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Gianni Infantino hat mit einer scherzhaften Bemerkung über Italiens WM-Misere Kritik im Land des viermaligen Fußball-Weltmeisters ausgelöst. Im Interview des brasilianischen Senders CazéTV machte sich der FIFA-Präsident über das erneute Scheitern der Italiener in der Qualifikation lustig, als er über eine mögliche Aufstockung auf 64 Teams grinsend sagte: "Vielleicht qualifiziert sich Italien bei einer WM mit 64 Teams - oder wir gehen sogar hoch auf 228 Teams."

"Bin an seinen Gedanken interessiert"

Die FIFA hat 211 Mitgliedsverbände. Italiens Sportminister Andrea Abodi zeigte sich nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa irritiert und kündigte an, das Gespräch mit dem FIFA-Chef suchen zu wollen. "Angesichts der großen Entfernung zwischen Italien und Mexiko ist ein Telefongespräch zur Klärung der Sachlage, je nach seinen Verpflichtungen, am besten. Ich bin an seinen direkten Gedanken interessiert", sagte Abodi.

Italien hatte zum dritten Mal in Serie die WM-Qualifikation verpasst und fehlt beim derzeitigen Turnier in Kanada, Mexiko und den USA. Erstmals sind 48 Teams bei der Endrunde dabei.

Würde die laufende WM nicht die halbe Welt umfassen, wäre Katar wohl nicht qualifiziert. Aber nach einem Gruppensieg in der 4. Runde der Qualifikation darf das Emirat im Persischen Golf als eines von acht asiatischen Länder und neun aus der „Asian Football Confederation“ (Australian ist mittlerweile dabei) die Trikots vor einem Weltpublikum anziehen. Das passierte bereits 2022, und damals hätte man am liebsten die Köpfe unter den Leiberln versteckt, punktelos und mit einer Tordifferenz von 1:7 verabschiedete man sich als schlechtester Gastgeber der WM-Geschichte aus dem Turnier.

Die USA starteten mit einem über weite Strecken fulminanten Sieg in das WM-Turnier. Das Veranstalterland zerlegte Paraguay in Los Angeles vor 70.492 Fans mit 4:1 und wird damit eine Fußball-Euphorie im Land entfachen. US-Präsident Donald Trump erlebte den Triumph nicht live mit, dafür sein Außenminister Marco Rubio. Trump selbst hatte dem Team in einem Telefonat wenige Stunden vor dem Anpfiff Mut zugesprochen.

Im Vorfeld der Partie boten die USA alles auf, was zu einem gelungenen Entertainment gehört. Superstar Katy Perry zog eine kurze, aber sehenswerte Show ab und trällerte gemeinsam mit einem Buben ein Liedchen. Danach wurde die amerikanische Hymne stimmungsvoll und pathetisch intoniert, Tom Cruise bewies dabei seine Sangeskunst mit der Hand auf dem Herzen. Hollywoodreif. Neben ihm stand David Beckham und sang nicht mit, er ist ja auch Engländer.

"Ich sehe den Sieg schon vor mir", sagt die junge Wienerin Alida D. in einem blau-gelben Trikot der bosnischen Nationalmannschaft vor dem Anpfiff. Sie sitzt mit ihrer Freundin Aida K. an einem Vierertisch vor dem Donauturm, wo sich die bosnische Community beim Public Viewing für das WM-Spiel Bosnien und Herzegowina gegen Kanada versammelt hat. Ćevape, Kajmak, Lepinje und Ajvar lassen die heimatlichen Gefühle der Bosnier im 21. Wiener Bezirk aufflackern. Das rege Treiben der knapp 400 Fans wird mit dem Einlass der Spieler auf das Spielfeld unterbrochen. Die bosnische Hymne ertönt, die Fans erheben sich im Schanigarten vor dem riesigen Bildschirm von ihren Sesseln. Da ist Stolz in den Augen, da ist Vorfreude in der Luft, da ist Hoffnung. 

Was fehlt, ist aber der Gesang. Denn die bosnische Hymne, "Intermeco" genannt, hat keinen Text. Das 1998 offiziell eingeführte Werk wurde vom Komponisten Dušan Šestić geschrieben und ist ein Kompromiss. Die drei großen Bevölkerungsgruppen des Landes (muslimische, orthodoxe und katholische Bosnierinnen und Bosnier) konnten sich auf keinen gemeinsamen Text einigen.

Co-Gastgeber Kanada und Bosnien-Herzegowina sind mit einem Remis in die Fußball-WM gestartet. In Toronto endete am Freitag das Gruppe-B-Duell zwischen den beiden Teams 1:1 (0:1). Jovo Lukic brachte die Gäste-Elf von Trainer Sergej Barbarez in der ersten Hälfte in Führung (21.), der eingewechselte Cyle Larin (78.) rettete der Mannschaft von Coach Jesse Marsch einen Punkt. Es war der erste WM-Zähler für die Kanadier bei ihrer dritten WM-Teilnahme.

Die erste Runde in Gruppe B wird am Samstagabend (21.00 Uhr MESZ) komplettiert, in Santa Clara bei San Francisco treffen Katar und die Schweiz aufeinander. Die "Eidgenossen" sind kommenden Donnerstag (21.00) in Los Angeles auch der nächste Gegner der Bosnier, während Kanada in Vancouver in der Nacht auf Freitag (0.00) die Kataris empfangen.

Dzeko bei Bosnien auf der Bank

Während das Heimteam den am Oberschenkel verletzten Kapitän Alphonso Davies vorgeben musste, saß beim Gegner Altstar Edin Dzeko nur auf der Bank. Der 40-jährige Schalke-Stürmer laboriert an einer Schulterblessur. Die Partie verpasste zudem auch Ex-Austria-Angreifer Haris Tabakovic (Knöchel). Nach einer stimmungsvollen Eröffnungsfeier, an der auch die kanadischen Musikstars Michael Buble und Alanis Morissette - Letztere sang die Hymne der Gastgeber - mitwirkten, sahen die 43.000 Zuschauer im kleinsten WM-Stadion einen lebhaften Auftakt. Amar Memic kam in guter Position zum Abschluss, schoss aber über das Tor (3.).

Auf der Gegenseite ließ Jonathan David eine Großchance liegen: Der Juventus-Stürmer traf zentral vor dem Tor den Ball unsauber, der Schuss wurde zu einer leichten Beute für Goalie Nikola Vasilj (17.). Kurz darauf klingelte es im kanadischen Gehäuse. Eine sauber exekutierte Eckball-Variante köpfelte Lukic zur bosnischen Führung. Für den 27-jährigen Stürmer war es der erste Nationalteamtreffer überhaupt. Die Marsch-Truppe übernahm in der Folge das Kommando, blieb aber im Abschluss zu ungefährlich oder wie beim Schuss von Tani Oluwaseyi über das Tor (32.) zu ungenau.

Kanada-Offensive mit Ausgleich belohnt

Auch nach der Pause drängten die "Ahornblätter", blieben aber ohne Glück. Richie Laryea hatte Torhüter Vasilj nach einem sehenswerten Angriff schon bezwungen, Sead Kolasinac fing das Leder jedoch in höchster Not via Querbalken ab (53.). Im Gegenzug rettete Keeper Maxime Crepeau gegen Ermedin Demirovic (54.). Nikola Katic klärte einen Kopfball von Oluwaseyi vor der Linie (66.). Nach 74 Minuten brachte Barbarez den scheidenden Salzburger Kerim Alajbegovic in die Partie, der mit 18 Jahren sein WM-Debüt als jüngster Bosnier feierte.

Entscheidend in Szene setzte sich aber ein anderer "Joker": Larin, gerade zwei Minuten am Platz, glich mit einem abgefälschten Schuss aus der Drehung zum 1:1 aus (78.). Die agileren Kanadier drängten nun auf den Sieg. Bosnien, das im WM-Play-off Italien eliminiert hatte, brachte das Remis jedoch über die Ziellinie, auch weil Larin den "lucky punch" verpasste (96.).

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