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Reise zur Fußball-WM: 17 Stunden, viel Stau und ein Sonnenuntergang

Was der KURIER bei der Reise zur Fußball-WM gelernt hat: Sechsspurige Autobahnen garantieren in Kalifornien kein Vorankommen.
Andreas Heidenreich und Alexander Strecha aus Santa Barbara
Stau und Sonnenuntergang in Kalifornien

Eine Fußball-Weltmeisterschaft für Journalisten. Klingt nach einem Abenteuer. Das wird es auch. Wie wird es sein, was wird uns erwarten? Aufgrund der weltpolitischen Situation, mit einem Krieg führenden Veranstalterland, stellen sich vor einem zwölfstündigen Flug von Wien nach Los Angeles und der Einreise in die USA einige Fragen.

Manche von ihnen sind mittlerweile beantwortet. Für die Immigration am Flughafen Los Angeles benötigt man wie erwartet Geduld, allerdings hält sich die Zeit in der Warteschlange mit rund einer Stunde halbwegs in Grenzen. Für US-Verhältnisse werden wir mit unserem Journalisten-Visum von dem Beamten regelrecht durchgewunken.

Das Sofi-Stadium, einer der WM-Austragungsorte, liegt nur knapp drei Kilometer vom Flughafen entfernt, ebenso das dazugehörige Akkreditierungszentrum, wo wir unsere Journalisten-Pässe für die WM abholen.

Der Mann mit der Glatze

Freundlich grüßen, Nummer ziehen, anstellen, warten und staunen. Über einen kahl geschorenen Mann unmittelbar vor uns in der „Line“, dessen Hinterkopf ein für deutschsprachige Europäer verstörendes Tattoo ziert. Die Zahl 88, zwischen den Ziffern eine Patrone. Aufgrund seines resoluten Blickes sind wir nur überschaubar zu einer Grundsatzdiskussion aufgelegt. Wir hoffen, ihn nicht wieder zu sehen, und nehmen unsere Ausweise entgegen.

Danach geht es mit dem Mietauto nach Santa Barbara, wo das ÖFB-Team sein WM-Teambasecamp aufgeschlagen hat und in den nächsten Wochen unter der strengen Beobachtung unserer vier Augen steht.

Der Blick aufs Navi mit mehreren roten und nur wenigen blauen Linien verdirbt etwas die Laune. Die fast dreistündige Autofahrt Richtung Norden beginnt mit einem Stau, wie man ihn nur aus Filmen kennt. 65 Meilen pro Stunde, also in etwa 105 km/h sind hier erlaubt. Allerdings: Stattdessen gibt es auf dem sechsspurigen Highway vorerst nur langsam dahin rollende Autos, obwohl keine Baustelle weit und breit in Sicht ist. Zu viel ist einfach zu viel, der ganz normale Wahnsinn einer US-Metropole.

Für die Hölle des Highways wird man auf der Fahrt dann entschädigt, wenn die Autobahn in der Küstenstadt Ventura den Pazifik trifft und man der noch nicht untergehenden Sonne entgegenfährt. Österreichs Team kommt flotter voran, einer Polizeieskorte sei Dank.

Endlich da

Santa Barbara ist ein idyllischer und nobler Ort an der Küste. Die Hauptstraße, State Street genannt, zieht sich durch ein gepflegtes Zentrum mit weißen Fassaden im spanischen Kolonialstil, Palmen, Restaurants, die schon um 21 Uhr halb leer sind, während langsam die Sonne untergeht. Eine Stadt, die sich keine Eile leistet. Nach Los Angeles wirkt das surreal – und angenehm.

Am Pier stehen Männer mit Angelruten und warten geduldig auf irgendetwas. Vielleicht ist das der Unterschied zu L. A.: Hier wartet man freiwillig – und legt sich auch gerne nieder. Morgen beginnt die Arbeit. Das ÖFB-Team schläft irgendwo in dieser Stadt – und wir auch.

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