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Mehr als eine Kugel: Warum man den WM-Ball aufladen muss

Was den Ball bei dieser Fußball-WM so außergewöhnlich macht.
Andreas Heidenreich aus Santa Barbara
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Der neue Spielball der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ist mehr als ein Stück Leder und Luft. Im Inneren arbeitet High-Tech, die den Schiedsrichtern helfen und Fehlentscheidungen reduzieren soll. Eine Besonderheit sorgt für Verwunderung: Der Ball muss vor jedem Spiel aufgeladen werden.

Wer einem Fußballfan vor 20 Jahren erzählt hätte, dass ein WM-Ball eines Tages an ein Ladegerät angeschlossen werden muss, wäre vermutlich ausgelacht worden. Fußball war immer der einfachste Sport der Welt: 22 Spieler, zwei Tore und ein Ball. Doch im Jahr 2026 sieht die Sache anders aus. Der neue offizielle WM-Spielball von Adidas trägt den Namen „Trionda“ und beherbergt im Inneren Technik, die man eher in einem Smartphone vermuten würde. Ein Sensor misst jede Bewegung des Balls, registriert Ballkontakte und liefert Daten.

Der Sensor stammt vom deutschen Technologieunternehmen Kinexon und wiegt 14 Gramm. Dennoch erfasst er Bewegungsdaten 500-mal pro Sekunde. Jede Richtungsänderung, jede Beschleunigung und jede Berührung werden registriert. Die Daten werden mit den Aufnahmen zahlreicher Stadionkameras sowie den Positionsdaten der Spieler kombiniert.

Energie für 6 Stunden

Das Ziel ist klar: Entscheidungen sollen schneller und präziser werden. Vor allem knappe Abseitsstellungen. Das System erkennt den exakten Moment, in dem ein Spieler den Ball berührt. Gerade bei Abseitsentscheidungen ist dies oft entscheidend.

Dass der Sensor Energie benötigt, liegt auf der Hand. Die Batterie im Ball hält Berichten zufolge rund sechs Stunden durch. Für ein Spiel reicht das aus. Vor dem Einsatz muss der Ball jedoch geladen werden – ähnlich wie ein Smartphone oder eine Smartwatch.

Allein dieser Umstand verdeutlicht, wie stark sich der Sport verändert hat. Wo früher lediglich Luftdruck und Gewicht kontrolliert wurden, gehört inzwischen auch der Ladezustand zur technischen Vorbereitung.

Für viele Fans ist die Entwicklung ein zweischneidiges Schwert. Einerseits verspricht moderne Technik mehr Fairness. Fehlentscheidungen, die früher über Meisterschaften oder Turniere entscheiden konnten, sollen reduziert werden. Andererseits wächst die Sorge, dass der Fußball immer technischer und analytischer wird. Kritiker bemängeln, dass spontane Emotionen durch neue technische Hilfsmittel verdrängt werden.

Der intelligente Ball ist die nächste Stufe dieser Entwicklung. Ganz neu ist die Technologie allerdings nicht. Bereits bei der WM 2022 in Katar kam erstmals ein Ball mit integrierter Sensorik zum Einsatz. Die aktuelle Generation arbeitet jedoch noch präziser und ist enger mit den Analyseplattformen der FIFA vernetzt.

Technik unsichtbar

Für die Spieler selbst bleibt die Technik weitgehend unsichtbar. Das Sensormodul wurde so konstruiert, dass Gewicht, Flugbahn und Sprungverhalten des Balls nicht beeinflusst werden.

Der neue WM-Ball steht sinnbildlich für den modernen Spitzensport. Dass er vor dem Anpfiff geladen werden muss, mag kurios erscheinen. Tatsächlich zeigt es vor allem eines: Die Digitalisierung hat längst auch den Mittelpunkt des Spiels erreicht.

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