© Die Muskete, 1914

Was geschah vor 100 Jahren
07/07/2014

8. Juli: Scharfe Töne – die Folgen des Attentats

Erster Weltkrieg: Hetze in Österreich und Serbien.

von Susanne Mauthner-Weber

28. Juni bis 28. Juli 1914 – ein Monat, in dem die Weichen für die Urkatastrophe des Jahrhunderts gestellt wurden. Der KURIER erinnert in seiner 31-teiligen Serie daran, was auf den Tag genau vor 100 Jahren geschah. Heute: der 8. Juli 1914, der Tag an dem Ungarns Ministerpräsident und Kriegsgegner Tisza schriftlich beim Kaiser Bedenken gegen eine militärische Lösung erhebt.

Eine Depesche, 34 Worte, abgesandt auf Schloss Chlumetz in Böhmen: Heute wird bekannt, was die letzte Handlung des Erzherzogpaares war, ehe es zum Rathaus in Sarajewo fuhr. Franz Ferdinand und Sophie haben den letzten Morgengruß ihrer Kinder am Unglückssonntag vom Postamt holen lassen.

Ausflugsziel Artstetten

In Österreich wird unterdessen Artstetten von den Wienern belagert: Dank des herrlichen Sommerwetters seien viele Hundert Wiener hier erschienen, um die letzte Ruhestätte zu besichtigen. Das blieb ihn verwehrt, weil die Gruft sofort verschlossen worden war und so besichtigten die Ausflügler Schloss, Park und die prachtvollen Blumenspenden, deren Zahl mittlerweile auf mehr als 1700 angewachsen war.

„Nunmehr, da die Gruft zu Artstetten die sterblichen Überreste der teuren Toten, um welche die ganze Monarchie trauert, aufgenommen hat, ist es Zeit, Umschau zu halten über die Folgen und Begleiterscheinungen, die das Attentat auf das Thronfolgerpaar gezeitigt hat...“ analysierte Der Tiroler. Der ungarische Ministerpräsident Tisza ist es, der am 8. Juli als erste offizielle Persönlichkeit zum Attentat Stellung nimmt: Wer war schuld und welche Konsequenzen soll es geben, das waren die Schwerpunkte seiner Rede im ungarischen Abgeordnetenhaus.

Unterdessen fand sich der Minister des Äußeren, Graf Berchtold, beim Kaiser in Ischl zur Berichterstattung ein. „Die Entrüstung über das Verbrechen von Sarajewo verliert nach der Beisetzung der Opfer in Artstetten allmählich an Schärfe und macht ruhigerer Erwägung Platz, die sich an des Kaisers Botschaften an seine Völker ... anknüpfen. Diese Botschaften entsprechen der abgeklärten Regierungsweisheit unseres greisen Kaisers, lassen aber die Frage 'Was soll nun in den Reichslanden geschehen?' unbeantwortet. Und doch ist das eine Frage, welche allen kaisertreuen Österreichern auf den Lippen brennt.“

Belgrader Frechheiten

Man beklagt die Hetze der serbischen Blätter gegen Österreich und bezeichnet sie als Belgrader Frechheiten. Gleichzeitig fordert der Leiter des "Preßbureaus Stefanovic" im Auftrag des Ministerpräsidenten die Redakteure sämtlicher serbischer Blätter auf, sich in ihren Polemiken über das Attentat jedweder Ausfälle gegen Österreich-Ungarn zu enthalten.“ Sinnlos: „In Serbien verbreitet sich rasch der Boykott gegen alles, was aus Österreich-Ungarn kommt“, weiß dieCzernowitzer Allgemeine Zeitung zu berichten. Man bleibt sich nichts schuldig: Die Muskete druckt eine Karikatur, die sich recht untergriffig mit dem Serbischen Regierungs-Prinzip befasst.

Die Untersuchungen in Sarajewo seien unterdessen in vollem Gange und hätten den Charakter einer Staatsaktion. Trotz strenger Zensur, stehe „in der Öffentlichkeit bereits fest, dass der serbische General Jankovic derjenige war, der die jungen Leute zu dem Mord in Sarajewo verleitete“, schreibt der Teplitz-Schönauer-Anzeiger. „Hingegen hat Serbien alle Vorsorgen getroffen, um die Donau und Save durch Minen unpassierbar zu machen. Minenmaterial soll in hinlänglicher Menge vorhanden sein.“ Nachzulesen im Deutschen Volksblatt.

Krieg liegt in der Luft.

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Auf den Tag genau vor 100 Jahren

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