Die Neue Freie Presse berichtet über das Chaos in Belgrad

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Was geschah vor 100 Jahren
07/12/2014

13. Juli: Die Österreicher verlassen Serbien

Erst beruhigen Diplomaten, doch dann verlässt selbst der österreichische Gesandte in Belgrad, Wladimir Giesl, Serbien.

von Martin Burger

28. Juni bis 28. Juli 1914 – ein Monat, in dem die Weichen für die Urkatastrophe des Jahrhunderts gestellt wurden. Der KURIER erinnert in seiner 31-teiligen Serie daran, was auf den Tag genau vor 100 Jahren geschah. Heute: der 13. Juli 1914, der Tag an dem der Tag, an dem Österreicher und Ungarn Belgrad „fluchtartig“ verlassen.

Die in Serbien ansässigen Österreicher und Ungarn sind verunsichert. Nach dem Attentat befürchten sie weitere nationalistisch motivierte Gewaltakte. Und das, obwohl der österreichische Untersuchungsbericht zum Attentat von Sarajevo ergibt: Eine Mitwisserschaft der serbischen Regierung ist nicht erwiesen. Das hätte eigentlich zur Beruhigung beitragen sollen. Der k. u. k. Gesandte in Belgrad, Wladimir Giesl, versichert der Neuen Freien Presse, alles ihm Mögliche zur Deeskalation beizutragen. Er bestätigt Gerüchte von Großdemonstrationen und einem geplanten Anschlag auf die Gesandtschaft. „Ich begab mich sofort zum Ministerpräsidenten (Nikola) Pašić und teilte ihm die mir zugegangen Meldungen mit. (...) In den Abendstunden ließ die serbische Regierung die Wachposten in der Umgebung der Gesandtschaft verstärken.“ Offensichtlich funktionieren die diplomatischen Kanäle noch. Auch das Wiener Journal, laut Unterzeile ein Unparteiisches Tagblatt, ortet große Verunsicherung in Belgrad und beschreibt den Vortag als „Tag der Panik“. Giesl, „einer der kaltblütigsten und unerschrockensten Diplomaten der Monarchie“, gehört zu jenen, die Serbien fluchtartig verlassen, „um sich auf österreichischem Boden in Sicherheit zu bringen“. Der Titel des Leitartikels klingt wie eine Aufforderung zum Krieg: „So geht es nicht weiter“.

Schwimmen im Donaukanal

Ansonsten widmen sich die Montagsblätter an diesem 13. Juli 1914: Dem Mordprozess gegen den Wiener Gebäckausträger Kalman Felsenburg. Der 25-Jährige hat mit einem Browningrevolver den Geschäftsführer der „Café-Restauration Stalehner-Alpenhaus“ in Wien-Hernals niedergestreckt. Felsenburg war „angeheitert, sang und tanzte im Lokal umher“. Das Urteil: Drei Jahre schwerer Kerker. Der österreichischen Wirtschaft, der es gar nicht gut gehe, wie die Neue Freie Presse in ihrem Leitartikel schreibt. Zitat: „Die Verheerung in den Wertpapieren ist heute fortgesetzt worden.“ Und dem Wettschwimmen „Quer durch Wien“ vom Nußdorfer Wehr bis zur Sophienbrücke (heute: Rotundenbrücke), das zwar schon vor einer Woche stattgefunden hat. Für die Leser aber sind die Hintergründe neu: Fast 60 von 68 Gestarteten bewältigten die 7,5 km. Und das bei einer Wassertemperatur von 12 C.

Was bisher geschah

Mit dem Schiff von Wien nach Budapest im Jahre 1912

Auf den Tag genau vor 100 Jahren

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