KURIER-Expertin Schnaderbeck über ÖFB-Team: "Das ist unser Riesenvorteil"
Viktoria Schnaderbeck
Die WM kann losgehen. Auch für Viktoria Schnaderbeck. Die frühere Kapitänin der ÖFB-Frauen führt nicht nur ihre Arbeit als ORF-Expertin weiter, sondern wird auch für den KURIER als Kolumnistin im Einsatz sein. Im Sport Talk sprach sie nach dem Länderspiel gegen Tunesien über ...
... die Lehren aus dem letzten Testspiel: Das erste Learning war, dass wir einen breiten Kader haben – noch breiter als bei der EM 2024. Das andere ist, dass wir noch an der einen oder anderen Stellschraube drehen müssen: Wir müssen offensiv konkreter, gefährlicher sein und defensiv wird es im Turnier ganz wichtig sein, keine Chancen und auch keine Halbchancen zuzulassen.
... die mögliche Startaufstellung: Die Spieler, die später hineingekommen sind, hatten einen starken Impact. Ich glaube, das hat nochmal etwas verändert. Wäre die erste Halbzeit gegen Tunesien super gelaufen, wäre das für mich die Startelf gewesen. Aber so glaube ich, dass Ralf Rangnick noch etwas verändern wird.
... die Rolle von Konrad Laimer: Es macht ihn jedenfalls aus, dass er sehr vielseitig einsetzbar ist. Auch bei Bayern spielt er mal links Außenverteidiger, dann rechts, dann auf der Sechs, im Mittelfeld. Zudem ist er eine Kämpfernatur. Das spiegelt ja auch diesen Rangnick-Stil – dieses Aggressive, diese hohe Laufbereitschaft, diese Energie. Ich habe ihn mit „Team Milka“ kürzlich getroffen. Charakterlich ist er, glaube ich, auch ein sehr wichtiger Spieler, bodenständig und zugänglich. Das ist auch für junge Teamkollegen wichtig. Er ist jedenfalls einer der Schlüsselspieler.
... Carney Chukwuemeka und Paul Wanner: Die beiden vergrößern auf jeden Fall die Breite im Kader. Wir haben immer viele Möglichkeiten in der Defensive gehabt, aber jetzt kann man auch offensiv unterschiedliche Spielertypen nachschieben. Beide bringen eine hohe Qualität und schon eine internationale Erfahrung mit. Chukwuemeka hat in zwei Spielen bewiesen, dass er einen Einfluss haben kann – mit direkten Torbeteiligungen oder einem Tor. Wanner, der auch beim Ghana-Spiel an einem Tor mitbeteiligt war, hat gezeigt, was für ein Spieler er ist. Er ist nicht nur einer, der spielen kann, sondern er kann auch arbeiten – auch nach hinten, kann laufen. Das zeigt, dass er gut ins Österreich-Konzept passt. Er ist ein intelligenter Spieler.
Chukwuemeka und Wanner
... die Besonderheiten eines Turniers bzw. die Gefahr eines Lagerkollers: Trainer und Trainerteam müssen dafür sorgen, dass eine gute Balance herrscht. Natürlich will man sich vorbereiten, man will Analysen machen, hat nur wenig Zeit dafür neben Trainings. Aber man muss dann auch den Mut haben, Pausen zu machen. Den Burschen auch mal ihre Familien reinholen, für gute Stimmung zu sorgen – für das Herz, nicht nur den Körper! Die Spieler sind aber auch selbst verantwortlich: Wenn du vier Wochen zusammen bist, kannst du entscheiden, ob du jeden Tag auf dein Zimmer gehst oder ob du dich auch ab und zu in die Runde setzt, Karten spielst, einen Schmäh machst bzw. mit den Leuten redest und Spaß hast. Natürlich gibt es unterschiedliche Typen, aber ich glaube, so kann ein Spirit entstehen. Bestenfalls hast du ein paar, die vorangehen und für Stimmung sorgen und alle ins Boot holen ... und klar: Erfolg hilft!
... die Chancen des ÖFB-Teams bei der WM: Ich traue dem Team sehr viel zu, wenn alle Dinge aufgehen. Die erste Halbzeit gegen Tunesien würde nicht reichen! Aber spielen sie wie in der zweiten Halbzeit, wo alle gegen den Ball arbeiten, wo du Kontersituationen gut nutzt, wo du dann auch eine Chance wie die von Sabitzer eiskalt machst, dann kannst du weit kommen – auch über das Sechzehntelfinale hinaus. Ich traue dem Team auch zu, Gruppenerster zu werden. Fakt ist, wir haben super Spieler, aber keine Weltmannschaft. Aber wo wir einen Riesenvorteil haben können, ist als Kollektiv, weil wir eine geschlossene Mannschaft haben, die weiß, was sie macht. Es gibt keinen Zweifel, wie die Philosophie von Rangnick ausschaut, wie die Rollen in dieser Mannschaft verteilt sind. Das ist ein Riesenvorteil.
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