Es war ein Märchen, wie es im Buche steht – nur das Happy End fehlte. Maja Chwalinska startete in Paris in der Qualifikation, gewann neun Spiele in Folge – doch im Finale hatte die 24-jährige Polin keine Chance. Die erst 19-jährige Russin Mirra Andrejewa siegte nach 82 Minuten klar mit 6:3 und 6:2. Auch für sie war es das erste Grand-Slam-Finale. Als Belohnung für ihren bislang größten Erfolg darf sie sich über 2,8 Millionen Euro freuen und Platz sechs in der Weltrangliste.
„Es war ein großer Traum von mir, dieses Turnier zu gewinnen“, sagte Andrejewa. „Ich kann es nicht glauben, dass ich diese Trophäe gerade halte.“
Bei Chwalinska war die Enttäuschung zwar zu sehen. Doch eigentlich darf auch sie sich als Gewinnerin sehen. Auf Platz 114 gestartet, spuckt sie der Computer in der kommenden Woche auf Rang 21 der Weltrangliste aus. Dazu gibt es ein Preisgeld von 1,4 Millionen Euro. Chwalinska ist in Paris für ihre frühere Doppelpartnerin und Landsfrau Iga Swiatek in die Bresche gesprungen. Eigentlich war Letztere eine der Favoritinnen gewesen und hat in Roland Garros schon viermal triumphiert, diesmal kam das Aus von Swiatek schon im Achtelfinale. Eigentlich kaum zu glauben: Um ihre Unterkunft während der Qualifikation bezahlen zu können, hat sich Chwalinska von Swiatek 1.000 Dollar geliehen. Jetzt hat sie keine Probleme, ihre Schulden bei ihrer Freundin zu begleichen.
Klare Sache
Die Polin hat es zwar verpasst, als zweite Qualifikantin nach Emma Raducanu (US Open 2021) einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen, vergaß aber nicht, ihrer Konkurrentin zu gratulieren. „Glückwunsch Mirra, du bist so eine unglaubliche Spielerin“, sagte sie. Mit einem Schmunzeln fügte sie hinzu: „Du bist so jung und talentiert, das nervt.“
Tatsächlich ist Andrejewa die erste Teenagerin seit Coco Gauff bei den US Open 2023, die einen Major-Titel gewinnen konnte. Zudem ist Andrejewa die jüngste Siegerin in Roland Garros seit Monica Seles. Die hatte 1992 als 18-Jährige ihren dritten Erfolg hintereinander in Paris geholt.