Ancelotti und Co.: Wie große Trainer große Persönlichkeiten führen
Carlo Ancelotti und Vinicius Junior beim Training
Über die Titelanwärter Spanien und Frankreich wird vor dieser WM viel gesprochen. Doch es gibt auch diese ewigen Favoriten… etwa Brasilien und England. In Brasilien wartet man seit 2002 auf den nächsten Triumph, in England sogar seit 1966. Die Sehnsucht ist riesig – und damit auch der Druck auf jene, die das Land vertreten.
Fußball ist in beiden Ländern tief in der Kultur verankert, auf unterschiedliche Weise. In Brasilien wird am Strand, auf der Straße und auf jedem freien Platz gekickt. In England werden Kinder oft schon in die Anhängerschaft eines Vereins hineingeboren. Fußball ist Teil der Identität.
Für Nationalspieler hat diese Leidenschaft zwei Seiten. Einerseits genießt du automatisch einen besonderen Status. Andererseits kann die Begeisterung schnell in Enttäuschung umschlagen. Wer als Held gefeiert wird, kann innerhalb weniger Tage zum Sündenbock werden.
Etwa Neymar, dessen Nominierung allein schon wegen seiner Verletzungsgeschichte kritisch diskutiert wurde. „Bleib daheim“, schrieben ihm Fans der Seleção. Oder Bukayo Saka nach dem EM-Finale 2021. Obwohl er zuvor ein starkes Turnier gespielt hatte, wurde er nach seinem verschossenen Elfmeter in England zum Ziel von Hasskampagnen. Beide Fälle zeigen, wie groß die emotionale Fallhöhe in solchen Fußballnationen ist.
Wie geht man als Spieler damit um?
Sie sind selbst Teil dieser Kultur. Trotzdem ist es etwas anderes, wenn man im Mittelpunkt steht. Dann braucht es Menschen, die Stabilität geben. Ein gutes Umfeld, mentales Training und gegebenenfalls auch psychologische Unterstützung können entscheidend sein. Vor allem aber muss es gelingen, den Lärm von außen auszublenden. Social Media macht das nicht einfacher. Während eines Turniers ist es oft klüger, sich von Kommentaren und Debatten fernzuhalten. Entscheidend ist, den Fokus auf die eigene Leistung und die Mannschaft zu richten. Das Team wird zum Anker, weil die Verantwortung gemeinsam getragen wird.
Führungspersönlichkeit: Ancelotti geht vor
Trainer gefragt
Eine wichtige Rolle spielt dabei der Betreuerstab. Gute Trainer verhindern, dass der Druck auf einzelne Spieler abgeladen wird. Sie schützen ihre Mannschaft nach außen und übernehmen Verantwortung, wenn es schwierig wird.
Brasiliens Teamchef Carlo Ancelotti traue ich zu, mit einer Situation wie jener rund um Neymar oder Vini Jr. umzugehen. Er hat im Laufe seiner Karriere oft bewiesen, dass er große Persönlichkeiten führen kann. Indem er Neymars Nominierung klar verteidigte, sendete er ein wichtiges Signal an Mannschaft und Öffentlichkeit: Dieser Spieler genießt mein Vertrauen.
Leader-Qualitäten: Wie gut ist Tuchel?
Auch Thomas Tuchel wird in England nicht nur als Taktiker gefragt sein. Ob er der Situation in puncto Leadership gewachsen ist, wird entscheidend sein.
Am Ende wirst du in Brasilien wie in England an Titeln gemessen. Wer gewinnt, wird gefeiert. Wer scheitert, spürt die Enttäuschung eines ganzen Landes. Das macht die Last größer als anderswo – und den Erfolg am Ende umso bedeutender.
Die ehemalige ÖFB-Kapitänin und ORF-WM-Expertin Viktoria Schnaderbeck kommentiert an dieser Stelle während der Weltmeisterschaft das Geschehen auf und neben dem Platz.
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