Der russische Gesandte stirbt in Österreichs Botschaft in Belgrad - Illustration auf der Titelseite von "Die Neue Zeitung"

© /oenb/anno

Was geschah vor 100 Jahren
07/10/2014

10. Juli: Tod durch Herzschlag in der Gesandtschaft

In Belgrad verstirbt der russische Botschafter Nikolai Hartwig in Österreichs Vertretung.

von Ernst Mauritz

28. Juni bis 28. Juli 1914 – ein Monat, in dem die Weichen für die Urkatastrophe des Jahrhunderts gestellt wurden. Der KURIER erinnert in seiner 31-teiligen Serie daran, was auf den Tag genau vor 100 Jahren geschah. Heute: der 10. Juli 1914, der Tag an dem in Österreichs Botschaft in Belgrad der russische Gesandte an einem Herzinfarkt stirbt.

Egal ob in der Mariahilferstraße, in Czernowitz (heute Ukraine) oder Bielitz (heute Polen): Bei Del-Ka gibt es Anfang Juli 1914 „Sommer Sonder-Angebote“ mit „bis 50 % Ermäßigung“ auf viele Schuhe. In der Marburger Zeitung wird „Yoghurt gegen Arterien-Verkalkung“ beworben.

Spektakulär

Die Titelseiten der Zeitungen bestimmt aber ein spektakulärer Todesfall. In Belgrad macht der russische Botschafter Nikolai Hartwig seinem österreichischen Kollegen, Baron von Giesl, seine Aufwartung.Hartwig setzt sich für ein panslawistisches Reich ein – und gilt in Österreich deshalb als „größter und geschäftigster Gegner“ (Neues Wiener Journal) der k.u.k. Monarchie „auf dem Balkan“. Hartwig „erschien um 9 Uhr abend im Palais der österreichisch-ungarischen Gesandtschaft“. Während der Konversation, "die in einem sehr konzilianten Tone geführt wurde, griff der Gesandte von Hartwig plötzlich mit der Hand gegen das Herz, beugte den Kopf und fiel vom Kanapee auf den Fußboden“. Das herbeigerufene Personal "unternahm sofort Wiederbelebungsversuche. Nach fünf Minuten war der erste Arzt zur Stelle. Sofort nach dessen Eintreffen gab Hartwig seinen Geist auf." Zwei andere Ärzte konnten nur mehr „den Eintritt des Todes infolge Herzschlages konstatieren“.

"Schreckenstat"

Lokalreporter berichten über „die Schreckenstat einer aus der Irrenpflege Entlassenen“ (Arbeiter-Zeitung) in der Wiener Universumstraße: „Eine Frau, die erst kürzlich gegen Revers in Freiheit gesetzt worden ist, hat ihre beiden lieben und herzigen Kinder vom dritten Stockwerk auf die Straße geworfen. Das eine Kind blieb auf der Stelle tot, das zweite ringt zur Zeit mit dem Tode und ist ihm hoffnungslos verfallen." In letzter Zeit habe „die vorzeitige Entlassung irrsinniger Personen aus der Irrenpflege wiederholt schwerstes Unglück verursacht“.

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