„Ein Stadtbild aus Sarajevo“ und die 1530/31 errichtete Begova-Moschee (re.): Bis heute die größte in Bosnien und Herzegowina (aus dem Neuigkeits-Welt-Blatt, 1.7.1914)

© /Neuigkeits-Welt-Blatt

Was geschah vor 100 Jahren
06/30/2014

30. Juni: Sensationslust anno 1914

Attentatsstelle als Fotomotiv – und eine lange Reise mit Hofsonderzug und Flaggschiff.

von Ernst Mauritz

28. Juni bis 28. Juli 1914 – ein Monat, in dem die Weichen für die Urkatastrophe des Jahrhunderts gestellt wurden. Der KURIER erinnert in seiner 31-teiligen Serie daran, was auf den Tag genau vor 100 Jahren geschah. Heute: der 30. Juni 1914, der Tag, an dem die Leichen der Thronfolger Bosnien-Herzegowina verlassen.

"Sarajevo bietet heute das Bild einer ruhigen Stadt", heißt es im "Drahtbericht" der Reichspost. "Heute früh kamen hier zahlreiche Fremde an, namentlich aus Ungarn, um die Stadt anzusehen. Viele photographierten die Stellen des Attentats." Bis Mittag waren alle "Trümmer und Reste der Verwüstungen" der Demonstrationen vom Vortag beseitigt.

Serbische vs. Wiener Zeitungen

Die antiserbischen Töne verschärfen sich: "Wo immer serbische Einflüsse am Werk sind ... dort wütet der Mord", heißt es in der christlichsozialen Reichspost: "Heute aber geht durch das ganze Land nur ein Schrei, der Schrei nach Rache und Sühne." Die sozialdemokratische Arbeiter-Zeitung kritisiert die Reichspost: "Ihre Redakteure verkleiden sich bald als erzürnte Krieger ..., bald hetzen sie ohne Maske nicht bloß zum Rachekrieg, sondern auch zu einer Änderung des Systems."

"Um 6 Uhr früh langten die Leichen des hohen Paares mittels Hofsonderzuges aus Sarajevo in Metkovic ein", schreibt das Neuigkeits-Welt-Blatt. In dem süddalmatinischen Hafenort an der Neretva-Mündung war die Grenze des k. u. k. Reichslandes Bosnien-Herzegowina erreicht und damit auch das Ende der Bahnstrecke nach Sarajewo. Die Särge werden an Bord des Flaggschiffes der k.u.k. Marine, der SMS Viribus Unitis (das Schiff ankerte an der Neretva-Mündung) gebracht. 15.45 Uhr: "Seiner Majestät Schiff Viribus Unitis begleitet von fünf Schlachtschiffen, dem Kreuzer Spaun und mehreren Torpedobooten hat die Narenta-(Neretva-, Anm.) Mündung (Richtung Triest) verlassen", so die Wiener Zeitung.

Die neuen Thronfolger

Das Vorarlberger Volksblatt stellt "das neue Thronfolgerpaar" Erzherzog Karl Franz Josef und Erzherzogin Zita mit wichtigen Details vor: Prinzessin Zita "genoß eine sorgfältige Erziehung" und "schon in der frühesten Jugend entwickelte sie sich zu einer vorzüglichen Reiterin".

Es gibt aber auch noch andere Themen – etwa "Moderner Naturschutz" in der Badener Zeitung: Die "immer dringlicher laut werdenden Naturschutzmaßnahmen" dürften auch nicht vor den "sogenannten schädlichen Tieren" – den Raubvögeln – haltmachen: Auch ihnen wolle man heute, wo sich ihre Zahl schon stark reduziert habe, "das Dasein gegönnt wissen".

Die große KURIER-Sonderausgabe zum ersten Weltkrieg finden Sie hier.

Was bisher geschah

Mobilität: Träume auf Rädern

"Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung", soll der deutsche Kaiser Wilhelm II. um die Jahrhundertwende erklärt haben. Das Eintreffen seiner Prophezeihung war ihm zu Lebzeiten nicht vergönnt. Im Gegenteil: In den USA ließ Henry Ford seine "Tin Lizzy", das legendäre Modell T, ab 1913 vom Fließband laufen. Der Zeitgeist huldigte den Pferdestärken, jedoch nicht im Wilhelm'schen Sinne.

Auch die Zeitungen waren voll von Automobilwerbungen. Mobilität bedeutete Fortschritt und Freiheit. Eine kleine Auswahl aus dem Schicksalsjahr 1914.

Auf den Tag genau vor 100 Jahren

Tag für Tag können Sie mit dem KURIER ein Stück Geschichte aufleben lassen. Die gesammelten Einträge aus den Monaten Juni/Juli 1914 finden Sie hier in unserem Ticker. Täglich neu.

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