Vor der Eröffnung des Panamakanals

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Was geschah vor 100 Jahren
07/10/2014

11. Juli: Die Krise macht Sommerpause

Man spricht über luftige Sommerkleider und den Panamakanal, der demnächst eröffnet.

von Susanne Mauthner-Weber

28. Juni bis 28. Juli 1914 – ein Monat, in dem die Weichen für die Urkatastrophe des Jahrhunderts gestellt wurden. Der KURIER erinnert in seiner 31-teiligen Serie daran, was auf den Tag genau vor 100 Jahren geschah. Heute: der 11. Juli 1914, der Tag an dem der deutsche Kaiser Wilhelm II. trotz der Krise Geburtstagsglückwünsche an König Peter I. von Serbien sendet.

Das Leben geht weiter. Im Wiener Lustspiel-Theater gibt man die „Die spanische Fliege“. Und auch andere Theater setzen eher auf Operette und Schwank, denn auf Tragödie und Oper.

Der Alltag erobert die Zeitungen zurück: Am rechten Donaukanalufer wird eine zerstückelte Frauenleiche entdeckt. Eigentlich handelt es sich nur um einen in einen Sack verpackten Rumpf. Die Polizei ermittelt „angesichts einer vielhundertköpfigen Menschenmenge durch mehrerer Stunden“, schreibt Die Neue Zeitung anderntags.

Im selben Blatt erfährt man auch vom Selbstmord des Werkmeisters Alois Holubek, 20. Bezirk, Engerthstraße 84. Titel der Geschichte: „Selbstmord vor der Trauung“. Der Grund dürfte ein Herzleiden des Leider-nein-Bräutigams gewesen sein.

Die neue Uhr auf dem Ankerhofe

Und schließlich die gute Nachricht zum Tag: Die Zeitung kündigt eine neue Attraktion für die Wienerstadt an – die Aposteluhr am Hohen Markt. „Der erste Bezirk erhält in kurzer Zeit eine neue Sehenswürdigkeit. Auf dem Ankerhofe am Hohen Markte wurde die erste Aposteluhr in Wien angebracht. Das Werk, bei welchem das Erscheinen der einzelnen Apostel den Stundenwechsel bezeichnen soll, wird am 18. August, dem Geburtstage des Kaisers, in Bewegung gesetzt werden.“

Must-have anno 1914

Den Damen ist auch im Juli 1914 heiß: „Sie verzichten auf die anliegenden Sachen und ,lose und bequem‘ ist ihr Losungswort.

Die Leibchen werden nicht mehr auf feste Futtertaillen genäht, und wenn die Toilette hundertmal für den Sonntag bestimmt ist, man macht doch nicht mehr die steifen Toiletten, die noch vor einigen Jahren für ganz unerläßlich galten“, erfährt die modebewusste Dame in Das interessante Blatt.

Vielleicht hat dazu auch ein „Frauenkongreß zur Vereinfachung der Mode“ beigetragen. Der fand – veranstaltet von amerikanischen Frauenvereinen – in Chicago statt, weiß Der Tiroler: „Dabei wurde eine scharfe Entschließung angenommen, in der die heutige Damenmode als übertrieben und unschön hingestellt wird. Der Kongreß, an dem über 3000 Delegierte teilnahmen, fordert die Frauen der Staaten auf, staatliche Kommissionen einzusetzen die gemeinsam mit den Schneiderinnen an der Schaffung einer einfacheren und bescheideneren Damenmode arbeiten sollen.“

Zwei Wochen später, mit Ende der Julikrise, sollte eine handvoll kriegstreiberischer Männer dieses Problem der streitbaren Damen gelöst haben.

Panamakanal

Der Arbeiterwille schließlich würdigt „Die Bedeutung des Panamakanals für den Weltverkehr“, der in Kürze eröffnet werden soll. Eine Karte bringt den Lesern die „Umwälzung im Weltverkehr durch Benutzung des Panamakanals“ näher. So verkürze sich die Fahrt von Liverpool nach San Francisco um 9527 und die nach Valparaiso um 4535 km. Ein Meilenstein in der Geschichte des Weltverkehrs, resümiert das Blatt.

Und auch in Aristokratenkreisen macht die Krise Sommerpause: Der deutsche Kaiser, Wilhelm II., lässt Geburtstagsglückwünsche an König Peter I. von Serbien telegrafieren.

Noblesse oblige.

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Auf den Tag genau vor 100 Jahren

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