Herzog: "Das US-Team müsste endlich in der Weltspitze auftauchen"
1990 und 1998 nahm er als Spieler an den Weltmeisterschaften in Italien und Frankreich teil, 2014 war er Co-Trainer von US-Teamchef Jürgen Klinsmann bei der Endrunde in Brasilien. 2026 wechselt Andreas Herzog abermals die Perspektive und wird die WM in den USA als Experte für den ORF begleiten. Am vergangenen Dienstagabend landete er in Los Angeles.
Für Herzog, der am Ende seiner aktiven Karriere auch bei LA Galaxy gespielt hat, wird der WM-Trip zu einer persönlichen Rückkehr. Der KURIER sprach mit dem Wiener über…
… seine Vorfreude auf die WM
Als ich hörte, dass der ÖFB sein Teamquartier in Santa Barbara plant, war es mein großes Ziel als Experte dabei zu sein. Ich bin Sky sehr dankbar, dass sie mich dafür freigegeben haben.
Andreas Herzog mit David Alaba und Marko Arnautovic
… die persönliche Bedeutung
Zwei Mal war ich als Spieler dabei, dann als Trainer und jetzt als Experte. Ich freue mich, dass ich ein WM-Turnier jetzt von einer weiteren Seite kennenlernen darf. Noch dazu in Kalifornien, das ist eine ganz besondere Mischung.
… den Status des Soccer in den USA
Der wird von Jahr zu Jahr besser. Die Liga holt nicht nur alte Stars wie früher. Allerdings muss man einen Lionel Messi als Zugpferd natürlich nehmen. Aber es kommen viele junge Spieler aus Südamerika, die nicht gleich den Sprung nach Europa wagen oder schaffen. Darunter sind viele gute Spieler aus U21-Nationalmannschaften. Dadurch ist auch das Tempo im Schnitt viel höher als früher. Es hat ein Umdenken gegeben, weil der Fußball intensiver wird. Darauf hat die Liga reagiert. Mittlerweile kann die MLS auch ein echtes Sprungbrett sein.
… den Wunsch, dass der Fußball irgendwann Nummer-Eins-Sport wird
Die Amis haben zwar eine echte Siegermentalität, aber solange das Männerteam bei dieser WM nicht ins Viertelfinale oder Semifinale kommt, wird es schwer bleiben. Den letzten Push, den der Soccer benötigt, ist ein US-Team, das in der absoluten Weltspitze auftaucht. Aber selbst wenn sie Zweiter werden würden, wären sie die ersten Verlierer. Das bringt die US-Mentalität mit sich.
… den Unterschied zu Europa
Die Konkurrenz unter den Sportarten ist in den USA eine ganz andere. Fußball hat in Europa einen anderen Stellenwert, die Top-Mannschaften ziehen die besten Spieler an. Vergangenheit und Tradition sind da schwer aufzuholen. Daher wäre ein Erfolg auf der größten Bühne wichtig.
… die Chancen der Österreicher
Ich traue dem Team viel zu, wenngleich man gegen jeden Gegner aufpassen muss. Dass wir gegen Argentinien nicht in der Favoritenrolle sind, kommt unserem Team entgegen. Wir brauchen unsere Top-Spieler in einer richtig guten Verfassung. Ich spreche da aus eigener Erfahrung, ausgerechnet ich war 1998 bei der WM in Frankreich nicht gut beisammen nach der Zehen-Operation.
Österreich hat nicht wie Frankreich und Spanien eine dermaßen große Auswahl an Spielern, die Matches entscheiden können. Ich gehe davon aus, dass Österreich die Gruppenphase überstehen wird. Das Auftaktspiel gegen Jordanien wird über den Verlauf entscheiden.
… über die Rollen von Alaba und Arnautovic
Es wird entscheidend, wie Teamchef Rangnick mit beiden umgeht. Beide haben eine hohe Qualität. Wenn David voll fit und richtig belastbar ist, dann hilft er dem Team. Marko kann immer noch den Unterschied ausmachen. Mit Kalajdzic ist aber jetzt ein Stürmer im Team, der ein ganz anderes Profil mitbringt.
Kommentare