Das neue, komplexe Regelwerk der Formel 1 stellt auch zusätzliche Anforderungen an die Piloten. Österreichs bisher letzter Grand-Prix-Sieger Gerhard Berger geht davon aus, dass sich dadurch Hierarchien ändern können. "Mit dem neuen Reglement kommt es sehr stark darauf an, wer die Tasten am Klavier am besten beherrscht", erklärte der 66-jährige Tiroler im Gespräch mit der APA. Die besten Voraussetzungen dafür hätte laut Berger Red Bulls vierfacher Weltmeister Max Verstappen.
Zentrale Bedeutung kommt 2026 den Auflademöglichkeiten der viel leistungsstärkeren Batterie zu. Berger: "Es geht nicht mehr nur darum, wer als Letzter bremst, sondern auch, wer weiß, welchen Schritt man machen muss, um genug Batterieleistung zu haben." Verstappen decke beide Seiten ab, programmiere mitunter sogar seine Simulatoren selbst. "Deswegen ist er so gut. Er ist ein Extremist auf der Strecke und ein irrsinnig besessener, leidenschaftlicher Kerl, der Rennsport versucht bis ins letzte Detail zu verstehen."
Mercedes und McLaren in der Favoritenrolle
Red Bull sieht Berger vor dem Saisonstart am Sonntag (5.00 Uhr MEZ) in Melbourne aber nicht in der Favoritenrolle, obwohl die Testeindrücke der in Kooperation mit Ford erstmals selbst hergestellten Antriebe gut gewesen seien. Mercedes und seine Kundenteams seien im Vorteil. "McLaren und Mercedes werden im Renntrimm schon die Benchmarks sein", meinte Berger. "Ich glaube, dass die am wenigsten die Karten aufgedeckt haben und lieber mit einem Überraschungseffekt nach Australien kommen."
Dahinter erwartet Berger Ferrari. "Sie machen keinen schlechten Eindruck." Lewis Hamilton sei im Vorjahr vom Speed seines Teamkollegen Charles Leclerc überholt worden. "Er ist für mich unumstritten ein Ausnahmerennfahrer, aber man hat schon gesehen, dass er auch in die Jahre kommt", sagte Berger über den 41-Jährigen. Der Siebenfach-Weltmeister könnte das neue Reglement aber als Chance für die Trendwende sehen. Auf einen WM-Tipp wollte sich Berger nicht festlegen. Mercedes-Mann George Russell, der Favorit der Buchmacher, muss zuerst einmal seinen jungen Stallgefährten Kimi Antonelli(19) hinter sich lassen. Berger: "Antonelli sehe ich schon als kommenden Mann, er wird Russell unter Druck setzen."