Thema | 1914
11.07.2014

12. Juli: Glückliche Tage zu den letzten Tagen der Menschheit

Während die Kaiser in Wien und Berlin den Krieg vorbereiten, gibt es fürs Volk auch feierliche Momente.

28. Juni bis 28. Juli 1914 – ein Monat, in dem die Weichen für die Urkatastrophe des Jahrhunderts gestellt wurden. Der KURIER erinnert in seiner 31-teiligen Serie daran, was auf den Tag genau vor 100 Jahren geschah. Heute: der 12. Juli 1914, der Tag an dem der Tag, an dem in den Residenzen in Wien und in Berlin weitere Schritte in Richtung Krieg gemacht werden.

Die von Karl Kraus so titulierten „letzten Tage der Menschheit“ zeitigen auch glückliche Momente. Wobei sich Glück und Tragödie schon gefährlich nahe kommen: Während am 12. Juli durchsickert, dass der alte Kaiser in Wien ein Ultimatum an Serbien stellen wird und sein Kollege in Berlin eine baldige Kriegserklärung wünscht, darf sich ein Deutscher in Wien geehrt fühlen. Der Violinenvirtuose August Duesberg, am 3. Oktober 1867 in Gelsenkirchen geboren, erfährt an diesem Tag, dass ihm der Gemeinderat der Stadt Wien die große Goldene Salvatormedaille verleihen will. Diese Ehrung wurde Tonkünstlern in Wien nur äußerst selten zuteil. Duesberg, der Gründer des „Ersten Wiener Volksquartetts für klassische Musik“, hat zu diesem Zeitpunkt mehr als 300 populäre Konzerte in Wien aufgeführt. In seinem kleinen Ensemble wirkt auch seine begabte Gemahlin, die Pianistin Natalie Duesberg-Javurek, mit.

Große Ehre auch für die Bäuerin Katharina Fürst: Die betagte Frau, sie ist Jahrgang 1824, hat noch den ganz alten Kaiser, Ferdinand I., erlebt. Kurz vor ihrem 90. Geburtstag und vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, will sich ein Illustrator zu ihr nach Hochleiten bei Gießhübl begeben, um „die älteste Frau von Gießhübl“ für die Neue Zeitung auf Papier zu bannen. Er zeichnet sie mit einer Holzbutte auf dem Rücken. Die bettelarme Frau sammelt Brennholz für den Winter. Es geht der alten Kathi nicht viel besser als den böhmischen Ziegelarbeitern auf dem Wienerberg. Am 12. Juli 1914 ist das Leben für die Mehrheit der Menschheit beinhart, doch es sollte bald noch sehr viel härter werden.

Was bisher geschah

Eine Reise durch Österreich-Ungarn

Die Fotografien stammen aus dem Band "Unsere Monarchie - Die österreichischen Kronländer zur Zeit des fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläums seiner k.u.k. apostol. Majestät Franz Joseph I", herausgegeben von Julius Laurencic, Georg Szelinski k.k. Universitäts-Buchhandlung, Wien 1898.

Auf den Tag genau vor 100 Jahren

Tag für Tag können Sie mit dem KURIER ein Stück Geschichte aufleben lassen. Die gesammelten Einträge aus den Monaten Juni/Juli 1914 finden Sie hier in unserem Ticker. Täglich neu.

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