

Von Donaudampfern aus sollen serbische Truppen jene der österreichisch-ungarischen Monarchie beschossen haben. Ob dem tatsächlich so war, ist fraglich. Die Zeitungen schreiben jedenfalls vom „Beginn der Feindseligkeiten“, der Krieg mit Serbien sei „unvermeidlich“. Es wird ernst, und andere Themen werden mehr und mehr zu Randnotizen: Etwa, dass das Bogenschießen in den Seebädern „eine Renaissance erlebt“.

Was sonst noch für Gesprächsstoff sorgte an jenem 27. Juli hat Susanne Mauthner-Weber für Sie zusammengefasst.

26. Juli

Der Tag, an dem die Zeitungen den Krieg gegen Serbien als „unvermeidlich“ verkünden.

Alle rüsten sich für den Krieg. Aus Serbien meldet die Arbeiterzeitung: „Die Straßen sind mit Reservisten gefüllt, die zu ihren Regimenten einrücken.“ Die Neue Zeitung schreibt gar: „Die Belgrader Presse hat wieder ein wahrer Kriegsrausch erfasst. Auch in der Bevölkerung spricht man von nichts anderem als von dem kommenden Krieg gegen Österreich.“

Was sonst noch für Gesprächsstoff sorgte an jenem 26. Juli hat Laila Daneshmandi für Sie zusammengefasst.

25. Juli

Der Tag, an dem Wien die diplomatischen Beziehungen zu Serbien abbricht.

„Die Gefahr einer kriegerischen Verwicklung mit Serbien rückt in immer unheimlichere Nähe.“ So analysiert die Arbeiter-Zeitung an diesem 25. Juli und denkt, dass die Erhaltung des Friedens an einem dünnen Faden hängt. Recht hat sie: Um 18.30 Uhr verlassen Baron Wladimir Giesl und die österreichische Gesandtschaft Belgrad – und brechen somit die diplomatischen Beziehungen ab. Grund: Serbien erteilt eine „ungenügende Antwort auf die Note der österreichisch-ungarischen Regierung“, schreibt der Tiroler.

Was sonst noch für Gesprächsstoff sorgte an jenem 24. Juli hat Sandra Lumetsberger für Sie zusammengefasst.

24.Juli

Der Tag, an dem Österreich-Ungarn vor dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Serbien steht.

In den Restaurant geht es patriotisch zu. Musikkapellen spielen „Oh du mein Österreich“ und das „Prinz Eugen“-Lied. Das gestern ausgesprochene Ultimatum an Serbien beschäftigt alle. Das zeigt sich in „Diskussionen zu Hause und in öffentlichen Lokalen“, in denen „jedes andere Thema so gut wie vollständig ausgeschaltet“ gewesen sei, schreiben die Zeitungen: „Jeder Stammtisch (ist) ein kleines Parlament mit Kriegs- und Friedenspartei.“

as sonst noch für Gesprächsstoff sorgte an jenem 24. Juli hat Ingrid Teufl für Sie zusammen gefasst.

23. Juli

Der Tag, an dem Österreich-Ungarn der serbischen Regierung ein Ultimatum stellt.

In allen Zeitungen ist die „Note an Serbien“ das Thema Nummer eins: Österreich-Ungarn fordert, dass die serbische Regierung innerhalb von 48 Stunden alle ihre Forderungen erfüllt. Dazu gehört etwa, dass das Serbien einer Untersuchung des Attentats unter maßgeblicher Beteiligung von österreichischen und ungarischen Beamten zustimmt. Die meist regierungstreuen Zeitungen bejubeln dieses Ultimatum. Einzig die Arbeiterzeitung zeigt sich in ihrer Einschätzung dieses Ultimatums fast schon prophetisch.

Was sich an diesem Tag zugetragen hat, hat Ute Brühl für Sie zusammengefasst.

22. Juli

Der Tag, an dem die heimischen Zeitungen über den Kriegsbeginn spekulieren. Der Ton wird rauer. An vorderster Front kämpft das Armeeblatt: „Des Habsburgischen Reiches Schicksalsstunde“, so der Titel. Begründung: niemand könne verkennen, „dass der Klöppel bereits zum Schlage ausgeholt hat“. Einen möglichen Beginn der Kampfhandlungen offeriert die Militärwissenschaftliche Wochenzeitschrift: „spätestens im Frühjahr 1915“. Geradezu herbeigesehnt wird ein Anlass zur Kriegserklärung, „schon heute oder morgen“ könne der erste Schuss einer serbischen Kanone fallen, eine Verwicklung, die „wir in der k.u.k. Armee freilich nicht nur nicht scheuen, sondern als die ersehnte Erlösung von den fast unerträglichen Zuständen mit Jubel und Kampfesfreude begrüßen würden“.

Was sonst noch für Gesprächsstoff sorgte an jenem 21. Juli hat Martin Burger für Sie zusammen gefasst.

21. Juli

Der Tag, an dem der französische Präsident Raymond Poincaré in Kronstadt weiter mit dem russischen Zaren Nikolaus II. verhandelt, während in Wien die Grande Dame der Friedensbewegung stirbt. Die Stimmung im Land ist gespalten. Zum Beispiel kritisiert die Arbeiterzeitung, dass die Volksvertreter nicht mehr gefragt werden und eine friedliche Lösung immer noch möglich sei, aber längst nicht mehr ins Kalkül gezogen würde.

Was sonst noch für Gesprächsstoff sorgte an jenem 21. Juli hat Uwe Mauch für Sie zusammen gefasst.

20. Juli

Der Tag, an dem Frankreich und Russland einander gegenseitige Bündnistreue versicherten.

An Bord der „France“ trifft Präsident das französische Staatoberhaupt, Präsident Poincaré, in Kronstadt ein und wird wenig später von Kaiser Nikolaus überaus freundlich begrüßt. In Wien wird unterdessen ein Heiratsschwindler verhaftet, der einer Dame 80.000 Kronen entlockt haben soll.

Was sonst noch für Gesprächsstoff sorgte an jenem 20. Juli hat Laila Daneshmandi für Sie zusammen gefasst.

19. Juli

Der Tag, an dem der Ministerrat in einer geheimen Sitzung den Text des Ultimatums an Serbien genehmigt.

In einer Geheimsitzung legt der Ministerrat den Text des Ultimatums an Serbien fest – und den Tag der Übergabe, den 23. Juli. Für die Antwort wird Serbien eine Frist von 48 Stunden eingeräumt. Nimmt Serbien das Ultimatum nicht bedingungslos an, soll in der Nacht vom 25. auf den 26.7. mit der Mobilisierung der Truppen begonnen werden – auch das wird in der Sitzung einstimmig beschlossen. Die Lokalnachrichten dominiert ein „grauenhaftes Unglück“ in einem Salzburger Goldbergwerk.

Was sonst noch für Gesprächsstoff sorgte an jenem 19. Juli hat Ernst Mauritz für Sie zusammen gefasst.

18. Juli

Der Tag, an dem es kurzfristig so aussah, dass sich die Lage beruhigt.

Glaubt man den Medien, scheint die ganz große Kriegsgefahr gebannt: Was zwischen Serbien und Österreich-Ungarn wegen des Attentats und seinen Folgen ausgemacht werden wird, ist eine Angelegenheit, die Serbien und Österreich allein auszumachen haben. Der europäische Friede wird nicht gestört werden. “, heißt es in der Neuen Zeitung. Die Russen würden die Serben nicht unterstützen, so die Prognose. Für das gemeine Volk birgt aber auch der ganz normale Alltag Gefahren. Die neuen Techniken sind nicht nur ein Segen – es kommt auch zu teils kuriosen Unfällen mit Starkstromleitungen, Automobilen und Lokomotiven.

Was sonst noch für Gesprächsstoff sorgte an jenem 18. Juli hat Ute Brühl für Sie zusammen gefasst.

17. Juli

Der Tag, an dem sich die politische Lage zuspitzt.

In den Medien häufen sich Berichte, die einen Untergang der „alten Monarchie“ vorhersagen. Noch gibt es aber auch andere Themen, die die Leser sehr beschäftigen: Die steigende Zahl von Automobilen führt zu ersten Diebstählen derselben. Und das Hotel Astoria wirbt mit „modernstem Komfort“ – dazu zählte damals auch ein Telefon in jedem Zimmer.

Was sonst noch für Gesprächsstoff sorgte an jenem 17. Juli hat Hedwig Derka für Sie zusammen gefasst.

16. Juli

Der Tag, an dem die Sozialisten in Paris zum internationalen Generalstreik aufrufen, um einen Krieg zu verhindern.

Jean Jaurès, Präsident der Sozialistischen Partei Frankreichs hat eine Resolution ausgearbeitet und ruft die Arbeiter zum Streik auf. Unterdessen ist in Österreich die PR-Maschinerie für das neue Thronfolgerpaar angelaufen: Über Karl und Zita erscheinen Berichte aus der Kindheit und Fotos.

Was sonst noch für Gesprächsstoff sorgte an jenem 16. Juli hat Sandra Lumetsberger für Sie zusammen gefasst.

15. Juli 1914

Der Tag, an dem man die Beziehungen zu Serbien diskutiert

Der ungarische Ministerpräsident István Tisza wird mit den Worten zitiert: „Die Beziehungen zu Serbien sind jedenfalls zu klären.“ Was das jetzt heißen soll, darüber wird in den Medien heftig diskutiert. Stehen zwischen den Zeilen die Zeichen auf Krieg oder auf Frieden? Sicher ist: Jeder liest aus dem Satz, was er will: Kriegsbefürworter glauben, dass sich der Ungar für den Krieg ausspricht, die Gegner, meist Sozialisten, hoffen auf Frieden.

Das Volk muss jedenfalls jetzt schon den Gürtel enger schnallen: Die Lebensmittelproduzenten werben mit billigen Produkten wie Margarine und Brot.

Die Ereignisse jenes 15. Juli hat Ingrid Teufl für Sie zusammengefasst.

14. Juli

Der Tag, an dem ein Mord Gesprächsthema Nummer eins war.

Im k.u.k. Ministerrat haben die Kriegsbefürworter eine wichtige Hürde genommen Istvàn Tisza, ungarischer Ministerpräsident, stimmt zu, dass Serbien ein Ultimatum gestellt wird. Indes spricht ganz Wien über einen grausamen Mord: Der Rumpf einer Frau wurde in der Donau gefunden. Der Täter ist bald gefunden. Und auch der Rest der Leiche.

Was sonst noch für Gesprächsstoff sorgte an jenem 14. Juli hat Ute Brühl für Sie zusammengefasst.

13. Juli

Der Tag, an dem Österreicher und Ungarn Belgrad „fluchtartig“ verlassen.

Lange hat der k.u.k. Gesandte in Belgrad, Baron Wladimir Giesl, versucht, die Gemüter zu beruhigen. Doch es nutzte alles nichts: Fluchtartig verlassen alle Österreicher und Ungarn Belgrad. Auch Giesl selbst, der Großdemonstrationen und Anschläge befürchtet.

In Wien geht unterdessen das Leben weiter: Ein Bäckergeselle wird angeklagt, weil der im Alkoholrausch einen Kaffeehausbetreiber niedergestreckt hat. Und ganz Unerschrockene schwimmen im 12 Grad kalten Donaukanal um die Wette.

Was sonst noch für Gesprächsstoff sorgte an jenem 13. Juli hat Martin Burger für Sie zusammengefasst.

12. Juli 1914

Der Tag, an dem in Wien und in Berlin weitere Schritte in Richtung Krieg gemacht werden und der Kaiser den Serben ein Ultimatum stellen wollte.

Währenddessen geht in der Monarchie das Leben seinen gewohnten Gang. Der deutsche Violinenvirtuose August Duesberg erfährt an diesem Tag, dass ihm der Gemeinderat der Stadt Wien die große Goldene Salvatormedaille verleihen will. Und in Gießhübl feiert Katharina Fürst bald ihren 90. Geburtstag und bekommt daher Besuch.

Was sonst noch für Gesprächsstoff sorgte an jenem 12. Juli hat Uwe Mauch für Sie zusammengefasst.

11. Juli

Der Tag, an dem die Krise Sommerpause macht und man lieber über luftige Sommerkleider und den Panamakanal spricht.

Die Damen bekommen Tipps, was modemäßig angesagt ist, Wien bekommt als neue Sehenswürdigkeit die Aposteluhr am Hohen Markt, und die Welt bekommt den Panamakanal, der den Weltverkehr umwälzen wird. Auch in Adelskreisen macht die Krise Sommerpause: Der deutsche Kaiser Wilhelm II. sendet Geburtstagsglückwünsche an König Peter I. von Serbien.

Was sonst noch für Gesprächsstoff sorgte an jenem11. Juli hat Susanne Mauthner-Weber für Sie zusammen gefasst.

10. Juli

Der Tag, an dem in Österreichs Botschaft in Belgrad der russische Gesandte an einem Herzinfarkt stirbt.

Der Sommerschlussverkauf hat begonnen – was sich in den Zeitungen in entsprechenden Inseraten bemerkbar macht. Die Titelseiten aber bestimmt ein spektakulärer Todesfall: In Österreichs Botschaft in Belgrad stirbt der russische Gesandte während einer Unterredung „in konziliantem Tone“ mit seinem österreichischen Kollegen. Der schon lange an einer Herzkrankheit leidende russische Botschafter erlitt einen Herzinfarkt, Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos.

Was sonst noch für Gesprächsstoff sorgte an jenem10. Juli hat Ernst Mauritz für Sie zusammen gefasst.

9. Juli

Der Tag an dem Kaiser Wilhelm II. sich unzufrieden über das Zögern der Diplomatie äußert.

In Wien regnet es in Strömen - was viele Wienerinnen und Wiener aber nicht weiters stört, weil sie schon längst aufs Land geflüchtet sind. Paris hat einen Nackt-Tänzerinnen-Skandal, nachdem zwei Schönheiten nahezu hüllenlos aufgetreten sind. Kaiser Wilhelm II. ist unzufrieden über das Zögern der Diplomatie und auch Kaiser Franz Joseph drängt auf eine energische Aktion.

Was sonst noch für Gesprächsstoff sorgte an jenem 9. Juli hat Susanne Mauthner-Weber für Sie zusammen gefasst.

8. Juli

Der Tag an dem Ungarns Ministerpräsident und Kriegsgegner Tisza schriftlich beim Kaiser Bedenken gegen eine militärische Lösung erhebt.

„Nunmehr, da die Gruft zu Artstetten die sterblichen Überreste der teuren Toten, um welche die ganze Monarchie trauert, aufgenommen hat, ist es Zeit, Umschau zu halten über die Folgen und Begleiterscheinungen, die das Attentat auf das Thronfolgerpaar gezeitigt hat...“ analysierte Der Tiroler. Der ungarische Ministerpräsident Tisza ist es, der am 8. Juli als erste offizielle Persönlichkeit zum Attentat Stellung nimmt: Wer war schuld und welche Konsequenzen soll es geben, das waren die Schwerpunkte seiner Rede im ungarischen Abgeordnetenhaus.

Unterdessen fand sich der Minister des Äußeren, Graf Berchtold, beim Kaiser in Ischl zur Berichterstattung ein. „Die Entrüstung über das Verbrechen von Sarajewo verliert nach der Beisetzung der Opfer in Artstetten allmählich an Schärfe und macht ruhigerer Erwägung Platz, die sich an des Kaisers Botschaften an seine Völker ... anknüpfen. Diese Botschaften entsprechen der abgeklärten Regierungsweisheit unseres greisen Kaisers, lassen aber die Frage 'Was soll nun in den Reichslanden geschehen?' unbeantwortet. Und doch ist das eine Frage, welche allen kaisertreuen Österreichern auf den Lippen brennt.“

Was sonst noch für Gesprächsstoff sorgte an jenem 8. Juli hat Susanne Mauthner-Weber für Sie zusammen gefasst.

7. Juli 1914

Der Tag an dem der k.u.k. Ministerrat über einen Militärschlag gegen Serbien berät.

Während sich die Minister um Kabinettschef Graf Stürghk beraten und sich zunächst auf verstärkte Grenzüberwachung einigen, bricht Kaiser Franz Joseph gegen acht Uhr Vormittag vom Bahnhof Penzing auf, um mit dem Hofsonderzug nach Bad Ischl zu reisen. Er will seinen unterbrochenen Sommerurlaub fortsetzen.

Die Ereignisse jenes 7. Juli hat Sandra Lumetsberger hier für Sie zusammengefasst.

6. Juli 1914

Der Tag an dem man auf eine diplomatische Lösung hofft.

"Unsere Deutschmeister in der Herzegowina" titelt die Neue Zeitung anlässlich der Enthüllung eines Gedenksteines zum Jahrestag der Schlacht bei Kolin (1757) in Konjic. Nichts deutet darauf hin, dass die Monarchie bald wankt: Ein fröhliches Wiesenfest findet statt. In Wien ist es heiß. "Sonnenseitig wurden bei direkter Bestrahlung 42,5 C" gemessen, berichtet das Neue Wiener Journal. Das Wetter in Sarajewo ist nicht übermittelt. Dort findet aber eine Konferenz statt. An einen großen Krieg denkt man offenbar kaum – und vertraut auf Diplomatie.

Die Ereignisse jenes 6. Juli hat Ingrid Teufl für Sie zusammengefasst.

5. Juli 1914

"Blankoscheck" von Kaiser Wilhelm II.

Franz Ferdinand und seine Frau Sophie von Hohenberg haben jetzt endgültig ihre letzte Ruhestätte gefunden: Schloss Artstetten in Niederösterreich. Weder Ort noch Wetter waren eines Thronfolgers würdig. Während die einen trauerten, bereiteten andere den Krieg vor: Legationsrat Graf Alexander von Hoyos – Abgesandter des österreichischen Kaisers – saß zu diesem Zeitpunkt schon im Nachtzug nach Berlin. Seine Mission: Er wollte sich die Unterstützung des deutschen Kaisers Wilhelm II. für einen Militärschlag gegen Serbien sichern.

Die Ereignisse jenes 5. Juli hat Ute Brühl für Sie zusammengefasst.

4. Juli 1914

Erste Fotos vom Attentäter Princip

Mit der Beisetzung des Thronfolgerpaars in die Familiengruft bei Artstetten in Niederösterreich enden die offiziellen Leichenfeiern. "Aber in der Bevölkerung und in der Presse werden die Ereignisse dieser Woche noch lange erregten Widerhall finden", schreibt Die neue Zeitung. Wohl wahr. Der Attentäter, der Gymnasiast Gavrilo Princip, wird auf dem Titelblatt bei seiner Festnahme gezeigt. Trotz der Hektik des Ereignisses ist dem anonymen Fotografen ein erstaunlich scharfes Bild gelungen.

Die Ereignisse jenes 4. Juli hat Martin Burger für Sie zusammengefasst.

3. Juli 1914

Der Tag der Leichenfeierlichkeiten

Das Alltagsleben der Monarchie ist außer Tritt geraten. Auch an Tag vier nach dem Attentat herrscht Ausnahmezustand: Der Österreichische Theater-Direktoren-Verband teilt mit, dass alle Bühnen geschlossen bleiben. Kein Auftritt für die "Kinokönigin". Sämtliche Börsen finden wegen der "Leichenfeierlichkeiten des Herrn Erzherzogs Franz Ferdinand" nicht statt, berichten die Blätter. Volksbelustigungen wie das Sommerfest in Trofaiach sind laut Arbeiterwille. Organ des arbeitenden Volkes für Steiermark und Kärnten "wegen der Trauer verboten" und werden um eine Woche verschoben.

Die Ereignisse jenes 3. Juli hat Hedwig Derka hier für Sie zusammengefasst.

2. Juli 1914

Der Tag, an dem in der Residenzhauptstadt Wien der Trauerzug mit dem toten Thronfolgerpaar ankommt.

In den Redaktionen der Wiener Tageszeitungen regiert der Pathos. So notiert der Berichterstatter der Neuen Zeitung: "Der tote Thronfolger und seine Gemahlin sind zum letzten Mal in die Residenzstadt der Habsburger eingekehrt. Eine ungeheure Menge Volkes harrte des als Opfer seiner Pflichterfüllung gefallenen Erzherzogs."

Pathos aber auch in einem Bericht des Illustrierten Sportblatts: Der hatte allerdings weniger mit Weltpoltik zu tun als mit einem "Knalleffekt" in der heimischen Fußballmeisterschaft, "wie ihn die kühnste Phantasie eines Kinodramendichters nicht wirkungsvoller ersinnen könnte".

Mehr zu jenem 2. Juli hat Uwe Mauch für Sie zusammengefasst

1. Juli 1914

Der Tag, an dem der Attentäter Gavrilo Princip sein Geständnis ablegt und die Waisen des Thronfolgers vom Unglück erfahren.

"Der Attentäter ist ein kleingewachsener brünetter Bursche; seine Augen sind eingefallen und man sieht, dass man es mit einem Tuberkulösen zu tun hat", schreibt die Neue Zeitung. Sämtliche Blätter zitieren sein Geständnis: "Ich bin schuldig. Ich bin mit der Absicht hierher gekommen, das Attentat auszuführen. Fremder Einfluss ist bei mir nicht zur Geltung gekommen." Und weiter: "Schon als Schüler der vierten Gymnasialklasse las ich anarchistische Bücher und der Anarchismus ist mir zur förmlichen Leidenschaft geworden ... Ich stellte mir die Aufgabe, eine Säule der Monarchie unbedingt zu töten, was mir jetzt endlich gelungen ist."

Was sonst noch geschah an jenem 1. Juli hat Laila Daneshmandi für Sie zusammengefasst.

30. Juni 1914: Attentatsstelle als Fotomotiv

Es ist der Tag, an dem die Leichen der Thronfolger Bosnien-Herzegowina verlassen.

"Sarajevo bietet heute das Bild einer ruhigen Stadt", heißt es im "Drahtbericht" der Reichspost. "Heute früh kamen hier zahlreiche Fremde an, namentlich aus Ungarn, um die Stadt anzusehen. Viele photographierten die Stellen des Attentats." Bis Mittag waren alle "Trümmer und Reste der Verwüstungen" der Demonstrationen vom Vortag beseitigt.

Was sonst noch geschah an jenem 30. Juni hat Ernst Mauritz für Sie zusammengefasst.

29. Juni 1914: Der Tag danach

Sommerlich warm, heiter – nur nachmittags ein paar Gewitter. Welch ein Tag für eine Landpartie. Es ist "Peter und Paul" – der Feiertag, an dem die Galans ihre Dirndln in den Wiener Prater ausführen, zum Heurigen oder in den Wienerwald.

Doch die "gräßliche"Nachricht vom Tod des ThronfolgersErzherzog Franz Ferdinand und seiner Gattin Herzogin Sophie von Hohenberg hat sich über alle Provinzen der Monarchie verbreitet. Die Stimmung oszilliert zwischen Unglauben, Entrüstung und "tiefstem Mitgefühl". Man notiert: "Ein strahlender Feiertagsmorgen glühte dann über die trauernde Stadt herauf und fand sie noch immer in derselben fassungslosen Starrheit." Der damals 28-jährige Zoologe Karl von Frisch – er erhielt 1973 gemeinsam mit Konrad Lorenz den Nobelpreis – schrieb in seinem Buch "Erinnerung eines Biologen" (1962): "Peter und Paul verlockte mich zu einem kurzen Ausflug nach Brunnwinkl, wo meine Mutter und zum Teil auch meine Brüder bereits zum Sommeraufenthalt eingetroffen waren. Schon am 28. Juni war ich dort und wir saßen eben vergnügt beim Nachmittags-Kaffee, als jemand die Nachricht brachte, der österreichische Thronfolger (...) sei ermordet worden."

Was sonst noch geschah an jenem 29. Juni hat Gabriele Kuhn hier für Sie zusammengefasst.

28. Juni 1914: Der Tag des Attentats.

29,5 Grad Celsius Höchsttemperatur, kaum ein Wölkchen trübt den Himmel. "Die Sommerhitze bestimmt alle weiblichen Wesen dazu, die dünnsten Toiletten anzulegen und sich in dekolletierten Blusen von spinnwebenfeinem Gewebe vor der brennenden Sonne zu verstecken", schreibt Das interessante Blatt und veröffentlicht die angesagtesten Damenmode-Trends 1914.

Österreich erlebt einen strahlend schönen Tag. Wäre da nicht das Attentat im fernen Sarajewo:"Der Erzherzog und die Herzogin starben nach ungefähr einer Stunde, obwohl sofort Ärzte und unter ihnen auch der Leibarzt des Erherzogs, Dr. Viktor Eisenmenger, aus dem Gefolge zur Stelle waren", wussten Zeitungen zu berichten. "Schon der erste Augenschein ergab, daß jede Hoffnung auf Erhaltung des Lebens ausgeschlossen war."

"Im Haupttelegraphenamt war schon um 11 Uhr vormittags die Ungücksnachricht eingelangt. Auf telegraphischem Wege wurden die Beamten einberufen. Zahllose Staatsdepeschen wurden abgesendet, bis spät Nachts herrschte Permanenzdienst", steht im Wiener Montags-Journal über das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie.

Was sonst noch geschah an jenem geschichtsträchtigen 28. Juni hat Susanne Mauthner-Weber hier für Sie zusammengefasst.

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